20 l - Ein Experiment mit Dokumentation

Bast-ey.

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Hallo zusammen,

nachdem ich nun das ganze einige Tage für mich selber protokolliere, dachte ich mir: Eigentlich kannst du das auch teilen, vielleicht gibt es noch andere, die ähnliche vorhaben haben & denen diese Geschichte helfen könnte. :smile:

Also, worum geht es?

Ich hatte hier bei Flowgrow schonmal ein vorgestellt, es war mein 84l Becken. Damals war ich von AquaScapes einfach nur begeistert und wollte das auch. Zusammen mit dem jugendlichen Leichtsinn bin ich dann ganz schön auf die Schnauze gefallen (Die einzige Pflanze die in dem Becken wirklich schön wuchs war die Staurogyne :( )
Damit hatte sich auch der Wunsch nach solchen Becken gelegt - vorerst. :D

Denn ich befinde mich aktuell in der Prüfungsphase vom Abitur & habe viel Freizeit zur Verfügung. Kombiniert mit meinem Sieg über die Computerspielsucht kam einfach der Wunsch hoch, es nochmal mit der geliebten Aquaristik zu bedienen. Nach etlichen Stunden die ich hier Forum verbrachte und in denen ich die wirklich tollen Dokumentationen von einigen Usern hier förmlich verschlang, kam die Idee. Ich las hier von einem Becken, was mit reinem Lehm & Sand betrieben wurde. Vorher kannte ich aus der Aquaristik nur Sand, Kies, Soils & Akadama - Lehm war für mich neu. Dennoch dachte ich mir: Wieso nicht? Wieso sollte das nicht funktionieren? In der Natur klappts ja auch.
(Wobei ich mir natürlich selber im klaren bin, dass ein Aquarium nicht Natur ist. Es ist vielmehr ein von uns erzwungenes Gebilde was mit allen Mitteln am Leben erhalten wird, da es ohne uns und die verwendete Technik schlicht nicht in dieser Form bestehen könnte.)

Doch wie ich bereits sagte: Warum nicht? Ich wusste sogar sofort wo ich an guten Lehm kommen konnte. Verwandte von uns wohnen in Oberfranken, in einem kleinen recht beschaulichen Tal. Dort steiß ich beim tümpeln und Damm errichten vor einigen Jahren auf eine Lehmschicht. An diese habe ich mich sofort erinnert und dachte mir, alles klar - los geht's. Nach einigen Gesprächen mit meinem Onkel der Dipl. Geologe ist, wusste ich wonach genau ich suchen sollte und was zu vermeiden ist. Denn Lehm ist nicht gleich Lehm, wie ich schnell lernen musste. Doch das ist eine andere Geschichte.

Das zur Vorgeschichte, nun mal zum wesentlichen:

Das Becken ist ein schwarzverklebtes 20 L Becken - 40*20*25 cm / Glasstärke 4mm
Ursprünglich war es mal ein Quarantänebecken für Garnelen, aber die Zeit ist vorbei.

Den Verauf des Beckens bisher und auch in Zukunft werde ich versuchen in täglichen Intervallen zu dokumentieren - wie ein Tagebuch. Ich möchte lernen und das Becken soll quasi mein Buch werden aus dem ich lesen will. :besserwiss:

Also viel Spaß beim mitverfolgen :)

____


Hier mal der bisherige Verlauf des Beckens:
8. Mai.2013

Einbringen des Lehms (ca.4-5cm) & der Sandschicht (2-10 cm, wegen des Anstiegs nach hinten). Eingepflanzt wurden im drystart nur

$Helanthium tenellum

und ein Becher

$Riccia fluitans


Dabei bildet Riccia, welches mit schwarzem Fliegengitter auf flache Steinplatten aufgebunden wurde, die einzige Pflanze die aus einem inVitro Becher stammt. Das Becken wurde Abends abgedeckt, nachdem alle Pflanzen und das Hardscape befeuchtet worden sind.
Beleuchtet wird das Becken später mit einer 11 W Klemmlampe & 2* 3W LED Leuchten Zusammen ~ 1100 Lumen, was etwa 55 lm/l entspricht - Sofern denn alles bei den Pflanzen auch ankommt. :D

9. Mai. 2013

Ankunft der Pflanzen:
ca. 15 Stängel

$Limnophila indica

2x 7*7 cm

$Hemianthus callitrichoides "Cuba"

ein unbekanntes Moos ( ca. 200 ml)
1x

$Hydrocotyle cf. tripartita

1x
$Glossostigma elatinoides

1x kleine Portion
$Monosolenium tenerum
1x winziger Trieb (zum Glück :) )

$Vesicularia montagnei "Christmas Moss"


(Übrigens alles vom User
Hydrophil - an dieser Stelle nochmal ein Danke an dich. Pflanzen waren in einem Top Zustand!)

Nach dem bepflanzen wird das Becken befüllt, CO2 Anlage installiert. Wasser bleibt klar, Pflanzen zeigen deutlich die Sauerstoffsättigung des Wassers.

10. Mai

Wasser zeigt starke, weiße, beinahe milchige Trübung. 50% Teilwasserwechsel wird unternommen (Panik! :D Hatte so etwas bisher noch nicht beim einlaufen), Strömungspumpe wird installiert (350L/h), CO² wird nun effizienter eingebracht. Pflanzen sehen gesund aus.

11. Mai
Trübung lässt nach, ist aber immer noch deutlich zu sehen. 0,5 ml NPK werden dem Wasser hinzugegeben. Nachmittags werden die ersten winzigen Schnecken entdeckt. Sie sind wenige Millimeter groß und aktuell etwa zu 10. Eine dieser Schnecken hat schwarze Fadenalgen auf dem Gehäuse, vermute sie Stammt aus dem Becken aus dem mir auch der Großteil der Pflanzen zugesendet worden waren. Das Moos zeigt gegen Abend Helle Stellen an seinen Trieben auf. Ansonsten scheint alles ok.

12. Mai

Wassertrübung hat auch über diese Nacht wieder stark nachgelassen, dennoch ist von Klarheit noch keine Rede. Einige Stellen der HCC Polster werden gräulich, scheinen sich aufzulösen. Auch das H. tenellus zeigt vermehrt einige gelbe Stellen & wenige Braune Blätter. Moose werden vermehrt an Trieben grau. Glosso & L. indica bzw. H. tripartita unverändert. Riccia scheint auszutreiben. Von Algen keine Spur.
Düngung: Morgens 1 ml Flowgrow Nachmittags 0,5 ml NPK.
Beleuchtungsstärke wurde auf 9 Stunden erhöht.
22 Uhr: Habe noch mal mit der Lupe nachgesehen. Einige Riccia Polster assimilieren fleißig auch die L. indica treibt aus. Scheint als ob sich die Pflanzen erholt hätten!

13. Mai.


12 Uhr
Kommando zurück :D

Wassertrübung verstärkt zurück, warum ist mir schleierhaft. HCC beginnt nun wurzeln zu treiben, zwischen den dunkelgrünen-gräulichen Blättern sind erste, wenn auch zaghafte, grüne Triebe zu erkennen. Interessant ist für mich, das Moos Polster in Strömungsbereichen gräuliche Stellen aufweisen. Keine Ahnung ob das bakterieller Aufwuchs ist oder ob das tatsächlich vom Moos selbst herrührt. Die anderen Polster jedenfalls haben ihr dunkelgrünes Gewand unverändert behalten. Auch ein in der Strömungsrichtung liegender Teil der H.Tripartita löst sich auf. Ob das am eingeleiteten CO2 liegt? Dann müssten ja auch in anderen Becken, gerade die mit Außenreaktoren, keine Pflanzen am Wassereinlass gedeihen.

Wasserwerte soweit ok. Wasserhärte habe ich nicht gemessen, ist aus der Leitung eh butterweich und wird ein bisschen vom Gestein aufgehärtet. pH-Wert liegt bei 6,5-7. Einzig der Nitratwert stört mich. Im Leitungswasser sind bereits nur 5 mg/l enthalten, dementsprechend war heute kein Nitrat nachweisbar. Ob das der Grund für das zögerlich anwachsen ist? Vielleicht sollte ich den Pflanzen auch etwas mehr Zeit geben – aber das ist eben schwer vor Lauter Tatendrang. Habe jedenfalls auf etwa 20 mg/l aufgedüngt. Denke mal, dass das bei der Pflanzenmasse auch in Ordnung geht.
Den Tieren scheint es gut zu gehen. Einige Posthörnchen weiden die Kahmhaut ab & ich hoffe dass ihre Population noch wächst, sodass: 1. Algenprobleme ohne Tierkäufe behoben werden können und der Nitritpeak bald überstanden sein könnte, da die kleinen ja auch eine Verdauung besitzen. :D

_
Habe mich mit der Lupe noch mal des Mooses angenommen, schein kein aufwuchs zu sein. Die Blättchen werden einfach grau wenn gleich das Moos an seinen spitzen austreibt. Stört es das Moos wenn es quasi zum Biofilter wird und Detritus sich ansammelt? Mein Moos schein regelrecht abzusterben deswegen.. :/

14. Mai

Habe diese Nacht eine, zumindest für mich recht spannende Entdeckung gemacht. Durch Zufall bemerkte ich, dass das Wasser & vor allem die Scheiben von tausenden Muschelkrebsen bewohnt werden. Auch konnte ich andere, kleinere Lebewesen sehen. Das freut mich, denn auch wenn die Pflanzen noch schwierigkeiten sehe ich die Bildung einer funktionierenden Mikroflora als positiv an. Das trübe Wasser schiebe ich inzwischen dem HCC in die Schuhe. Das Scheint wirklich weg zu gammeln, noch möchte ich es nicht wegwerfen, weil ich denke, dass das ein paar Triebe vielleicht überleben. Konnte heute zum Glück wenigstens einen Lichtblick im Becken auffangen: die indica treibt aus, hoffentlich legt sie jetzt zu . Und R. fluitans assimiliert ebenfalls fleißig! :grow:

PS: Hab ne Ecke Cladophora entdeckt. Die wird erstmal mit schön viel NPK auf dem Fensterbrett wachsen dürfen, mal sehn ob man sie in einem gewissen Rahmen einsetzen kann! Pumpe musst eich rausnehmen, die zickt rum. Muss mal die Tage sehen, was sie hat.
 

Bast-ey.

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Hier mal Bilder von heute zwecks Anschaulichkeit.

Schönen Feierabend noch :bier:
 

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Bast-ey.

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Ein Update:

Einige Fragen haben sich für mich inzwischen beantwortet. Die weiße Färbung des Mooses beispielsweise ist nichts anderes als die Bildung eines dicken Biofilms - Und diese Entwicklung hat in Strömungsrichtung logischerweise als erstes begonnen. Auch andere Pflanzen haben ihn, gerade oberflächennahe Triebe der L. indica, aber wachsen tuen die Pflanzen trotzdem. Die Frage die ich mir Stelle ist: Muss ich mir Sorgen machen? Ich habe mich zwar mit der grassierenden Bakterienblüte und dem zögerlichen Pflanzenwuchs abgefunden, aber bergen dicke Biofilme & Kahmhäute Gefahren für die Stabilität des Beckens oder zumindest für die Pflanzen? Mir fehlt da einfach die Erfahrung, ich hatte das so in dieser Form noch nie. :-/

Zu den kleinen Tierchen: Sie sind weiß gefärbt deutlich kleiner als 1mm und erinnern mich ein wenig an Plankton. Zusätzlich scheinen sie vom Licht angezogen zu werden und bilden tagsüber an der Oberfläche sichtbare Ansammlungen. Nachts hingegen scheinen sie einfach im Wasser zu treiben und erst bei Lichtkontakt zuckeln sie langsam zur Oberfläche zurück. Könnte mir jemand sagen was das für Individuen sind? Würde mich echt mal interessieren. Habe mal ein Bild von ihnen angehängt. Sind wegen ihrer Größe und meinem schlechten Objektiv (Habe kein Makroobjektiv) aber trotzdem nur schwer zu erkennen & warscheinlich auch zu identifizieren. Aber hoffentlich wisst ihr da mehr als ich.
 

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Bast-ey.

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Mal ein Update :)

Es hat sich einiges getan. Die Kahmhaut habe ich mit nem selbstgebauten Skimmer erledigt. Wassertrübung habe ich im Griff Dank 2 Taktiken: Beim letzten Wasserwechsel habe ich gefilterten Teichschlamm eingebracht & danach begonnen die Beleuchtungszeiten auf 6 Stunden pro Tag zu reduzieren. Seitdem ist es klar geblieben. Einzig auf Bodengrund, Steinen etc. haben sich lange, schleimige Fäden gebildet. Aber da mach ich mir keine Sorgen, das wird den bald einziehenden PHS sicher schmecken. :lol:
Und Algen hab ich übrigens auch nicht :cool:

Was ich übrigens bestätigen kann ist, dass diese bakterielle Trübung des Wassers unheimlich viel Nitrat aus dem Wasser zieht. Musste ziemlich viel düngen um das auszugleichen, aber es lohnt sich. Die Riccia Polster perlen wie verrückt, die H. tripartita & Glosso Portionen treiben ebenfalls aus. Und die L. indica Stängel bilden zahlreiche, saftiggrüne Triebe :grow:

Ich denke ich kann am Sonntag schon die indica schneiden und dann Stecklinge setzen.

Werde euch weiter auf dem Laufen halten. :smile:
 

matzepatze

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Hi
Spannende sache mich würde mal interessieren welche stoffe oder nährstoffe den der Lehmboden so abgiebt? Oder eben bindet. Machst du Wassertest?

MFG Matti
 

Bast-ey.

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Servus,

schwer zu sagen inwiefern der Lehm an das Wasser etwas abgibt oder ob der Nährstoffe zieht. Hab erhlicherweise noch nicht geschaut wie er das Wasser beeinflusst. Müsste diesbezüglich nochmal nachmessen :smile:
 

Bast-ey.

Member
Servus!

Lang ist's her. Das Becken hat in den letzten Wochen viel durchgemacht. Einmal ist es es über Nacht gekippt (70% der Pflanzen sind quasi über Nacht abgestorben.. :irre: ) und zeitweise konnte ich mich als stolzes Mitglied der Grünwasseraquarianer brüsten - Aber ich habe sehr viel gelernt in dieser Zeit, gerade was die Mikroflora & Stabilität des Beckens angeht. Denn inzwischen ist das Wasser so klar, wie ich es noch nie erlebt habe. :gdance:
Es tummeln sich verschiedenste Kleinstlebewesen im Becken und auf dem Boden hat sich eine deutlich sichtbare Mulmschicht gebildet. Die Pflanzen wachsen allesamt langsam aber stetig und zeigen keinerlei Mangelerscheinungen. Trotzdem suche ich noch eine rote oder zumindest rötliche, kompakt wachsende Pflanze als farblichen Akzent.
Algen haben sich bisher keine (Bis auf einige kleine Cladophora Nester, stören mich aber nicht) breitgemacht, nicht einmal auf den Scheiben. :bier: :bier:


Bild kommt noch, schaffe es aber einfach nicht mit meiner Canon 450D das Becken ordentlich abzulichten. :lol: :?

PS: Der Lehm den ich gewählt habe, scheint äußerst Nährstoffarm zu sein, er zieht nämlich ordentlich Dünger aus dem Wasser. Das es aber ein Naturprodukt ist gehe ich mal davon aus, dass auch andere Arten gibt die vielleicht von sich aus recht nährstoffreich sind. Hängt halt davon ab, woher man den Lehm nimmt. Am besten mal Vorort nachfragen, da wird einem im Zweifel oft der ein oder andere (wichtige) Tipp gegeben. ;)
 
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