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Postby GreenReef » 10 Jan 2008 16:43
ZEN, ...Selbstkritik oder warum wir scheitern….

…nachdem das Thema ZEN hier ]etwas Philosophie schon mal vorbehandelt wurde möchte ich es nochmals etwas ausweiten denn ich hatte mich mal vor etlichen Jahren im Rahmen einer beruflichen ZusatzAusbildung mit zenbuddhistischen Elementen auseinander setzen müssen, …klingt irre ist aber tatsächlich so
…ZEN-Kunst ist ein endgeiles Thema und springt mir förmlich ins Gesicht wenn es um die Gestaltung von AQ`s geht, ..hierzu mal einige Fetzen meiner Gedanken welche ich als Skelett verstehen will und sukzessive unter der Mithilfe aller Interessierten mit Fleisch gefüllt werde könnte

…ZEN lässt sich ganz schwer definieren, …oft hört man in diesem Zusammenhang „DER WEG IST DAS ZIEL“, …aber was ist der Weg…?, der ZEN-Meister würde seinem Schüler antworten „Der Weg ist nicht das Ziel, sondern der Weg, …der Weg liegt vor deinen Augen“, ...aber warum kann ich ihn dann nicht sehen..?, ….„weil du an dein Ich denkst“ würde der Meister dann sagen und würde weiterhin ausführen „auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, ZEN ist der Augenblick und nicht das Warten auf einen besseren Augenblick, …der Ring des Weges, das ist der Weg er ist ohne Anfang und ohne Ende“

…das stimmt mich zum Nachdenken und wie wir sehen ist ZEN nach allen Richtungen offen und doch harmonisch in sich schlüssig, ZEN-Kunst vollzieht sich aus sich selbst heraus, sie ist die höchste Form der Reduktion und diese Reduktion sollten wir uns bei unseren Aquascapings auch zu Nutze machen denn die Schlichtheit mit gleichzeitiger Vollkommenheit wirkt weitaus mehr als komplexe Detailliertheit, …Spärlichkeit ist ein zentraler Stil der berühmten japanichen ZEN-Gärten

…der letzte AGA-Contest hatte mir die Augen geöffnet und beim ADA2007 …also die höchste Liga des Aquascapings war das nicht viel anders, westliche Becken standen nicht im Entferntesten in echter Konkurrenz und einige deutsche Teilnehmer hatten sich ihre eingereichten Arbeiten kosmetisch aufbereitet indem sie sich eine Platzierung rein unter den bundesrepublikanischen Teilnehmern schöngerechnet haben und ihre Layouts vorher sowie auch im Nachhinein mit der Parole „dabei sein ist Alles“ doppelmoralisch perfekt entschuldigten

…die Asiaten dagegen hauen sich Becken aus dem Ärmel dass man vor Neid mehrere Tode gleichzeitig sterben möchte, sie bedienen sich einer Macht zu der wir kaum einen Zugang haben, ihr Verständnis der Natur tickt völlig anders als unseres, sie beseelen tote Materie und lassen uralte Traditionen des Feng Shui in ihre Layouts mit einfliessen, ….sie lassen Pflanzen eine Sprache sprechen und sie behaften sie mit Symbolen deren Botschaft auch tatsächlich rüberkommt

…unsere AQ-Systeme haben wir gut im Griff, da wird auf zwei Nachkommastellen gemessen und gerechnet, …jaaha das liegt uns, wir wollen die Dinge mit dem Anspruch das System restlos zu verstehen in Zahlen fassen, ….aber beim Aquscaping..?, …unser Kopf und das westliche Denken kommt uns da in die Quere, wir verlernten unser Bauchgefühl mit dem Geist in Einklang zu bringen, ..das Herz wird nicht mit auf das gelenkt was gerade zu tun ist und die innere Achtsamkeit ist nicht bei der Sache
…westliches Denken strebt nach Polarität und nach Gegensätzlichkeit, nach der Einteilung in schwarz und weiss, in Gut oder Böse und in Ja und Nein, es ist kaum in der Lage das „sowohl als auch“ zu sehen, das Graue oder die Ganzheit und die Stufe eines „wise Mind“ zu erreichen gelingt nur in den seltensten Fällen

…den Asiaten werden solche Sichtweisen der Dinge in die Wiege gelegt, wir Europäer müssen sie uns hart erarbeiten und erreichen dennoch keine Erleuchtung weil unsere Geisteshaltung auf Formalismus und Konventionen programmiert ist, wir kommen nun mal aus einer ganz anderen Schule

…wärend wir ein tolles Becken als schön oder obergeil bezeichnen würden sieht der Asiate schon das KU, die Ruhe des Raumes mit seinen gestalterischen Elementen als etwas Ganzheitliches er sieht die Anmut und Erhabenheit, die nüchterne Subtilität die zu meditativen Exzessen einlädt
…die asiatischen Gartenkünste fundieren alle aus dem ZEN und dem Feng Shui und Amano hatte sich nicht ohne Grund dieser gestalterischen Technik bedient als er den bisherigen Aquarien mit Harmonie und Asthetik ein völlig neues Leben einhauchte

…perfekte Ästhetik lässt sich aber schwer planen, sondern sie entsteht aus der Gesamtheit der gestalterischen Elemente die zwar von der Hand geführt aber von der Intuition gelenkt wird

…manch einer könnte jetzt denken „in welcher Sekte bin ich denn hier gelandet“, er ist aber goldrichtig wenn er sich mit Aquascaping beschäftigen will ;)
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Postby gartentiger » 10 Jan 2008 17:02
Hallo Harald,

einfach ergreifend.

Interessant in dem Zusammenhang ist auch die Lebensweise der östlichen Kulturen.

Da lebt der technische Fortschritt im Einklang mit althergebrachtem. Sehr informativ war da der Chouchou fred im AID.


Es ist einfach eine Freude ostasiatische Becken zu sehen. Der westlich orienzierte Mensch sieht dabei aber in der Regel den Aufwand und nicht das Gefühl, welches das Becken transportiert.

Da fallen mir sofort wieder die sogenannten "Faulenzerbecken" ein, für die weniger Zeitaufwand in der Pflege benötigt wird.

Sicherlich sind es keine schlechteren Becken, nur fehlt es mir da am Sinn.


Gruss, Christian
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Postby Sabine68 » 10 Jan 2008 17:29
Hallo Harald,

sehr interessant. Ich habe mich mit dieser Philosophie noch nicht näher beschäftigt.

Die Frage ist halt, warum man persönlich an die Aquariengestaltung rangeht.

Möchte ich diese Philosophie verstehen,versuchen das umzusetzen und befriedigt mich dieses herangehensweise oder ist der eigene Anspruch ein anderer?

Bei meiner ganz persönlichen Aquariengestaltung setze ich ja auch nach Gefühl (wie du weißt :wink:) und kann z.B. mit einem Pflanzenplan nicht besonders viel anfangen :wink:
Bei mit steckt aber keine Philosphie dahinter und ich denke, daß ich auch nicht in der Lage wäre das umzusetzen, wie die Asiaten das tun. Mir fehlt ganz einfach diese fernöstliche Denke und auch diese Lebensweise.

ABER - mich befriedigt solch ein Becken, wenn es dann endlich so da steht, wie ich es mir vorgestellt habe.
Ich gucke in so ein Becken rein und denke, das ist es. Es vermittelt mir Ruhe und ich freue mich, daß es dann so aussieht wie es aussieht.
Mein 350er Wald- und Wiesen- Pflanzenparkbecken gefällt mir im Moment unheimlich gut.
Da wächst alles querbeet, hat aber unheimlich viel Atmosphäre - da ist nix mit Aquascaping und trotzdem finde ich es im Moment toll

gartentiger wrote:Da fallen mir sofort wieder die sogenannten "Faulenzerbecken" ein, für die weniger Zeitaufwand in der Pflege benötigt wird.
Sicherlich sind es keine schlechteren Becken, nur fehlt es mir da am Sinn.


Muss ein Becken immer einen Sinn haben? Das hängt wohl immer vom eigenen Anspruch ab. :wink:
Für mich persönlich hat es dann schon einen Sinn, wenn ich da reingucke und mir geht das Herz auf :wink:

Aber das ist was ganz anderes, als das, was die Asiaten unter Aquascaping verstehen
Viele Grüße
Sabine


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Postby kurt » 10 Jan 2008 17:57
Hallo Harald,

GreenReef wrote:…manch einer könnte jetzt denken „in welcher Sekte bin ich denn hier gelandet“, er ist aber goldrichtig wenn er sich mit Aquascaping beschäftigen will ;)


Wenn man das unter künstlerischen und Philosophischen Aspekten sieht und das ist ja meiner Ansicht nach Aquascaping geht das
schon in Ordnung, manche aber sehen das als Trend, wer möchte den,oder ist es der Reiz des neuen? Unsere Kultur hat einen
geprägt wenn man eine Philosophie umsetzen möchte warum nicht eine Europäische (Hollandbecken), sollte man aus seiner Haut
oder macht man sich da unglaubwürdig.Der Geist und die Seele der Kulturen sind zu unterschiedlich, aber nicht besser oder
schlechter und der Weg ist ohne Ende.
Gruß Kurt
Unterwassergarten

Einstimmung…
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Postby bastifantasti » 10 Jan 2008 18:32
Hi

Ich glaube Harald will hier niemand kritisieren oder jemand besser oder schlechter machen!!
Es ist doch richtig das auch das zum Aquascaping gehört!! Aber Kunst hat so viele Facetten und Auslegungen!!Über Geschmack lässt sich nicht streiten!!!!!!!!!! :wink:

Es ist schwer sich in die Gestaltung japanischer Gärten hineinzuversetzten und das beginnt man halt auf diese Art und Weise!!
Ich fände es schon gut wenn hier in diese Richtung etwas Material zusammengetragen werden könnte!! Da ich darüber wenig Material gefunden habe bisher!!
Es gibt bestimmt auch gute Bücher, ich wäre dankbar wenn man hier welche nennen könnte die sinnvoll auf das Aquascaping übertragbar sind!!


Grüße Sebastian
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Postby MikeD » 10 Jan 2008 18:55
Hi

Also sehr interessanter Gedankengang, den ich auch schon einige Male in kleinerem Sinne durchgangen bin, als ich mich ein bisschen (also wirklich nur ein bisschen) mit Zen oder Feng Shui beschäftigt hab und das ganze aufs Aquascaping übertragen wollte...
UNd man sieht ja auch bei Steven Chong, dass bei ihm viel mehr dahinter steckt als bei einigen hier, was jetzt auf keinen Fall irgendwen kritisieren soll oder sowas, ich beziehe mich da auch mit ein. Man merkt find ich einfach, dass bei ihm mehr Gedanken hinter einem Becken stehen und er einige male wirklich nur sehr minimalistisch denkt und trotzdem auch die "richtigen" Aquascapes beherrscht wie ein Meister.
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Postby Mark1 » 10 Jan 2008 20:06
Es muß spielend, spielerisch sein, wenn es etwas vom Geist des Zen atmen soll, da hier aber Menschen vertreten sind die andere Glaubenssätze verinnerlicht haben (Schule, Erziehung, Gesellschaft), steht da erst mal eine Änderung im Emotionalen an.

Grüße,
Mark.

P.S.: Bücher gibt es viele sehr gute über japanische Gärten, aber die innere Einstellung über äußere Gestaltung zu ändern, mutet mir wie ein Umweg an.
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Postby GreenReef » 10 Jan 2008 20:06
gartentiger wrote:Hallo Harald,
Der westlich orienzierte Mensch sieht dabei aber in der Regel den Aufwand und nicht das Gefühl, welches das Becken transportiert.
Gruss, Christian

BINGO, …das ist doch geradezu bezeichnend für uns, …erstmal kommt da ein „was kostet das“, „wie viel Arbeit muss ich investieren“, dann denkt man an die Stromkosten und dann wird das Ganze in Relation zum Ergebnis gesetzt, dann kommt die Frage nach dem Sinn und das wars dann
…mit solchen störenden Gedanken lässt sich kein vernünftiges Layout aufbauen :twisted:

…die Leute schreiben dann in die Foren „ich würde ja auch gerne, aber ich habe einfach zu wenig Zeit, …ich habe leider keinen grünen Daumen, ...ich kann mich noch nicht so recht entscheiden, ...da spielt leider meine Regierung nicht mit“
…das EntschuldigungsBuch wird immer länger und länger ;)

zB. im Kyudo, der japanischen Kunst des Bogenschiessens, …hier ist auch der Weg das Ziel, der Schütze konzentriert sich nicht auf das Ziel sondern auf den Weg wie der Pfeil in das Ziel findet, ...der Schütze lässt den Volltreffer einfach geschehen ohne ein bewusstes Zutun, er hat auch keine störende Gedanken wie „ich muss jetzt treffen“ sondern er weiss intuitiv das er treffen wird
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Postby Mark1 » 10 Jan 2008 20:14
Hi,

BINGO, …das ist doch geradezu bezeichnend für uns, …erstmal kommt da ein „was kostet das“, „wie viel Arbeit muss ich investieren“, dann denkt man an die Stromkosten und dann wird das Ganze in Relation zum Ergebnis gesetzt, dann kommt die Frage nach dem Sinn und das wars dann
…mit solchen störenden Gedanken lässt sich kein vernünftiges Layout aufbauen Twisted Evil


hier gilt doch auch das "sowohl als auch", nicht jeder hat das Ziel ein Layout zu kreieren, wie es noch nicht dagewesen ist.

Manche (wenige) beherrschen die Kunst des Zen in der Weise, daß sie sich an dem erfreuen, was Sie haben...Freude ist eine wichtige Voraussetzung für Innere Harmonie, wie sie es ist für Zen ;).

LG Mark.
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Postby GreenReef » 10 Jan 2008 20:17
Sabine68 wrote:Hallo Harald,

Bei mit steckt aber keine Philosphie dahinter und ich denke, daß ich auch nicht in der Lage wäre das umzusetzen, wie die Asiaten das tun. Mir fehlt ganz einfach diese fernöstliche Denke und auch diese Lebensweise.

Hallo Sabine,
...Du hast mit tödlicher Sicherheit ein Philosophie denn ich konnte mich ja persönlich davon überzeugen
...hier beschreibst Du sie ja auch sehr treffend
Bei meiner ganz persönlichen Aquariengestaltung setze ich ja auch nach Gefühl (wie du weißt :wink:) und kann z.B. mit einem Pflanzenplan nicht besonders viel anfangen :wink


ZEN ist nur nur eine weitere Möglichkeit, man kann sie als weitere Pilosophie in seine bereits vorhandene integrieren

ZEN kann auch nicht aufgezwungen werden, ich will ihn hier lediglich diskutieren ;)
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Postby addy » 10 Jan 2008 20:22
ein huhu an alle
ich finde das ganze was hier geschrieben wird auch sehr weise und klug geschrieben. es spiegelt meine persönliche "wunschlebensweise"wieder. jedoch sollte man in einer welt in der wir leben niemanden verurteilen oder herabsetzen nur weil er nicht mit dem zufrieden ist was er hat. ich finde es kommt einbischen so rüber als wenn unsere kultur schlecht wäre. das ist sie aber definitiv nicht und warum soll man sich nicht freuen wenn man bei so einem event wie aga-contest im vorderen drittel liegt. klar ist das kein erster platz aber für viele hier denoch unerreichbar. es zeigt vielmehr das man auch mit unserer einstellung zum scapen schöne becken design kann...
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Postby Sabine68 » 10 Jan 2008 20:37
Hi Mark,

Manche (wenige) beherrschen die Kunst des Zen in der Weise, daß sie sich an dem erfreuen, was Sie haben..


Das ist für mich persönlich Grundvoraussetzung Aquaristik zu betreiben. Wenn es mir keine Freude macht, lasse ich es bleiben.

Hallo Harald,


...Du hast mit tödlicher Sicherheit ein Philosophie denn ich konnte mich ja persönlich davon überzeugen
...hier beschreibst Du sie ja auch sehr treffend
Zitat:
Bei meiner ganz persönlichen Aquariengestaltung setze ich ja auch nach Gefühl (wie du weißt Wink) und kann z.B. mit einem Pflanzenplan nicht besonders viel anfangen :wink




so, wie du es schreibst, hast du recht - es ist mir vielleicht nur nicht bewußt


Hi Addy,

ich finde es kommt einbischen so rüber als wenn unsere kultur schlecht wäre. das ist sie aber definitiv nicht


Ich glaube, so ist das auch nicht gemeint.
Es sind halt die unterschiedlichen Denkweisen von Asiaten und Europäern sehr verdeutlicht worden :wink:
Viele Grüße
Sabine


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Postby diditsch » 10 Jan 2008 20:49
Hallo Harald,

irgendwann hattest du das Thema Zen im Zusammenhang mit Aquariengestaltung im AiD schonmal, aber da habe ich mich nicht so daran gestoßen wie heute.
Ich finde das Thema sehr interessant und für mich bietest du mit deinen Äußerungen sowohl eine Diskussionsgrundlage, als auch eine Angriffsfläche. Schön! 8)

…ZEN lässt sich ganz schwer definieren, …oft hört man in diesem Zusammenhang „DER WEG IST DAS ZIEL“, …aber was ist der Weg…?, der ZEN-Meister würde seinem Schüler antworten „Der Weg ist nicht das Ziel, sondern der Weg, …der Weg liegt vor deinen Augen“, ...aber warum kann ich ihn dann nicht sehen..?, ….„weil du an dein Ich denkst“ würde der Meister dann sagen und würde weiterhin ausführen „auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, ZEN ist der Augenblick und nicht das Warten auf einen besseren Augenblick, …der Ring des Weges, das ist der Weg er ist ohne Anfang und ohne Ende“

Schöne Worte und der Geschichten gibt es viele. Die helfen im Kontext der Praxis, aber so wie ich Zen gelehrt bekommen habe, ist es die Praxis und keine intellektuelle Auseinandersetzung. Das heißt nicht das intellektuelle Auseinandersetzung kein Zen sein kann, aber das Reden über Zen kann maximal "nur der Finger sein der auf den Mond zeigt" wenn überhaupt...

…das stimmt mich zum Nachdenken und wie wir sehen ist ZEN nach allen Richtungen offen und doch harmonisch in sich schlüssig, ZEN-Kunst vollzieht sich aus sich selbst heraus, sie ist die höchste Form der Reduktion und diese Reduktion sollten wir uns bei unseren Aquascapings auch zu Nutze machen denn die Schlichtheit mit gleichzeitiger Vollkommenheit wirkt weitaus mehr als komplexe Detailliertheit, …Spärlichkeit ist ein zentraler Stil der berühmten japanichen ZEN-Gärten

Aua, das könnte aus einen Katalog für Sofas sein....sorry, aber eine bestimmte reduzierte Art von Ästetik ist zwar schön, sollte aber nicht mit Zen verwechselt werden.

Da das Zitieren etwas mühsam ist, lass ich das mal.
Ich fand manche asiatische Becken auch absolut klasse, würde aber nicht soweit gehen, dass Zen, Feng Shui, das Tao te king, Laotse selbst, Buddha oder sonst ein Denk-, Religionssystem oder eine Person dafür verantwortlich ist, dass die Becken klasse waren. Vielleicht haben die Jungs und Mädels aus Fernost mehr Kohle und Zeit ihre Becken perfekt zu gestalten und dann auch noch "oberperfekt" ( mit Gekräusel auf der Wasseroberfläche und anderem Schnickschnack) abzulichten? Ich finde es auch höchst unangebracht alle Asiaten über einen Kamm zu scheren. Der "Asiate an sich" ist in seiner Mentalität doch sehr unterschiedlich. Vergleich doch mal die Nationen auf dem Weg des Zens oder des Buddhismuses von der Wurzel bist zur Veredelung :wink: von Indien über China nach Japan. Das liegt weiter auseinander, als alles in Europa....und das meine ich nicht geographisch.
Hier muß ich leider nochmal:
sie bedienen sich einer Macht zu der wir kaum einen Zugang haben, ihr Verständnis der Natur tickt völlig anders als unseres, sie beseelen tote Materie und lassen uralte Traditionen des Feng Shui in ihre Layouts mit einfliessen, ….sie lassen Pflanzen eine Sprache sprechen und sie behaften sie mit Symbolen deren Botschaft auch tatsächlich rüberkommt

Wenn du in den letzten Jahren mal in China, Korea, Japan oder Indien warst, kannst du sehen das da der materielle Wahnsinn in einer Form tobt die echt Angst machen kann. Besonders was den Erhalt der Natur und die Harmonie mit Mitgeschöpfen und -menschen anbelangt.

…den Asiaten werden solche Sichtweisen der Dinge in die Wiege gelegt, wir Europäer müssen sie uns hart erarbeiten und erreichen dennoch keine Erleuchtung weil unsere Geisteshaltung auf Formalismus und Konventionen programmiert ist, wir kommen nun mal aus einer ganz anderen Schule

Japan hat meiner Meinung nach beim Thema Formalismus und Konventionen schon lange die Krone auf. Da viele Jugendliche dieses nicht mehr aushalten ist die Selbstmordrate in Japan die Höchste.
Was allerdings stimmt ist das asiatische (hier bediene ich mich auch mal der Verallgemeinerung) Familiengefüge meist sehr viel dichter gewebt ist als bei uns und damit das Gefühl des sich Zugehörigkeit fühlend anders ist als bei uns, was natürlich eine gute Voraussetzung für "alles Weitere" ist.
Ich habe von "schlauen" Leuten gehört und gelesen das Erleuchtung nicht erlangt werden kann. Da sind sich alle spirituellen Systeme die ich kenne einig....es kann höchstens realisiert werden das wir schon immer erleuchtet waren und sein werden, aber leider die meiste Zeit in der Illusion leben ein Ego zu haben....Hier könnte die Brücke zum Aquascaping sein. Etwas mit seinen Händen, seinem Gefühl, seiner Intuition und seinem Wissen erschaffen, ohne Kategorien von gut und schlecht, hübsch und hässlich, richig oder falsch zu bilden.

Ich denke das die sogenannte Zen-Ästetik eine Erscheinung ist, die nichts mit der Praxis des Zen zu tun hat. Schön anzusehen ist sie trotzdem.
Soweit erstmal.

Danke & Gruß

Dieter
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Postby Tobias Coring » 10 Jan 2008 20:52
Hi,

wirklich ein interessantes Thema...

Ich denke primär, dass die meisten Personen aus unserem Kulturkreis noch nicht das Potential von wirklich gutem Hardscape entdeckt haben und dieses leider auch hier nicht so gut erhältlich ist. Wir müssen uns meist mit Morkien abgeben, wenn wir etwas natürliches bzw. ästhetisch filigranes haben möchten und selbst Morkien sehen insgesamt gesehen doch relativ fad aus (wie lange ich schon in der Gegend hier nach guten Wurzeln gesucht habe :D). Die Asiaten können hier auf sehr viel mehr Hölzchen und Steinchen in ihren Aquarienläden zurückgreifen.
Der Punkt, dass auch zum Beispiel ADA Artikel hier in Deutschland bzw. Europa unheimlich teuer sind ist ein weiteres Hindernis, weswegen viele Personen sich noch immer mit Sand oder Kies abrackern, obwohl der Anfänger gerade durch das ADA Substratsystem einen großen Vorteil in Bezug auf die Aquariengestaltung haben würde. Er müsste sich nämlich die ersten paar Monate kaum um die Düngung kümmern und könnte sich sehr stark auf die Gestaltung konzentrieren. Sieht man die Asiaten, so nutzt dort so gut wie jeder wenigstens ein paar ADA Produkte (was sicher auch am Preisgefälle liegt).

Für die, die auf gute Ressourcen zurückgreifen können, sieht man auch, dass die Komposition der Einzelteile auch vielen Personen aus unserem Kulturkreis gelingt. Es gibt einige beeindruckende Becken, die ganz im Zeichen der Naturaquaristik bzw. dem Aquascaping stehen und die Momentaufnahmen der Natur mit seiner Harmonie in unsere Aquarien übertragen können.

Die Herangehensweise an dieses Hobby unterscheidet dann jedoch glaube ich eindeutig die Personen, die nur hübsche Pflanzen haben wollen und die Personen, die etwas kreieren wollen, die Spass an der Komposition der Einzelteile haben und die ein Bild vor Augen haben, welches sie umsetzen wollen.

Ich pers. habe in letzter Zeit meist das Problem, dass ich zwar ein super Bild vor Augen habe ;), jedoch die Pflanzen dann nicht so wachsen wollen wie sie sollten :D. Das ist dann doch sehr hinderlich, um sich kreativ auszuleben. Prinzipiell finde ich diesen ganzen Nährstoffkrimskrams sehr langweilig und auch die speziellen Ansprüche von Pflanzen usw. sind mehr Mittel zum Zweck. Das Designen der Aquarien selber empfinde ich als sehr entspannend und habe viel Freude dabei meine Ideen umzusetzen.
Mit genügend Ressourcen würde das natürlich noch mehr Freude bringen (Riesen Auswahl an Steinen, Wurzeln, Pflanzen... und auch Aquarien :D)

Insgesamt sieht man bei den aktuellen Contests, wie das Aquascaping eine wirklich interessante Wendung genommen hat. Die hoch platzierten Naturaquarien strahlen alle etwas besonderes aus und sind von dem Stil weit von zurückliegenden europäischen/amerikanischen Siegerbecken entfernt. Konnte man noch vor ein paar Jahren mit ein paar gut wachsenden Stängelpflanzen und einem HC Teppich ganz weit vorne dabei sein, ist es heutzutage wie schon oben geschrieben die Komposition aller verfügbaren Mittel, durch die eine vielfältige Unterwasserlandschaft hervorgezaubert wird und die Personen auf die Siegertreppchen hiefen.

In diesen Bereichen müssen wir definitiv noch viel lernen und dies geht sicher nur begrenzt durch Bücher. Das "Studium" von guten Aquascapes sollte viel eher im Vordergrund stehen und die Inspiration direkt aus der Natur. Ebenfalls brauchen wir mehr Hardscape und zwar in all seinen Variationen.

Als Resumé möchte ich deswegen die asiatische Lebenseinstellung als förderlich für diese Art der Kunst einstufen, jedoch uns keinesfalls diese Möglichkeiten absprechen, auch wenn wir vielleicht etwas härter dafür "arbeiten" müssen. ;)
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

Bitte sendet mir keine geschäftlichen Anfragen als private Nachricht.
Gerne helfen wir dir telefonisch unter +49 531 2086358 (Mo.–Fr. 9–17 Uhr) oder per E-Mail unter huhu@aquasabi.de weiter.

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Postby addy » 10 Jan 2008 21:12
wollte nur so anfügen :
um die asiaten nicht über einen kam scheren zukönnen sollte man wiesen das ein riesen teil asiens in russland liegt. sogar der "mittelpunkt asiens ist dort. ich finde ein japaner und ein russe unterscheiden sich doch schon sehr von ihrer mentalität...
auch glaube ich nicht das alle gewinner von solchen kontesten alle zen-budhisten sind.
tobis worten möchte ich mich auch noch anschließen
...auch wenn wir etwas härter dafür arbeiten müssen...
mfG André :hippy:

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