Lichtfarbe und Pflanzenwachstum

andy23

New Member
Liebe Leute!

Jetzt muss ich doch noch einmal das viell. schon ausgeleierte Thema anreißen, weil ich leider hier im Forum und auch nicht bei Google das Passende gefunden habe.

Die Frage wäre: Gibt es "ordentliche" Studien zum Zusammenhang von Lichtfarbe und Pflanzenwachstum? Es wird zwar häufig gesagt, dass rötlicheres Licht für das Pflanzenwachstum geeigneter sein soll, dagegen 9000 K aufwärts weniger zuträglich sein soll - dafür aber auch Algen zurückhält.

Schon klar, dass die meisten von uns wahrscheinlich eh 840er oder 860er Leuchtmittel verwenden (ich selbst nur 860er 3x39 Watt T5 bei 270l-Becken; hatte aber auch mit 2x T5 sehr gutes Wachstum, nur halt an einigen Stellen zu wenig Licht; darum kürzlich aufgerüstet. Alle Röhren mit hochwertigen Reflektoren). Interessant wäre aber wissenschaftliche oder zumindest entsprechend elaborierte Studien, die eindeutigere Zusammenhänge erkennen lassen.

Bin auf eure Expertisen gespannt.

Liebe Grüße
Andy
 

Krypto

Member
Hi!

Also ich habe über meinem 60er Cube derzeit 2x27 Watt mit 10.000 Kelvin drüber. Gut, das Becken läuft erst seit 12 Tagen, aber bisher scheints den Pflanzen nicht zu schaden. Wachsen tut alles gut bisher. Mal sehen, wie die Lampe sich auf lange Sicht macht.
 

Tiegars

Member
Hallo Andy,

ROTES oder BLAUES Licht?:
Pflanzen benötigen beide Farben. Nur beide Wellenlängen sorgen für eine gute Wurzelbildung und gesundes Breiten- und Längenwachstum. Das hochenergetische blaue Licht ist für Jungpflanzen also in der Wachstumphase sehr wichtig, rot hingegen ist für die Blühphase unerlässlich. Welches Mischungsverhältnis nun am besten ist, hängt von der Art der Pflanze ab. Petersilie liebt z.B. einen hohen Blauanteil (ca. 90%). Die heilige Pflanze der Hindus hingegen liebt einen Rot-Blau Anteil von ca. 5:1 und viele Gartenpflanzen wiederum fühlen sich bei einem Verhältnis von 8:1 wohl. Der Blauanteil hingegen kann je nach Pflanze und Wachstumsanforderungen zwischen 1% und 20% variieren. Am besten ist, man macht selbst ein paar Experimente mit farbigen LEDs und verschiedenen, gleichartigen Setzlingen. Die einzelnen LEDs sind billig und es macht jede Menge Spaß, die positiven Reaktionen seiner Pflanzen zu beobachten. Mehr Infos zu diesem Thema gibts noch weiter unten auf dieser Seite.

Allgemeine Wirkung von ROTEM LICHT:
Rotes Licht ist ideal für die Blüten und Fruchtbildung. Wer jedoch nur rotes Licht verwendet, würde ein exzessives Längenwachstum auf Kosten des Formenwachstums der Pflanze verursachen (Photomorphogenese). Man spricht hier von einer Vergeilung der Pflanze. Große Triebe werden gebildet, die oft ihr eigenes Gewicht nicht tragen können. Manchmal wird dieser Effekt aber auch gewünscht.
Rotes Licht wirkt sich aber auch gravierend auf die Blüte und die Samenproduktion der Pflanze aus. Bei hohem Rotanteil während der Dunkelphase (Nachtruhe), kann z.B. die Blütephase verlängert werden, was meist unerwünscht ist. Das Verhältnis von rotem und dunkelrotem Licht ist nämlich dafür verantwortlich, wann die Blüte der Pflanze beginnt. Pflanzen die z.B. Samen bilden sollen, sollten mit nur wenig rotem Licht bestrahlt werden, da sich die meisten Samen dadurch später zu männlichen Pflanzen entwickeln. Wer die Pflanze jedoch in der Nähe des Fensters stehen hat, kann auch z.B. nur rotes Licht verwendet werden, da der Blauanteil an diesem Platz genügend ist. Der Photorezeptor von Pflanzen für rotes Licht wird übrigens Phytochrom genannt.

Allgemeine Wirkung von BLAUEM LICHT:
Blaues Licht ist ideal für die Wuchsphase und sorgt für sattes Grün mit kräftigem, kompaktem Wuchs. Bestrahlt man hingegen nur mit blauem Licht, führt dies zu Stauchung und Bildung dickerer Blätter. Des weiteren kommt es zur Austreibung von Seitenknospen. Diese Seitentriebe können aber auch gewünscht sein. Deswegen besitzen Pflanzen, die bei hohem Blauanteil vorgezogen wurden, meistens einen gedrungeneren Wuchs mit kräftigen Trieben. Je mehr Blaulicht vorhanden ist, desto weiter öffnen sich auch die Spaltöffnungen der Pflanze, wodurch der Stoffwechsel beschleunigt wird. Der Photorezeptor für blaues Licht wird auch Cryptochrom genannt.

Dieser Text ist nicht von mir ist aus dem I-Net.
 

Erwin

Well-Known Member
Hallo Javi,
Dieser Text ist nicht von mir ist aus dem I-Net.
und von welcher Quelle hast du geklaut?
Kleine Auswahl: Von hier, von dort oder von da.
Ist eine Quellenangabe denn wirklich so schwer?
Rechtlich ist es auf jeden Fall besser.....

MfG
Erwin
 

Tiegars

Member
Hallo Erwin,

ich habe gar nix geklaut. Sonst hätte ich nicht geschrieben das es nicht von mir ist. Das wäre der Link ww.ledshift.com/led-wachstumslampen.html. Habe nur gedacht das es einfacher ist den Text der wichtig ist zusammenzukürzen mehr nicht.

Grüsse Javi
 

andy23

New Member
Liebe Leute!

Herzlichen Dank für eure Antworten, vor allem der lange Beitrag zu Rot- und Blaulicht. Sehr informativ!

Wenn ich das richtig interpretiere, wäre also für Aquarienpflanzen eine Lichtfarbe von 6000 oder sogar 9000 Kelvin oder eine Mischung von beidem durchaus interessant.
Wir haben nämlich auf zierfischforum.at gerade eine heftige Diskussion bezüglich der Lichtfarbe und ich dachte mir, ich schreib die Frage, die mich auch selbst interessiert (habe mich beim anderen Thread lieber zurückgehalten), einmal auch hier hin, weil hier doch unter euch viele Pflanzenpraktologen unterwegs sind.

Ich hab zwar jetzt bei meinem 270er Becken 3x 39 Watt T5 mit 6000 K, aber eine Mischung, wo z.B. in der Mitte eine 9000 oder sogar 10000 K wäre, könnte auch was hermachen. Unter 6000 K wird es mir persönlich eh schon zu gelblich und wenn man viele schöne hellgrüne Pflanzen hat, dann kann das schon etwas "stichig" werden. Schon bei durchgängig 6000 K wirkt bei mir das Becken ziemlich ... "grün". Dazu tut sicher mein Haufen an Pogostemon erectus das sein.

Würden eurer Meinung nach meine Überlegungen zutreffen?

Jedenfalls schon einmal ganz herzlichen Dank für eure lieben Beiträge.

Liebe Grüße
Andy
 

ghostfish

Member
Hi

zum dem Thema dürfte es sehr viele Meinungen geben. Ich habe aber noch nie gesehen das jemand aus einem Forum Versuchsreihen aufgestellt hätte, von daher gibt es in Diskussionen immer ein offenes Ende. Es gibt auch diverse Studien darüber mit verschiedenen Aussagen. Also irgendwie scheint das Spektrum und Lichtfarbe schon Einfluss zu haben, nur ist man sich da in der Auswirkung noch nicht so klar. Aber alles was ähnlich wie Sonnenlicht ist, scheint im guten Bereich zu liegen.
Interessant finde ich auch das:
http://aquariumtech.dyndns.org/algen.pdf

Und meine Versuche bis jetzt stimmen damit überein. Mit einer rötlichen Narva Superb hatte ich sehr viele Rotalgen und kaum ist eine 865 drin, gehts mit Blaualgen los. Wobei aber meine Becken nicht repräsentativ sind aber die Neigung zu Algen haben, dank dem Spitzenleitungswasser.
Um definitive Aussagen bei Pflanzen treffen zu können habe ich aber noch zu wenig Langzeiterfahrungen.

Dazu muss man auch wissen das zwischen modernen 827,840 und 865 es kaum unterschiede im Spektrum gibt, hier sind lediglich die Peaks unterschiedlich stark ausgeprägt. Mit den 840 komme ich persönlich am besten zurecht, optisch schöner sind 865. Um bei 3Band ein wirklich anderes Spektrum zu haben muss man sich schon etwas exotischere Leuchtstoffröhren einbauen.
Heutige hocheffiziente Lampen leuchten sehr stark blau und der erhöhte Rotanteil von 600-650nm ist fast nicht mehr vorhanden, weil rotes Licht keine hohe Effizienz hat.

Versuche eine ideale Pflanzenlampe wie die Grolux herzustellen, sind nach hinten losgegangen weil das Ding im Verhältnis total ineffizient ist. Das beweist auch das einzelne Peaks bei Chlorophyll nicht das einzig wichtige sind. Aber diese Peaks können durchaus ein Algenproblem auslösen.

Dann gibts sogar spezielle LED Wachstumslampen mit blauen und roten LEDs. Ob die was bringen, keine Ahnung. Schön siehts auf jeden Fall nicht aus.

Ganz interessant ist hier auch LED, da sind ganz andere Spektren möglich. Grade im Meerwasser werden die sehr oft eingesetzt.
 

Wuestenrose

Well-Known Member
Hallo,

andy23":1glpc603 schrieb:
Wir haben nämlich auf zierfischforum.at gerade eine heftige Diskussion bezüglich der Lichtfarbe und ich dachte mir, ich schreib die Frage, die mich auch selbst interessiert (habe mich beim anderen Thread lieber zurückgehalten), einmal auch hier hin, weil hier doch unter euch viele Pflanzenpraktologen unterwegs sind.
Hab gerade mal drüben nachgeguckt - kann es sein, daß sich da einer ziemlich wichtig macht? Seine Behauptungen, "Leuchten mit höher Kelvinzahl sind nicht gut bis garnicht geeignet für Pflanzenbecken", sind schlicht und ergreifend Quark. Erstens haben "Leuchten" im Gegensatz zu "Lampen" keine Lichtfarbe (sondern höchstens eine Gehäusefarbe :bonk:) und zweitens stimmt die Behauptung auch nicht, solange man bei süßwasserüblichen Lichtfarben bleibt. Man kann in erster Näherung getrost davon ausgehen, daß für die Photosyntheserate die Anzahl auf die Pflanze auftreffenden Photonen entscheidend ist, deren "Farbe", also die Frequenz bzw. Wellenlänge des Lichts rangiert auf der Wichtigkeitsskala erst weiter hinten. Es gibt einen recht interessanten Artikel, der darauf hinweist, daß das Photosynthesewirkspektrum ganz massiv von der Intensität des zum Versuch verwandten Lichts abhängt ("Green Light Drives Leaf Photosynthesis More Efficiently than Red Light in Strong White Light: Revisiting the Enigmatic Question of Why Leaves are Green, Ichiro Terashima, Takashi Fujita, Takeshi Inoue, Wah Soon Chow and Riichi Oguchi). Man darf nie vergessen: Alle bislang veröffentlichten Wirkspektren der Photosynthese sind nur ein Ausschnitt aus der Natur. Man macht überhaupt nichts falsch, wenn man annimmt, daß die Pflanzen näherungsweise Photonen jeder "Farbe" (eigentlich Energie) gleich häufig einsammeln. PAR-Meter messen genau so: Jedes Photon im Wellenlängenbereich 400 bis 700 nm trägt gleich viel zur PAR-Strahlung bei.

Und unter Wasser kommt noch folgender Punkt hinzu:

Das ist die 50-Prozent-Eindringtiefe in Metern, abhängig von der Wellenlänge des einfallenden Lichts, in ein sehr klares Naturgewässer (Nach Daten von: R. C. Smith, K. S. Baker, „Optical properties of the clearest natural waters (200-800 nm)“, Appl. Opt.,20, 177-184 (1981)). In Aquarien mit ihrer gegenüber klaren Naturgewässern deutlich höheren organischen Belastung kann man davon ausgehen, daß die Dämpfung noch deutlich stärker ist. Licht mit hohem Rotanteil bewirkt daher vor allem eines: Es heizt das Wasser auf, wogegen von Licht mit hohem Blauanteil mehr bei den Pflanzen (und Algen) ankommt. Das ist möglicherweise der Grund, warum man blaulastigem Licht Algenförderung nachsagt: Es kommt von diesem Licht schlicht und ergreifend mehr bei den Lichtsammelfallen der Algen an als bei rotlastigem. Zudem könnte des Diagramm ein Grund sein, warum mit höheren Farbtemperaturen beleuchtete Aquarien heller wirken als Aquarien mit niedrigeren Lichtfarben. Für den zweiten Grund google mal nach "Pupil Lumen".

Wenn es uns beim Licht nur auf maximale Photosyntheseleistung und dabei noch gesundem Wuchs ankäme, könnten wir über unsere Aquarien auch spezielle Wachstumslampen hängen. Das magentafarbene Licht macht sich aber irgendwie nicht so gut über dem Schmuckstück in der guten Stube. Neben der Photosynthesewirkung kommen daher noch zwei Punkte dazu: Licht ist auch Steuerlicht für die Pflanze und da bewirkt blaulastiges Licht kompakteres Wachstum, was im Aquarium nicht von Nachteil ist. Und der zweite Punkt: Licht ist auch ein wichtiger Wohlfühlfaktor. Die meisten Aquarianer, die ich kenne, lehnen das stark ins Gelbe gehende Licht der .30er und selbst noch der .40er Lichtfarben ab, wogegen viele höhere Farbtemperaturen bevorzugen, es gibt hier im Beleuchtungsforum mehrere Threads dazu.

Viele Grüße
Robert
PS. Und richte dem Typen drüben einen schönen Gruß von mir aus, wer nicht mal zwischen "Leuchte" und "Lampe" unterscheiden kann, sollte den Schnabel nicht so weit aufreißen...
 

Anhänge

  • smith81.png
    smith81.png
    12 KB · Aufrufe: 38.743

andy23

New Member
Hi!

Ich sag mal ganz herzlichen Dank für die wirklich ausführliche Schilderung. Auch das etwas "Komplizierte" kommt verständlich rüber.
Diese Infos helfen schon ein wenig bei der Einordnung - auch bei der Ordnung im eigenen Kopf. Jedenfalls hab ich jetzt wieder was/einiges dazugelernt.

Ganz, ganz lieben Dank für die viele Mühe (natürlich auch gleich für die wissenschaftlichen Referenzen) und die Herstellung von besserem Verständnis in meiner eigenen Überlegungswelt.

Herzliche Grüße noch einmal - und ein sehr empfehlenswerter Artikel, der auch anderen gut helfen könnte -

Andy
 

kurt

Well-Known Member
Hallo Thomas,

ghostfish":5xqyc3z4 schrieb:
Mit einer rötlichen Narva Superb hatte ich sehr viele Rotalgen und kaum ist eine 865 drin, gehts mit Blaualgen los.
Lichtstärke(Lumen) geht vor Lichtfarbe…
Wie lange war denn die Umgewöhnungsphase, mit Farbwechsel stellt man ja das ganze Aquarienmillieu auf den Kopf (Algengefahr).


ghostfish":5xqyc3z4 schrieb:
Dazu muss man auch wissen das zwischen modernen 827,840 und 865 es kaum unterschiede im Spektrum gibt,
Die Farbunterschiede kann mann in Aquarien aber sehr gut unterscheiden,
die Pflanzen reagieren auch entsprechend auf Rot bzw. Blauanteile.
 

andy23

New Member
Hi!

Ich hab jetzt einmal diesen für mich sehr hilfreichen Thread als Link im anderen Forum (dort [zierfischforum.at] unter Technikforum/Röhrentausch) gewissermaßen als "Nachlese" gepostet. Ist sicher auch für die dortigen Leser von Interesse.

Liebe Grüße
Andy
 

ghostfish

Member
hi kurt

kurt":2oidvrpm schrieb:
Lichtstärke(Lumen) geht vor Lichtfarbe…
Wie lange war denn die Umgewöhnungsphase, mit Farbwechsel stellt man ja das ganze Aquarienmillieu auf den Kopf (Algengefahr).

Ich habe nur eine von 2 Röhren getauscht, vorher 840+Superb und jetzt 840+865. Algen hatte ich schon die ganze Zeit im verstärkten Ausmaß (siehe Hilfethread). Bei nur 840 habe ich verstärkt Grünalgen (anderes Becken allerdings).


Die Farbunterschiede kann mann in Aquarien aber sehr gut unterscheiden,
die Pflanzen reagieren auch entsprechend auf Rot bzw. Blauanteile.

Optisch sichtbar schon aber in Sachen Spektrum sind die Röhren alle sehr ähnlich.
Selbst bei 3-Band zu 5-Band gibt es nicht viel Unterschiede.
 

Anhänge

  • 965plus.jpg
    965plus.jpg
    6,5 KB · Aufrufe: 38.665

andy23

New Member
Hi!

Jetzt noch eine andere Frage: Wo bekommt ihr die 9000 K Röhren her? Bei Leuchtmittel.de gibt es keine. Die spezifischen Röhren von JBL und Co sind ziemlich teuer. Da muss es doch auch günstigere Varianten geben.

Danke und LG
Andy
 

Wuestenrose

Well-Known Member
Hallo,

ich kenne nur die Osram Skywhite als Dreibandenlampe mit 8000 K, die JBL Nature Ultra als Vollspektrumlampe mit 9000 K, die Sylvania AquaStar und die Philips Aquarelle mit 10000 K.

Viele Grüße
Robert
 

Ähnliche Themen

Oben