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Postby nik » 16 Jan 2020 09:52
Hallo zusammen,

Sand als Substrat fand ich aus verschiedenen Gründen schon ziemlich überzeugend und man wird sich fragen, was soll denn das mit der Diffusionsdüngung im Sand? Das ist erst mal nicht mehr als das strömungslose Diffundieren von Nährstofffen in den Sand. Passiert sowieso immer. Gedanken habe ich mir erst gemacht, als ich erlebt hatte wie wenig der von mir verwendete 0,4-0,8 mm Sand Nährstoffe im Boden abzuschließen vermag. Der ist erheblich durchlässiger als ich das annahm und im Sand - ich verwende den idR. ungedüngt - hat es also in etwa das gleiche Nährstoffniveau wie im Wasser.
Wieso aber Soilalternative? So, wie oben beschrieben, macht das keinen sonderlichen Sinn, aber wenn man die Nährstoffe unter dem Sand zugibt, dann kann man die zugegebenen Nährstoffe quantitativ und qualitativ näherungsweise beliebig einstellen. Man gibt die Nährstoffe regelmäßig zu, die diffundieren langsam durch den Sand ins Freiwasser und erhöhen den Nährstoffgehalt des Sandes. Auch wenn das nur übers Wasser einwandfrei funktioniert, hat es Charme den Nährstoffgehalt im Boden zu erhöhen. Dann kann man wie im Soil Stängelpflanzen kurz über dem Boden abschneiden und die Pflanzen werden über die Wurzeln besser anschubversorgt. Neben der beliebigen Einstellung der Nährstoffe lässt sich das auch sehr schnell verändern und muss nicht erst warten bis ein toniges Soil ziemlich zäh seinen Beladungszustand entsprechend der veränderten Wasserdüngung in seinen Gleichgewichtszustand geändert hat.

Technisch ist das simpel. Ich illustriere das mal mit meinem ersten Becken bei dem ich das gemacht hatte. Es ist nichts weiter als eine Bodenkammer mit einer Möglichkeit die Dünger zugeben zu können.

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In die Öffnung kam noch eine Dennerle Nano Power LED 5.0 rein. Das Becken 25x25x40 ist mit 60 lm/l gut beleuchtet.
die Bodenkammer ist ein aufwendigerer Eigenbau, aber das simple Prinzip lässt sich erkennen. Das Rohr reicht von der Bodenkammer bis in die Abdeckung. Oben ist das offen, dort wird der Dünger reingetropft, fertig!

Im Grunde kann man passende Bodenfiltersysteme für kleines Geld nehmen und bezieht die mit einem Unkrautvlies aus dem Baumarkt. Nichts anderes ist der schwarze Bezug im Bild. Ich richte gerade ein neues Becken ein, das hat mit 45x45 mehr Grundfläche und wird aussagekräftiger als das "RaM!" mit seiner doch übersichtlichen Bepflanzung im Sand. Das ist die aktuelle Neugestaltung des "Remain a Mo!"
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So sah es vorher mal aus, wobei die starke Mulmbildung die Ursache für die Neugestaltung war.
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Aus dem dicken Polster Riccardia chamedryfolia rieselten Massen an Mulm runter, was bei einer Phase der Vernachlässigung Probleme nach sich zog, sodass das Moos rausflog. Die C. parva sieht mit stark vernachlässigter Düngung so aus.

Das ist dann auch ein wichtiger Punkt. Diese Zugabe über den Boden will ich mit Dosierpumpe automatisieren. Das Becken wird mit 91 l dafür groß genug sein.

In die Bodenkammer werden die Makronährstoffe zugegeben, der Eisenvolldünger über das Wasser. Beim Stickstoff wird NO3 über die Bodenkammer und Urea über das Wasser zugegeben.
Spurenelemente im Boden hatte ich früher schon im Sand mittels verschiedener Gesteinsmehle getestet. Hatte keinen merkbaren Effekt! Ist eigentlich auch klar, denn Massezuwachs der Pflanzen geschieht über die Makronährstoffe, also kommen die in den Sand.

Praktisch sieht die Bodendüngung so aus, dass die im Wasser gewünschte Nährstoffmenge gleichmäßig unter dem Sand zugegeben wird und langsam durch den Sand diffundiert und dort deutlich den Gehalt an Makros erhöht.

Außerdem kann man da noch mit netten Mittelchen aus dem gärtnerischen Pflanzenbau herumspielen, die dort z.B. in Ebbe-/Flut-Systemen verwendet werden. Kevin hat im Netz was gefunden, was ich sofort sehr spannend fand. Es hat allerdings den Nachteil, dass das strotzt vor Huminstoffen und in normaler Anwendung eine schwarze Soße ergibt. In der Bodenkammer zugegeben blieb die Trübung aus. So, wie es bis jetzt aussieht, hat das Zeug deutliches Potenzial. Es ist ein Mittel mit verschiedenen Bakterien, Mykorrhiza, Aminosäuren, Vitaminen, SE, ... , aber es ist halt nicht so einfach positive Effekte eindeutig zuzuordnen.

Die Erfahrungen/Effekte der Sanddüngung mittels Diffusion aus der Bodenkammer werden Gegenstand des Threads werden.

Gruß Nik
nik wrote:
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Postby Thumper » 16 Jan 2020 10:08
Moin Nik,

sehr interessantes Konzept!
Seh ich das richtig, dass du das Wasser oben mit der Brunnenpumpe umrührst, die aber direkt nichts mit dem "Bodenfilter" zu tun hat, weil du die Nährstoffe in das Steigrohr des "Bodenfilters" gibst?

nik wrote:Man gibt die Nährstoffe regelmäßig zu, die diffundieren langsam durch den Sand ins Freiwasser und erhöhen den Nährstoffgehalt des Sandes.

Wie schnell diffuniert das bzw. hast du mal getestet, wie schnell die Nährstoffe in der Wassersäule oberhalb des Bodengrundes ankommen?
Hintergrund meiner Fragerei ist, dass ich den Gedanken gerade spanne das System leicht abgewandelt mal zu testen. Als einzige Änderung würde ich das Wasser selbst N und P frei halten, durch magere Düngung und anaerobe Filterung - da bedarf es aber langsamer Diffusion und sehr verbrauchtsorientierter Düngung. :kaffee1:

nik wrote:Außerdem kann man da noch mit netten Mittelchen aus dem gärtnerischen Pflanzenbau herumspielen, die dort z.B. in Ebbe-/Flut-Systemen verwendet werden. Kevin hat im Netz was gefunden, was ich sofort sehr spannend fand.

TNC Mycorr (Hydro), absolut geile Zeug! Ich nutz es bei meinen Pflanzen gerne, im Wasser hatte ich mit Kevin mal drüber gesprochen, bei ihm wirkt es mega gut. Wenn du es mal testen an dem Becken, dann kannst du es ja direkt in das Steigrohr geben, dann kommt alles da an, wo es hin soll.
Grüße,
Bene


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Postby nik » 16 Jan 2020 10:46
Moin Bene,

Thumper wrote:Seh ich das richtig, dass du das Wasser oben mit der Brunnenpumpe umrührst, die aber direkt nichts mit dem "Bodenfilter" zu tun hat, weil du die Nährstoffe in das Steigrohr des "Bodenfilters" gibst?

yep, das Seliger 1W Niedervoltpümpchen hängt ins Wasser und rührt nur. Der Dünger wird oben ins Rohr getropft, fertig.

[quote)
Wie schnell diffuniert das bzw. hast du mal getestet, wie schnell die Nährstoffe in der Wassersäule oberhalb des Bodengrundes ankommen?
[/quote]
Wird man austesten müssen, hängt von der Sandschicht ab. Hatte ich vergessen, mit Kies kann man das vergessen, das ist zu schnell durch. Im "Remain a Mo!" ist eine Zugabe nach etwa zwei Tagen vollständig durch. Schreibe ich noch was dazu. Das kann in der Bodenkammer ziemliche Konzentrationen ergeben, wenn man sich an den gewollten Werten im Wasser orientiert. Spielt für deinen nachfolgenden Gedanke weniger eine Rolle.

Hintergrund meiner Fragerei ist, dass ich den Gedanken gerade spanne das System leicht abgewandelt mal zu testen. Als einzige Änderung würde ich das Wasser selbst N und P frei halten, durch magere Düngung und anaerobe Filterung - da bedarf es aber langsamer Diffusion und sehr verbrauchtsorientierter Düngung. :kaffee1:

Über die Bodenkammer lässt sich das Nährstoffniveau im Wasser sicher senken.

TNC Mycorr (Hydro), absolut geile Zeug! Ich nutz es bei meinen Pflanzen gerne, im Wasser hatte ich mit Kevin mal drüber gesprochen, bei ihm wirkt es mega gut. Wenn du es mal testen an dem Becken, dann kannst du es ja direkt in das Steigrohr geben, dann kommt alles da an, wo es hin soll.

Ist doch schon passiert. ^^

Gruß Nik
nik wrote:
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Postby Lixa » 16 Jan 2020 13:47
Hallo Nik,

Könnte man die Diffuson nicht mit einem Farbstoff sichtbar machen? Spontan fällt mir Rote Bete ein. Kamera aufstellen, wie Dünger (oder mit Dünger) die Farbe zugeben und warten.

Viele Grüße

Alicia
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Postby nik » 17 Jan 2020 09:53
Moin Alicia,

Lixa wrote:Könnte man die Diffuson nicht mit einem Farbstoff sichtbar machen?

Daran habe ich Zweifel. Ist schon lange her, aber ich erinnere mich an einen Versuch mit genau der Intention mittels eingefärbter Lösung Diffusion im Sand in einem Glas zu betrachten. Das veränderte sich nur gering und daraus wurde dann geschlossen, dass Sand recht gut abschließend ist was Nährstoffe angeht. Ich bin solange von der abschließenden Wirkung des Sandes ausgegangen bis ich im Teichlein die Pflanzen tüchtig mit Düngekugeln versorgte und mich dann über 5 mg/l Phosphat im Wasser wunderte. Übrigens hatte ich in dem Teichlein den gleichen Sand den ich auch aquaristisch verwende. Spaßeshalber hatte ich den wie ein Aquarium betrieben, gedüngt, auch mit CO2, optional UV-C, optionaler Filterung.
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Das TNC Mycorr wurde bereits erwähnt, das ist in Wasser aufgelöst wegen enthaltener Huminsäuren eine schwarze Soße, die hatte ich in die Bodenkammer zugegeben und es ging nichts merkbar durch den Sand.
Bei Nährstoffen sieht das anders aus. Seinerzeit, ist ja auch schon Jahre her, hatte Martin, Biotecus, die Bodenkammer in einem Becken eingerichtet und auch die relative Durchlässigkeit des Sandes bezüglich Nährstoffe festgestellt. Ich denke, das wird man im Einzelfall genau bestimmen müssen. Kalium, so man es denn vernünftig messen kann, wäre geeignet.

Gruß Nik
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Postby Lixa » 17 Jan 2020 13:51
Hallo Nik,

Interessant, dass der Sand Farbstoffe so gut abschließt, aber Phosphat sich schnell bewegt. Farbstoffe sind erheblich größer als Ionen und daher bewegen sie sich ohnehin viel langsamer. So langsam erinnere ich mich wieder an eine Lektion aus der Biophysik :lol: .

Ein zuverlässigeres Experiment wäre ein Glas mit einer Indikatorlösung, das zu testende Ion auf der anderen Seite vom Sand und man würde nach einiger Zeit den Farbumschlag sehen. Ich denke ich werde mal mit Kaliumphosphat und dem PO4 Test von JBL den Nachweis dafür machen.

Welchen Sand hast du, bzw. welche Eigenschaften sind für diesen angegeben? Ich wollte ohnehin einen durchlässigeren Sand besorgen ohne welchen speziell (und teuer) für die Aquaristik zu kaufen.

Viele Grüße

Alicia
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Postby nik » 17 Jan 2020 14:30
Hallo Alicia,

Lixa wrote:Welchen Sand hast du, bzw. welche Eigenschaften sind für diesen angegeben? Ich wollte ohnehin einen durchlässigeren Sand besorgen ohne welchen speziell (und teuer) für die Aquaristik zu kaufen.


gewaschener, feuergetrockneter Quarzsand. An einer Niederlassung meines Arbeitgebers gibt es ein Sandwerk, da hole ich 25 kg im Papiersack für 4-5 Taler. Irgendwann hatte ich genau den aus einem Baumarkt, dann hatte der den nicht mehr und ich hole ihn mir nun von der Quelle. Der Sand hat eine Körnung von 0,4-0,6 mm. Ist eher ungewöhnlich, normalerweise gibt es Sand standardmäßig in 0,4-0,8 mm. Macht prakisch keinen nennenswerten Unterschied, ich verwende beide. Letzterer hat den Vorteil, dass es den bei gleichen Eigenschaften als Poolfiltersand in allen Baumärkten mit Pool-Abteilung gibt. Wenn du also kein Sandwerk um die Ecke findest, dann ist der Poolfiltersand, dann für ~12€/25kg, genauso gut. Schön ist, den Sand muss man nicht waschen.

Gruß Nik
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