Zwergbuntbarsch Kakadu (Apistogramma cacatuoides)

engel

New Member
Hallo,

vom Händler nicht einmal mehr lebend bis zu mir nach Hause geschafft, hat es gestern abend im Transportbeutel ein Pärchen Kakadu Zwergbuntbarsche. Das Weibchen habe ich zwar noch ins Becken gesetzt, da ich hoffte, dass es sich wieder erhohlt, aber das Männchen konnte ich aus dem Beutel gleich bestatten.

Wie kann das sein???

Die Fische habe ich beim Händler eine Weile beobachtet, sie waren alle munter und ich konnte auch keinerlei Anzeichen einer Erkrankung entdecken. Nachdem ich mich für ein bestimmtes Männchen, das mir am besten gefiel, entschieden hatte, bat ich den Händler es mir rauszufangen, auch deutete ich auf ein bestimmtes weibliches Tier, welches mir gefiel.

Ich glaube hier habe ich bzw. der Händler den entscheidenden Fehler gemacht, es dauerte einfach vielleicht zu lange bis er sie aus dem Becken gefangen hatte. Ich vermute, dass es bei den Tieren zu viel Streß erzeugt hat. Der Transport bis nach Hause dauerte dann relativ genau eine halbe Stunde.

Ich wusste nicht, dass Kakadus so sensible Tiere sind und traue mir eigentlich nicht mehr ein solches Pärchen zu kaufen, obwohl sie mir sehr gut gefallen.

Was meint ihr dazu, habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

Gruß

Engel
 

Artemius

Member
Hallo Engel,

bei einer Transportzeit von nur 30 Minuten kann ein Fisch durch ein wenig Einfangstress nicht umkommen. Der Stressfaktor wird m. E. bei Fischen viel zu oft überbewertet. Darüber hinaus gelten Apistogramma cacatuoides unter den ZBB als einfach zu haltende Einsteigerfische.

Der Einfang- und Transportstress kann meiner Meinung nach nur dann zum Tode führen, wenn das Tier krank oder überaltert war. Weil Apistogramma cacatuoides nicht sehr alt werden - ich glaube bis zu 3 Jahre - kauft man nach Möglichkeit nur Jungfische. Vielleicht hat dir der Händler einen alten Zuchtbullen angedreht, dem der Transport den Rest gegeben hat.

Da der Fisch noch im Beutel verstarb, solltest du sofort reklamieren. Dies scheint einer dieser Fälle zu sein, an denen man nun die Verkaus- und Reklamationspraxis des Händlers beurteilen kann. Übrigens sind Apistogramma cacatuoides polygam und normalerweise wird bei einer angemessenen Aquariumgröße ein Männchen mit 2 bis 3 Weibchen verkauft.

Viele Grüße
Thomas
 

engel

New Member
Hallo Thomas,

besten Dank für die Antwort. Die Fische waren denke ich auf jeden Fall ausgewachsen. Das könnte die Überalterung bestätigen. Ich persönlich hatte noch nie Kakadus, war aber auch der Meinung was ich über sie gelesen habe, dass sie nicht schwierig sind.

Werde mal zum Händler gehen und fragen, wie er das sieht.

Gruß

Engel
 

engel

New Member
Hallo Thomas,

dein Tip war goldrichtig. Habe nachmittags mit dem Händler telefoniert und alles geschildert.
Abends hingefahren und anstandlos Ersatz bekommen. Die Mitarbeiterin meinte aber: "Wir verkaufen keine überalterten Fische". Nun gut, die beiden, die ich dann bekam, schwammen auch heute morgen noch munter rum. Hoffe, dass das wenigstens noch zwei Jahre so bleibt.

Auf jeden Fall hätte ich nicht gedacht, dass ich Ersatz bekomme.

Besten Dank nochmal an Dich!

Grüße

Engel
 

Artemius

Member
Hallo Engel,

das sind gute Nachrichten! Danke für die Rückmeldung. Ich wünsche dir nun viel Spaß mit den Fischen.

Einen Tip noch: Gerade bei diesen Tieren ist es wichtig nicht zu viel zu füttern. Sonst sinkt die Lebenserwartung erheblich.

Viele Grüße
Thomas
 

Zeltinger70

Active Member
Hi,

meine Erfahrung ist die Kakadus mögen es auf Dauer nicht zu warm,
bei 23/24° bleiben sie bei abwechslungsreichen Futter fit und werden schaffen auch über drei Jahre ...
Die Vermehrungsfreude ist allerdings geringer.

Gruß Wolfgang
 

Sabine68

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Hallo Wolfgang,
weiß du zufällig, ob das bei den Apistogramma agassizi auch so ist?
Ich habe wegen ihnen die Temperatur auf 25 °C hochgedreht - normalerweise habe ich auch so 23 - 24 °C im Becken
 

Zeltinger70

Active Member
Hi Sabine,

selbst habe ich agassizi (noch) nicht gehalten,
allerdings ist es wohl bei vielen Fischer für eine lange Lebenserwartung günstiger sie nicht zu warm zu halten.
Für die agassizi gilt denke ich als Untergrenze (lt. meiner Literatur) dauerhaft 24°.
Wie sich eine vermeintlich geringe Erhöhung auf ihre Lebenserwartung auswirkt kann ich nicht sagen, es spielen schliesslich auch noch andere Faktoren eine Rolle.

Zufällig unterhielt ich mich mit einem Bakannten (ehemaliger Kampfi-Züchter) über dieses Thema, sein Credo war:
hohe Temperaturen = schneller Wuchs, verkürzte Lebenswerwartung
kühlere Temperaturen = langsamer Wuchs, längere Lebenserwartung
Er meinte bei höheren Temperaturen erhöhe sich der Stoffwechsel und dadurch würde die Lebenserwartung sinken.

Gruß Wolfgang
 

Artemius

Member
Hallo Sabine,
hallo Wolfgang,

für meine Apistogramma cacatuoides kann ich Wolfgangs Beobachtungen bestätigen. Momentan stelle ich in meinem unbeheizten Becken bei ca. 23 °C keine Laichbereitschaft mehr fest. Bis vor einem Monat war bei höheren Temperaturen ständig eines der Weibchen im gelben Brutpflegekleid zu sehen.

Sabine68":p6c7vsm2 schrieb:
weiß du zufällig, ob das bei den Apistogramma agassizi auch so ist?
Ich habe wegen ihnen die Temperatur auf 25 °C hochgedreht - normalerweise habe ich auch so 23 - 24 °C im Becken
Apistogramma agassizii pflegte ich noch nicht, aber folgende Angaben aus meinem Lieblingsbuch über ZBB helfen vielleicht weiter: "Die Temperaturen in einem Zwergbuntbarschaqarium sollten zwischen 20 und 30 °C liegen. Hohe Wärmegrade sind jedoch nur für die Zeit der Embryonal- und Larvenentwicklung, die dann schneller vorangeht, zu empfehlen. Eine ständige Haltung bei 30 °C verkürzt die allgemein nicht sehr hohe Lebenserwartung der Tiere noch zusätzlich. Offensichtlich werden nur wenige Individuen in der Natur älter als ein Jahr. In Aquarien haben sie bisweilen eine Lebensdauer von zwei Jahren; in seltenen Fällen werden sie auch noch älter." (Koslowski, Die Buntbarsche Amerikas Bd. 2, Apistogramma & Co., Seite 51).

A. agassizii haben eines der größten Verbreitungsgebiete von Peru bis zur Amazonasmündung. 23 bis 24 °C müßten m. E. genügen.

Viele Grüße
Thomas
 

Sabine68

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Hallo ihr beiden,

vielen Dank für eure Antworten.

Zeltinger70":245nq5uj schrieb:
Zufällig unterhielt ich mich mit einem Bakannten (ehemaliger Kampfi-Züchter) über dieses Thema, sein Credo war:
hohe Temperaturen = schneller Wuchs, verkürzte Lebenswerwartung
kühlere Temperaturen = langsamer Wuchs, längere Lebenserwartung
Er meinte bei höheren Temperaturen erhöhe sich der Stoffwechsel und dadurch würde die Lebenserwartung sinken.

Jetzt, wo du es sagst - das hat mein Bruder auch schonmal erwähnt.. Er betreibt schon seit über 30 Jahren, mit Unterbrechungen, Aquaristik
Er hat seine Becken auch nicht so warm

Dann werde ich doch wieder auf 24 °C zurückgehen. Bei den Zwergbuntbarschen war ich mir halt nicht so sicher
 

Zeltinger70

Active Member
Hi Sabine,

ich halte meine Fische auch zumeist am unteren Niveaue der für sie lt. Literatur passenden Temperaturen, meiner Meinung nach fahre ich damit sehr gut auch was Krankheiten betrifft.
Natürlich heizen sich die Aquarien im Sommer auch schon mal stärker auf, aber das ist nicht auf Dauer.
Da mich manchmal die Bastelwut packt habe ich für alle Aquarien per PC-Lüfter kleine Kühleinheiten gebaut, sie bringen immerhin etwa 2 bis 3 Grad Abkühlung (sorry ich schweife ab! ;-D )

Gruß Wolfgang
 

Sabine68

Active Member
Hallo Wolfgang,

Da mich manchmal die Bastelwut packt habe ich für alle Aquarien per PC-Lüfter kleine Kühleinheiten gebaut, sie bringen immerhin etwa 2 bis 3 Grad Abkühlung

2 -3 Grad ist ja schon einiges.
Magst du das nicht mal in der Bastelecke vorstellen?
Der nächste Sommer kommt bestimmt :wink:
 

Zeltinger70

Active Member
Hi Sabine,

hmm muss ich mal überlegen,
naja die Idee habe ich im Internet ergoogelt,
handwerklich würde ich sagen ists ne glatte 5, halt noch provisorisch.
Aber von der Funktion ne glatte 2+ *g*.
Wenn ich die Bilder noch finde (PC Wechsel diesen Frühjahr) werde ich das gut funktionierende Provisorium mal vorstellen.

Gruß Wolfgang
 

meee

Member
Artemius":b2o76wtq schrieb:
bei einer Transportzeit von nur 30 Minuten kann ein Fisch durch ein wenig Einfangstress nicht umkommen. Der Stressfaktor wird m. E. bei Fischen viel zu oft überbewertet.

Hi,
das würde ich nicht ganz so stehen lassen, ohne es überprüft zu haben. Stressreaktionen können den Fisch nachhaltig schädigen, da du nicht weisst, wie lange der Stress anhält. Wenn der Fisch sich dann 2 Wochen ruhig verhält und plötzlich umkippt, denkt kein Mensch mehr an Stress. Dabei war der Fisch vielleicht die ganze Zeit über unter Stress. Oft stehen die Fische sicherlich auch im Händlerbecken unter Stress. Da wird oft gechlort, das Wasser ist alles andere als optimal (Standard-Wasser für Hart- und Weichwasserfische), die Becken sind enorm überbesetzt, kaum Rückzugsmöglichkeiten, ständig Bewegungen an der Frontscheibe durch Kunden.
Vielleicht war das dann einfach zu viel.

Denn ich würde auch vermuten, dass ein gesunder Fisch solch einen kurzen Transport überstehen sollte.

Ich hätte den Fisch sofort reklamiert.



Zeltinger70":b2o76wtq schrieb:
Zufällig unterhielt ich mich mit einem Bakannten (ehemaliger Kampfi-Züchter) über dieses Thema, sein Credo war:
hohe Temperaturen = schneller Wuchs, verkürzte Lebenswerwartung
kühlere Temperaturen = langsamer Wuchs, längere Lebenserwartung
Er meinte bei höheren Temperaturen erhöhe sich der Stoffwechsel und dadurch würde die Lebenserwartung sinken.

Das ist nur logisch. Fische haben nunmal keine konstante Körpertemperatur.


lg
 

Artemius

Member
Hi namenlose meee,

was soll man von so einem Beitrag halten?

meee":11dm6wh2 schrieb:
Ich hätte den Fisch sofort reklamiert.
Das Thema ist seit einem Monat erledigt und die Fische wurden bereits erfolgreich reklamiert, s. o.

meee":11dm6wh2 schrieb:
Denn ich würde auch vermuten, dass ein gesunder Fisch solch einen kurzen Transport überstehen sollte.
Wenn ein Durchschnittsfisch keinen Transportweg von 30 Minuten überstehen würde, könnte die Aquaristikbranche dichtmachen.

meee":11dm6wh2 schrieb:
Stressreaktionen können den Fisch nachhaltig schädigen, da du nicht weisst, wie lange der Stress anhält. Wenn der Fisch sich dann 2 Wochen ruhig verhält und plötzlich umkippt, denkt kein Mensch mehr an Stress. Dabei war der Fisch vielleicht die ganze Zeit über unter Stress.
Unbestritten kann jedes Lebewesen in Stress geraten und auch geschädigt werden. Selbst bei Pflanzen kennt man ja den Ausdruck des Lichtstresses. Aber dieses plakative und verallgemeinernde Stressgeschreibsel, das immer wieder durch die Foren geistert, ist schon ziemlich nervig. Statt unter dem überstrapazierten Sammelbegriff des Stresses viele Einzelthemen in einen Topf zu werfen, sollte man lieber differenziert die entsprechenden Themen wie beispielsweise Zuchtbedingungen, Transportstress (insbesondere bei Wildfängen), Verkaufsbedingungen in Händlerbecken und letzlich vor allem die Haltungsbedingungen im heimischen Aquarium erörtern.

meee":11dm6wh2 schrieb:
das würde ich nicht ganz so stehen lassen, ohne es überprüft zu haben.
Wie soll man das denn überprüfen? Wenn ich nicht unmittelbar von einem Züchter kaufe, der mir auch noch einen detaillierten Einblick in den Zuchtbetrieb gewährt, ist es letzlich immer eine Glücks- und/oder Vertrauenssache. Gehe ich in ein Aquariengeschäft und kaufe nach sorgfältiger Auswahl dort optimal präsentierte Fische, kann ich auch nicht überprüfen, ob die Tiere kurz zuvor aus schlechten Verhältnissen umgesetzt wurden.

Ich hoffe mein Beitrag war nicht zu provokant, aber manchmal juckt es einfach in den Fingern.

Viele Grüße, Thomas
 

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