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Beitragvon Tobias Coring » 05 Nov 2009 11:27
Hi,

ich möchte hier mal ein recht interessantes Thema anschneiden, da es im besonderen ein deutsches Phänomen anspricht.

Die Geringfilterung, von einigen Personen hier im Forum (Nik, Sabine & Roger) immer wieder sehr gerne als Problemlöser herangezogen, steht hierbei zur Diskussion gegenüber der Normalfilterung und auch der Starkfilterung.

Inwiefern wirkt sich die Filterung auf den Pflanzenwuchs aus wäre meine erste Frage in die Runde. Ich selber habe gerade einen Filterwechsel in meinem Becken durchgeführt. Ich hatte davoe einen Eheim 2028 voll bestückt mit allen Filtermedien am Becken. Gerade die Hochleistungsfiltermedien von Eheim (Kugeln), bieten eine extreme Besiedlungsfläche für Bakterien. Schnell wird auch NO3 verarbeitet und auch Mikronährstoffe samt PO4 werden dort abgebaut bzw. ausgefällt.
Die Welt filtert auch bei Pflanzenbecken sehr stark und daher hatte ich mich bei meinem aktuellen Becken ebenfalls hierfür entschieden. Nach einiger Zeit merkt man den Pflanzen schon an, dass gewisse Nährstoffe nicht in üppigster Form vorhanden sind. Der Wuchs ist moderat und nicht besonders extrem, das Wuchsbild dagegen sehr schön. Besonders ausgeprägte Farben, sattes grün und kanllige Rottöne dominieren und gerade für den Aquascaper ist der relativ langsame Wuchs auch ein Segen. Einige Pflanzen kommen jedoch besser mit diesen Umständen zurecht als andere. Gerade Pflanzen, welche im Substrat wurzeln, gehen besser ab. Einige Pflanzen kommen aber absolut nicht in die Pötte.

Der Bodengrund wird sicher bei einer starken Filterung maßgeblich dazu beisteuern, dass das Becken weiterhin sehr gut funktioniert. Ein nährstoffreiches Soil bietet hier die Grundlage für einen solch funktionierenden Beckenaufbau, wobei dies scheinbar auch nicht essentiell ist (sieht z.B. Tuttis Kiesbecken).

Gerade meine Moose sind in der Zeit der extremen Filterung SEHR GUT gewachsen. Ich hatte hier bzgl. einer geringeren Filterung ab und an mal Probleme und auch das HC wächst bei mir mit guter Filterung eindeutig besser. Es kann sich hier natürlich um Korrelationen handeln, jedoch möchte ich diese dennoch zur Diskussion stellen.

Nun habe ich also meinen Filter gewechselt. Also fahre ich gegenwärtig wiedermal die Geringfilterung. Mit eingelaufenem Filter (Schaumstoffmatten und Keramikröhren) werde ich die Normalfilterung anstreben.
Es haben sich seit der Umstellung des Filters einige Sachen drastisch im Becken verändert. Was vorher sehr langsam Wuchs (trotz Düngung von ~4-6 mg/l NO3 am Tag und 0,2 mg/l PO4 + ausreichend Mikronährstoffe), wächst nun außerordentlich schnell.

Meine Oldenlandia sp. (Rubiaceae) machte einen dicken Satz und wuchs bereits nach ein paar Tagen mehrere Zentimeter aus dem Wasser. Hier hatte sich bis auf die Wuchsgeschwindigkeit nichts geändert. Die Blätter sahen weiterhin schön grün aus.

Meine Rotala sp. "Araguaia" wuchs nun auch wieder um einiges flotter und auch die Alternanthera reineckii "rosaefolia minor" legte seit Wochen erstmals wieder zu. (in ein paar Tagen ca. 2 cm, was in angesichts der vorherigen 1 cm in vielleicht ~6-8 Wochen geradezu atemberaubend schnell ist)

Die Ludiwgia brevipes wuchs auch sehr viel schneller, jedoch veränderte sich ihre Farbe an den Spitzen extrem. Das schöne dunkelrot verwandelt sich immer mehr in ein ausgeblichenes schmuddel braunrot. Die Triebspitzen sehen zudem verknüllt aus.

Starkfilterung:


ludwigiabrevipes.jpg


Geringfilterung:

ludwigiabrevipes2.jpg


An meiner Blyxa vietii sehe ich auch besonders extreme Veränderungen. Vorher wuchs sie in einem normalen Tempo und sah sehr schön aus. Jetzt geilt sie nach oben mit Internodienabständen von 5+ cm und sieht total grausig aus. Diese Pflanze will jetzt wohl schneller ans Licht ;).

Gerade die ausgeprägten Farben der roten Pflanzen, würde ich auf eine starke Limitierung zurückführen. Die Blätter von einigen Pflanzen werden unter dieser starken Limitierung ebenfalls kleiner. Bei einigen Sorten sieht dies sehr hübsch aus, bei anderen nicht wirklich. Mein H.tenellus sieht seit der extremen Filterung sehr hübsch und extrem klein/filigran aus. Der H. tenellus parvulus dagegen wächst nicht mehr so gut.

Ich habe halt keine Wasserwerte während dieser Zeit gemessen, jedoch probiert anhand des Wuchsbilds die Nährstoffe ggf. anzuheben. So kamen ab und an auch mal +4 mg/l NO3 extra hinzu, was sich eindeutig in einem kleinen (aber wirklich nur kleinem) Wachstumsschub bemerkbar machte.

Für mich hat die extreme Filterung schon gewisse Kehrseiten, jedoch reguliert sie ein Becken in einem gewissen Maße. Durch ausgiebigere Düngung kann dies abgefangen werden. Arbeitet der Filter jedoch zu sehr NO3 usw. verzehrend, wird es anstregend.

Die normale Filterung über z.B. Schaumstoffmatten, halte ich hier für den günstigen Mittelweg. Kein extremer NO3 Verbrauch, ggf. "gesunde" Regulierung des Mikronährstoffgehalts.

Die Geringfilterung kann unter gewissen Bedingungen vielleicht eher ein Problem sein, wenn sich ggf. gewisse Mikronährstoffe weiter anreichern oder ggf. gewisse Düngeprodukte nicht richtig im Becken verarbeitet werden können.

Makronährstoffdüngung dominiert ja im europäischen und auch amerikanischen Gebiet. Teilweise wird hier auch sehr analytisch herangegangen. Gewisse Level an Nährstoffen werden immer wieder probiert aufzudüngen usw. Soilprodukte sind gerade im europäischen Bereich nicht soooo geläufig.
Im asiatischen Bereich wird primär auf eine ausgewogene Düngung über das Substrat geachtet und weniger über die Wassersäule. Der Wuchs ist ggf. langsamer, jedoch konstant und farbenfroh. Eine starke Filterung setzen jedoch beinahe alle ein.

Auch hier schwören ein paar außergewöhnlich gute Pflanzenkultivierer auf eine extreme Filterung. Tutti sei hier z.B. genannt, der es immer wieder schafft, sehr hübsche Becken mit sehr gesunden Pflanzen zu reproduziern. Alle seine Becken werden jedoch extrem stark gefiltert. Gerade bei Kies wies Tutti darauf hin, dass die Pflanzen nicht gerade schnell wuchsen. Jetzt mit Aquasoil hat sich dies wohl geändert, durch das reichhaltige Nährstoffangebot im Boden. Dennoch sind die Becken limitiert, aber dies kommt mit einem schönen Pflanzenwuchs einher.

Ggf. sammeln wir hier noch ein paar weitere Pro und Contra Punkte, da die Geringfilterung nicht unbedingt des Weisheits letzter Schluss ist und gerade auf eine attraktive Wuchsform der Pflanzen einen erheblichen Einfluss hat. Was bringt einem nur wucherndes Kraut, wenn es auch schöner geht.
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

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Beitragvon amano_fan » 05 Nov 2009 12:08
Hallo Tobi,

interessantes Thema das du da ansprichst.
Ich glaube ein sinnvoller Ansatz diese "Phänomen" zu ergründen, wäre erstmal eine grobe Zusammenfassung der Dinge die im Filter passieren (z.B. evtl. Eisenausfällung, Nitratabbau usw...) und dann weiter mal ein Vergleich von verschiedenen Aquarien bezüglich des Wachstums verschiedener Pflanzen so in der Art:

Aquarium: XY, Geringfilterung

Pflanze: Wachstum:
H. tenellus +++

Oder so in der Art, damit lässt erstmal feststellen ob sich ein allgemeiner Trend bemerkbar macht oder ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt.
(Vielleicht kommt bei mir ja zu sehr der Wissenschaftler raus, aber mit solchen oder ähnlichen Themen beschäftigt sich meine Arbeitsgruppe in München, dort geht es um die sog. NOM (Natural organic matter = natürliche organische Stoffe) und ich glaube die sind auch im Aquarium wichtig)
Mfg

Michi
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Beitragvon Slanderscree » 05 Nov 2009 12:45
Hallo Tobi,

die Frage nach dem Filtersystem ist wohl abhängig vom jeweiligen Aquarium. Mir scheint es, dass Deine Beobachtungen bei der Geringfilterung auf einen leichten Nährstoffüberschuss hindeutet, u.a. im Bereich der Stickstoffverbindungen (Ludwigia). Ein Überschuss bei einigen Stoffen wiederum verursacht einen Mangel in anderen Bereichen.

Wahrscheinlich ist in Pflanzenaquarien mit guter Düngung (Wasser, Boden) eine effektivere Biofilterung nicht ganz so verkehrt. Mit abnehmender Düngung darf dann auch die Filterung nicht mehr so effektiv arbeiten. Aquarien, die nicht so sehr über das Wasser, sondern mehr über den Boden gedüngt werden, sind bezüglich der Filterung wahrscheinlich unempfindlicher. Eine Algenproblematik ergibt sich in diesen Becken nicht, da unabhängig von der Filterung für die Algen im Wasser kaum Nährstoffe verfügbar sind - es sei denn, diese werden verstärkt über den Bodengrund freigesetzt. Dann wäre wiederum eine effektivere Filterung besser, um die Nährstoffe im Wasser zu reduzieren, da die Pflanzen auf diese nicht angewiesen sind und daher von Algen genutzt werden könnten.

Vielleicht liege ich aber auch völlig daneben, schließlich bin ich kein ausgemachter Pflanzenexperte. In jedem Fall ist Deine Fragestellung sehr interessant.
Gruß Jens

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Beitragvon bruce » 05 Nov 2009 12:59
Hi Tobi,

das Thema Filterung hat mich auch sehr beschäftigt. Vorallem die Gegenüberstellung der versch. Methoden finde ich sehr interessant!

Ich hatte in meinen Becken Fälle, wo ich einerseits absolut keine Probleme mit starker Filterung hatte, jedoch kam es in anderen Becken auch schon zu Problemen, da vor allem No3 trotz großzügiger Düngung kaum vorhanden war.
Die Pflanzen zeigten dann auch die typischen Mängel. Und das obwohl ich Aqua Soil Amazonia im Einsatz hatte.

Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, warum die Starkfilterung bei mir manchmal zu Problemen führte.
Es war die Strömung im Inneren des Filters durch das Filtermaterial. Ich hatte Filterschaumstoff und Lavakies im Einsatz.
Vermutlich bilden sich durch eine zu geringe Strömung im Filtermaterial immer mehr anaerobe Zonen, die extrem viele Nährstoffe ausfällen. Das Problemkind war v. a. die Limnophila aromatica.
Ähnlich wie bei einem HMF.

Takashi Amano rühmt bei seinen Super Jet Filtern ja immer die starke Leistung der Pumpe, die eine sehr lange Standzeit mit gleichbleibend starker Strömung gewährleistet.

Deswegen nutze ich mittlerweile bei meinem 60l Becken einen gut bestückten Eheim Classic 2215. Außerdem reinige ich das Filtermaterial sobald die Leistung stärker nachlässt. Im Moment habe ich keinerlei Mangelerscheinungen.

Beleuchtet wird mit 2x15w T8 plus Reflektoren.
Denke aber, dass es ohne Aqua Soil Amazonia Probleme geben würde.

Dies sind aber nur prakt. Beobachtungen aus meinen Becken !

LG Bruce
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Beitragvon amano_fan » 05 Nov 2009 13:09
Also ich filtere über meinen Juwelinnenfilter, bestückt mit Filterschwämmen, etwas Keramik und Filterwatte oben drauf für den groben Schmutz. Ausgewechselt wird nur die Filterwatte wenn sie zugesetzt ist, der Rest bleibt so wie er ist und wird eigentlich alle halben Jahre mal in Aquarienwasser ausgewaschen.
Als Bodengrund hab ich Aquaclay und ich dünge mit Aqua Rebell Makro Basic NPK und Kramer Drak, für die Mikros.
Was mir aufgefallen ist, das ich sehr starke Eisenausfällung im Filter hab, meine restlichen Nährstoffe messe ich nicht, sondern dünge nach Gefühl.
Das Wachstum ist bei mir sehr unterschiedlich:

E. bleheri +++
N. lotus +++
B, japonica ++ (aber sehr stark vergeilend, trotz starker Beleuchtung)
Javafarn +++
H. corymbosa -/+ (aber auf dem Weg zur Besserung)
Mfg

Michi
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Beitragvon Tobias Coring » 05 Nov 2009 13:18
Hi,

Slanderscree hat geschrieben:Deine Beobachtungen bei der Geringfilterung auf einen leichten Nährstoffüberschuss hindeutet, u.a. im Bereich der Stickstoffverbindungen (Ludwigia). Ein Überschuss bei einigen Stoffen wiederum verursacht einen Mangel in anderen Bereichen.


Hier wäre ich immer ganz vorsichtig, da ein "Überschuss" ganz sicher keinen Mangel eines anderen Stoffes auslösen muss, so lange von den anderen Stoffen so viel vorhanden ist, dass diese nicht einfach verbraucht werden können (=> siehe Estimative Index).

Die L.brevipes wächst ja normalerweise nicht so extrem rot. Sieht man bei vielen anderen Aquarianern, weswegen ich die extrem rote Farbe eh auf eine starke Limitierung zurückführen würde, die mit der Filterung einhergeht.

Slanderscree hat geschrieben:Eine Algenproblematik ergibt sich in diesen Becken nicht, da unabhängig von der Filterung für die Algen im Wasser kaum Nährstoffe verfügbar sind - es sei denn, diese werden verstärkt über den Bodengrund freigesetzt. Dann wäre wiederum eine effektivere Filterung besser, um die Nährstoffe im Wasser zu reduzieren, da die Pflanzen auf diese nicht angewiesen sind und daher von Algen genutzt werden könnten.


Auch hier wäre ich vorsichtig, da vermehrt Nährstoffe in der Wassersäule absolut keine Algen auslösen müssen. (siehe wieder Estimative Index).

Mit geht es hier auch gar nicht um irgendwelche Algenproblematiken, sondern allein um den unterschiedlichen Wuchs in Abhängigkeit mit der Filterung und natürlich der Nährstoffverfügbarkeit in Bezug auf die Filterung.

Das unterschiedliche Nährstoffniveaus auch zu einem unterschiedlichen Wuchs führen steht außer Frage. Es ist eben die Sache, in wie weit man dies mit der Filterung beeinflussen kann.

@Michi
Ich denke deine Herangehensweise ist nicht verkehrt. Wir sollten mal den Pflanzenwuchs in Abhängigkeit zur Filterung etwas quantitativ erfassen, jedoch werden wir hier niemals eine passende Stichprobe dabei herausbekommen :(. Ein internationaler Fragebogen wäre hier schon spannender. Bei Zeiten werde ich das mal angehen und aufsetzen. Wäre echt eine "Untersuchung" auf quantitativer Ebene wert.

@Bruce
Deine Erfahrungen kann ich in etwa teilen. So bald der Filter anaerob arbeitet oder immer stärker anaerob, so problemtischer kann es werden.
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

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Beitragvon Marcel » 05 Nov 2009 13:34
Moinsen,

ein sehr interessantes Thema.

In meinem alten Becken mit dem Eheim 2324 hatte ich immer Probleme, so dass ich nach und nach die Filtermedien, besonders die Keramikkugeln, reduziert habe. Die Strömung war hier eher gering.

In meinem Neuen habe ich jetzt einen JBL CP e1500 mit starker Strömung und den Standartmedien drin. Hier läuft alles problemlos. Unterschied ist dass das Wasser deutlich klarer ist.

Ich denke, dass es hier von vielen Dingen abhängt aber die Sache mit den anaeroben Zonen im Filter aufgrund niedriger Strömung hat sicherlich großen Einfluss.

MfG
Marcel
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Beitragvon SebastianK » 05 Nov 2009 13:56
Huhu zusammen,

also ich bin nun seit 1,5 Jahren Aquarianer und habe von Anfang an nichts von Geringfilterung gehalten... Wenn das Mr. Amano nicht macht, kann da nix dran sein ;)
Spaß beiseite, ich filtere meine Becken immer mit voll bestückten Außenfiltern (mechanischer, machanisch-biologischer sowie rein biologischem Filtermaterial) und fahre damit sehr gut. Die Ausfällung ist mit Sicherheit ein Thema, allerdings ist das mE bei einem gut chelatiertem Dünger belanglos, da die Nährstoffe gar nicht so schnell ausfallen können, wie sie von den Pflanzen aufgenommen werden. Dazu habe ich noch eingerichtet, dass die Tagesration aufgeteilt wird in 3 Portionen, die ich zeitgesteuert über den Tag verteilt hinzugebe. Fe Ausfällung ist bei mir noch nie aufgetreten, was hoffentlich am ECA liegt. Ich habe auch gehört, dass in Asien niemand Geringfilterung einsetzt, und naja die besten Scaper halt auch nicht, warum sollten wir es dann tuen? Ich sehe darin keinen Vorteil, außer dass man den Filter nicht reinigen muss.

Gruß

Sebastian
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Beitragvon Slanderscree » 05 Nov 2009 14:18
Hallo Tobi,

nach diesem Schaubild scheint es schon einen Zusammenhang zwischen Überschuss und Mangel zu geben:

http://www.finostrom.com.gr/images/aqua/fertilizers/map.htm

Dass es hier um den Zusammenhang zwischen Filterung und Pflanzenwuchs/Nährstoffversorgung und nicht um Algenprobleme geht, ist mir schon klar. Wahrscheinlich hätte ich mir den kleinen Algen-Schlenker aber sparen können. Manchmal überkommt es mich halt.

Ansonsten habe ich meinen ersten groben Gedanken zum Zusammenhang von Filterung und Nährstoffversorgung derzeit nichts hinzuzufügen.

Eines fällt mir jedoch noch ein: Im Zusammenhang mit der Filterung stellt sich für mich auch noch die Frage nach der Wasserbewegung im Aquarium mit Bezug auf den Nährstofftransport.

Insgesamt schon ein recht komplexes Thema, da es viele Wechselwirkungen und -beziehungen geben wird.

Doch noch ein kleiner Nachtrag: Vielleicht braucht es noch eine genaue Definition, was hier unter Stark-, Gering- und Normalfilterung zu verstehen ist und wie diese drei Abstufungen technisch realisiert werden.
Gruß Jens

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Beitragvon Tobias Coring » 05 Nov 2009 14:24
Hi Jens,

jep... nach dem Schaubild schon, leider ist da aber aquaristisch nicth wirklich was bewiesen :(. Somit fleddert man bei solchen Themen in großen Grauzonen rum. Ist aber hier bei der Filterung nichts anderes ;).

Die Strömung halte ich generell für wichtig bei der Filterung und würde immer eine starke Strömung im Becken bevorzugen, da so ausreichend Nährstoffe und CO2 in die dichten Pflanzenbestände eindringen können.
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

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Beitragvon amano_fan » 05 Nov 2009 14:33
Das Thema ist wirklich sehr komplex, spielt ja nicht nur der Filter selbst hier eine Rolle, sondern auch Boden Düngung und auch das Wasser (hart, weich, sauer, basisch).
Ich denke bei mir im Becken ist der Filter sicher ein Nährstoffdepot, wenn auch nicht beabsichtigt. Nicht nur von Nitrat, Phosphat, Eisen usw... sondern auch bestimmte organische Stoffe, die hier jetzt nicht genauer spezifiziert sind.
Lese zur Zeit ein Buch quer, das heißt "The Biogeochemistry of the Amazon Basin", darin spielt auch der Kohlenstoff nicht nur als CO2, sondern auch partikulär und als andere Stoffe gelöst eine große Rolle in dem Kapitel "Organic Matter And Nutrients in the Mainstem Amazon River".
Wenn ich mir im ADA-Katalog den Text zu Powersand durchlese steht da "... and organic nutrients promote the growth of bacteria...". Es gibt Wechselwirkungen zwischen Bakterien und Pflanzen, denke dass dies auch im Aquarium zutrifft und wichtig ist.
Seit ich, sagen wir mal "etwas mehr Mulm" im Filter hab läuft mein Aquarium auch runder und ich meine das jetzt nicht im klassischen Sinn, wie es in den Büchern steht, das man Bakterienfauna braucht usw usw usw...
Meinen Pflanzen geht es einfach "besser". :D
Mfg

Michi
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Beitragvon Tobias Coring » 05 Nov 2009 14:37
Hi,

vielleicht sollten wir mal zusammen einen quantitativen Fragebogen entwickeln, so dass ich den mit Datenbankanbindung realisieren kann.
Dann können wir später realtiv einfach Auswertungen machen. International verbreitet, sollte sich hoffentlich eine ausreichend hohe Stichprobe ergeben.

Die ganzen Faktoren sollten natürlich dabei abgefragt werden. (Gut wär auch ein Bild des Beckens, damit man einen Überblick bekommt).
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

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Beitragvon nik » 05 Nov 2009 14:38
Halo Tobi,

jetzt machst du aber ein Fass auf. :D Das Problem ist,
- Filtersubstrat (in Quantität und Qualität),
- Bodengrund (in seiner möglichen Filterwirkung bei gröberen Substraten, bzw. eher keiner bei Sand und der Frage gedüngt oder ungedüngt) und der
- Nährstoffversorgung (minimal-üppig, übers Wasser und/oder über den Bodengrund)
beeinflussen sich gegenseitig.

Voraussetzung für alle Varianten ist erst mal ein (mikro-)biologisch ordentlich laufendes Becken. So eins mache ich an folgenden Punkten fest:
- keine Kahmhaut
- keine Bakterienblüte
- keine Cyanobakterien
- kein nennenswerter Biofilm an den Scheiben. Das ist nur ein Indikator, gilt für alle Oberflächen.
- keine Algen

Zu den Algen und der Nährstoffabhängigkeit hat Tutti kürzlich gepostet, dass es bei seiner praktizierten Stoßdüngung zum Ende der Woche zu Nährstoffmängeln kommt/kommen kann, die bezüglich Algen folgenlos sind/sein können. Um die Betrachtung der Geschichte gleich zu entspannen - Tuttis Posting kann ich unterschreiben! ;)
Wie belastbar ein mikrobiologisch stabiles Becken ist, hat mein Sohn mir mit 3-4 Wochen fehlender CO2-Versorgung und/oder echt heftigen Kapriolen in Sachen Nährstoffversorgung aufgezeigt. Wir sind ja patchwork-family und mein Sohn lebt bei seiner Mutter. Da bin ich mal hingekommen und habe die Flaschen mit Mikro- und Makrodünger von der Abdeckung genommen, welche blitzblanke Stellen auf einer sonst durchaus verstaubten Abdeckung hinterließen. Die standen wochenlang unberührt herum! Das Becken lief trotzdem gut. Ich hatte mal HCC von ihm für ein Becken mitgenommen. Das konnte man spätestens dann als Kümmerform identifizieren, als dass es bei mir mit üppiger Nährstoffversorgung sofort losrannte (beide Becken mit Geringfilterung ;) ). Tobi, deine Beobachtung mit Wuchs"problemen" bei Moosen und Geringfilterung wird Harald wohl nicht teilen. Er "filtert" praktisch auch nicht, halt nur mit "Garnelenschutz".

Das läuft also auf die Betrachtung der Faktoren zur Beeinflussung der Nährstoffsituation der Wassersäule in Kombination mit einer vorhanden/nicht vorhandenen Bodengrunddüngung hinaus. Das beinhaltet auch so schöne Themen wie Chelatierung, Nährstofffällungen und -kompetitionen.

Zurzeit beschäftige ich mich vor allem mit S und Ca, weiß aber noch nicht ob ich das aufgegleist bekomme. Mit einer partiellen Düngung erreiche ich den netten Effekt, dass die Pflanzen der gleichen Art teilweise große (manche Arten rote) Triebspitzen bilden und andere direkt daneben verkrüppelte Triebspitzen zeigen. Mir ein wichtiger Grund geringer Filterung war immer auch die Reduzierung deren Einflüsses. Filtersubstrat hat eine beinahe katalytisch zu nennende Wirkung der sowieso im Becken stattfindenden Prozesse und ermöglicht unter Umständen die Denitrifikation. Letzteres gilt auch für Kiese. Beides will ich im Pflanzenbecken nicht haben! Deshalb habe ich keine Filterung und Sand. Mit Filtersubstrat - auch kiesigem Grund - findet eine zusätzliche Beeinflussung der in der Wassersäule enthaltenen Nährstoffe statt, es ließe sich aber genauso gut die Wassersäule ohne Filtersubstrat und ohne filternden Bodengrund über direkte und kontrolliertere Zugabe einstellen. Finde ich interessanter, weil es sich eher reproduzieren lässt.

Ich suche schon seit Jahren einen Grund für Substratfilterung, der über die Gewährleistung einer ausreichenden Nitrifikation
hinausginge. Ich weiß keinen und es konnte mir auch niemand einen nennen. Und Nitrifikation ist in einem schwach besetzten Pflanzenbecken, selbst ungefiltert, kein Problem.

Noch vorab eine Begriffsklärung. Im Pflanzenbecken ist die "Geringfilterung" im Prinzip eine näherungsweise Nichtfilterung und die Namensgebung "Gering-" berücksichtigt lediglich die wegen der in Pflanzenbecken üblichen Garnelen sowieso "nötigen" Schaumstoffpatronen auf der Ansaugseite. Ansonsten gilt im Grundsatz, so wenig Filtersubstrat wie möglich. In Verbindung mit mikrobiologisch nur gering aktivem Sand finden die Prozesse vor allem in den Biofilmen im Becken und im Wasser statt.

Solange ich mich um das Verständnis einzelner Nährstoffe bemühe, stört mich der Einfluss von Filtersubstrat, Kies und Bodengrunddüngung. Das war der ursprüngliche Ansatz und ich führte das auch deshalb fort, weil es überraschend gut funktionierte.

Die Filterung finde ich - auch wegen ihres indirekten Einflusses - jetzt nicht so schlimm wichtig. Für mich ist die Filterung/das Filtersubstrat lediglich Teil in der Betrachtung einer geeigneten Wassersäule.
Ich konnte z.B. ja auch nicht immer die Befindlichkeit der Pflanzen "lesen" und kann es auch immer noch nicht vollständig - und dann bekomme ich mit meinem Setup eine viel klarere Rückmeldung auf meine Handlungen.

Ich habe mal überlegt, einen fetten Filter an ein Becken dran zu hängen, aber was kann der mehr machen, als dass er partiell Nährstoffe verringert und Mikroflora in den Filter verlagert? Es könnte schon sein, dass das die Morphogenese der Pflanzen beeinflusst. Rote Pflanzenfarben gehen ja oft mit einem Stickstoffmangel einher. Normalerweise läuft N aber sowieso in den Mangel, egal wieviel Filtersubstrat dranhängt. Und wenn man Filterung dazu verwendete um (zugegebene) Nährstoffe zu verrringern ließe sich das auch direkt durch Nichtzugabe erreichen. Interessanter wäre dann die Frage der Auswirkungen Boden- vs. Wasserdüngung. -Auch ein weites Feld.

Gruß, Nik
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Beitragvon SebastianK » 05 Nov 2009 14:52
Hi Nik, hi Tobi,

schöner Beitrag, allerdings verstehe ich nicht ganz, warum das Thema Chelatierung des Düngers hier so übergangen wird. Das ist doch eine der wichtigsten Vorraussetzungen für die schnelle Verfügbarkeit unter optimalen Bedingungen.
Kannst du was dazu sagen Tobi?

Gruß

Sebastian
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Beitragvon Tobias Coring » 05 Nov 2009 14:56
Hi Nik,

das hier viele Abhängigkeiten sind, ist mir absolut bewusst. Es ist ein wirklich schwierig greifbarer Bereich.

Natürlich verringert man die Einflusskomponenten durch herabsetzen der Filtermasse, jedoch kann sich dies meiner Meinung nach auch negativ auswirken. Gerade in Bezug auf Mikrodünger, kann der Filter dann z.B. keine geeignete Möglichkeit bieten, die Nährstoffe aus dem Chelatkomplex zu lösen und für die Pflanzen verfügbar zu machen.
Auch stellt sich für mich das Problem mit der "analytischer Herangehensweise" nicht mehr ganz so extrem dar. Sprich wenn ich z.B. täglich auf 0,1 mg/l Fe aufdünge, dann wird die Menge ggf. nicht zu einem Problem, da eben der Filter regulierend eingreifen kann.

Sind alles Mutmaßungen. Das es wohl erhbliche Unterschiede in Bezug auf Becken gibt, liegt klar auf der Hand. Ich kann eigentlich machen was ich will.... Grünalgen tauchen bei mir nicht auf, allein Pinselalgen kommen bei mir durch, wenn ich zu wenig CO2 im Becken habe oder die Mikrodüngung total vernachlässige.

Sich qualitativ diesem Sektor zu nähern ist glaube ich nicht möglich, da wir hierfür echt zu wenig Erklärungen liefern können. Es wird viel "angenommen" oder "gedacht", jedoch weiß man leider nicht so viel ;).

Quantitativ könnte man jedoch einen schönen Querschnitt aufzeigen und mit einer großen Stichprobe aufzeigen, welche Konstellationen besser funktionieren in Hinblick auf tadellosen Pflanzenwuchs.
Gerade diesen sehr schönen Pflanzenwuchs habe ich nur selten mit Geringfilterung gesehen.

Bzgl. Harald und den Moosen hast du natürlich recht, wobei die "Riffe" auch echt viel Besiedlungsfläche für alle möglichen Bakterien liefern. Da holt man sich ja schon den Filter quasi ins Becken.
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

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