Düngerumstellung und Einsatz von Bittersalz

M.E

Member
Guten Abend zusammen,

ich fange mal vorne an und hoffe das man mit folgen kann.
Grundgedanke ist eine Umstellung auf einen anderen Dünger und später noch die Erhöhung von Mg durch Bittersalz.

So ich fange mal vorne an
Aktuell dünge ich mein 180l Becken mit täglich mit 2ml Nitrat Basic und 2ml JBL Ferropol. 1 mal in der Woche kommt noch nach dem Wasserwechsel
4ml Basic Phosphat.
Laut Düngerrechner komme ich auf folgende Werte:

Zugabe Nährstoffgehalt (incl.Wasserwerte)

Nitrat 0,71mg/l 12,71mg/l
Phosphat 0,02 m/l 0,02mg/l
Kalium 0,46mg/l 0,46mg/l
Eisen 0,01mg/l 0,01mg/l

Jetzt habe ich das auf eine wöchentlich Düngung umgerechnet und bekomme folgende Werte:

Nitrat 5mg/l 17mg/l
Phosphat 0,14mg/l 0,14mg/l
Kalium 3,23mg/l 3,23mg/l
Eisen 0,1mg/l 0,1mg/l

Nun habe ich den Ganzen Spaß auf ein 350l Becken umgerechnet das ich neu betreiben möchte.
Hier bekomme ich dann fast identische Werte wie beim Wöchentlichen Düngen des 180 Liter Becken

Nitrat 5mg/l 17mg/l
Phosphat 0,17mg/l 0,17mg/l
Kalium 3,24mg/l 3,24mg/l
Eisen 0,1mg/l 0,1mg/L.


So bis hier hin ist es für mich auch alles verständlich. BIs auf die Kaliumwerte (denn der Kaliumgehalt bei meinem 180l Becken liegt messbar bei ca. 10mg/l)

Jetzt kommt das eigentliche Problem. Ich würde das 350l Becken gerne mit dem NPK- und dem Eisen Basic Dünger betreiben wie es mir die
Düngerempfehlung vorschlägt.
Abgesehen das die Düngermenge von täglich 14ml NPK und 3,5ml Eisen Basic bzw wöchentlich 98ml NPK und 24,5ml Eisen
alle Werte laut Dosierrechner sprengen würde glaube ich nämlich das ich auch bei reduzierter Menge Probleme bekommen werde.

Ich habe mal mit dem Dosierrechner rum gespielt und mir als Ausgangswert den Nitrat genommen. Will also den Nitratwert wieder so bei ca 17mg/l haben

Also Wöchentlich Düngung 60ml NPK und 11ml Eisen Basic

Dann komme ich auf die Werte

Zugabe Nährstoffgehalt (incl.Wasserwerte)

Nitrat 5mg/l 17mg/l
Phosphat 0,5mg/l 0,5mg/l
Kalium 6,52mg/l 6,52mg/l
Eisen 0,04 mg/l 0,04mg/l


Jetzt finde ich das der Phosphat wert doch schon grenzwertig ist. Da er ja so wie gelesen habe bei 0,1-0,4 mg/l liegen sollte. Und wenn ich bedenke das der Kaliumwert
bei der Dosierberechnung (Nährstoffberechnung) beim immer so bei 6mg/l liegt und jetzt Beim NPK Dünger bei 13mg/l finde ich das schon etwas erschreckend.
Und wenn ich bedenke das der Kaliumwert auch beim messen aktuell bei 10mg/l liegt also 4mg/l mehr als bei der Dosierberechnung angegeben so muss ich davon aus gehen das er nach der Düngerumstellung auch etwas höher ist und nicht bei 13mg/l sondern bei eventuellen 17-18mg/l ist es doch sehr hoch.
Sehe bzw verstehe ich hier was falsch ?

ZU dem möchte ich mit Bittersalz den Mg wert erhöhen und da meistens von einem Verhältnis 2:1 zum Kaliumwert angestrebt wird, wäre ich ja bei 30-35mg/l
Ist das nicht viel zu viel ????
Und wie gehe ich am besten mit dem Bittersalz vor, direkt als Pulverform ins (ich weiß das es sich hier mg Bereich bewegt) oder löst ihr das im Wasser auf und nutzt
es wie normalen Dünger.

So ich hoffe ihr konntet mir folgen


Danke schon mal
 
Hallo Markus!

Beim NPK Dünger musst du mit den Werten leben die der Hersteller so festgelegt hast. Möchtest du andere Werte im Becken haben, musst du auf Einzeldünger umstellen. Das Verhältnis Mg / K ist nicht so wichtig. Mg sollte nur höher als K sein. Das Bittersalz kannst du einfach so ins Wasser streuen. Das löst sich schnell auf.
 
Moin,

Der Phosphatwert kann auch höher sein, bei guten Fischbesatz ist der oft höher selbst ohne Dünger.
Das verursacht in der regel auch keine Probleme.
 
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Hallo Markus,
Jetzt finde ich das der Phosphat wert doch schon grenzwertig ist. Da er ja so wie gelesen habe bei 0,1-0,4 mg/l liegen sollte.
damit hast Du schon recht, aber noch wichtiger ist das Verhältnis NO3: PO4. Früher war ich der Auffassung, es solle zwischen 10:1 und 20:1 liegen, heute denke ich es ist besser, wenn das Verhältnis zwischen 25:1 und 100:1 liegen sollte. Bei dir sind es (wenn ich richtig lese) 17:0,5 = 34:1 und das wäre ja o.k.
Grüße
Peter
 
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Hallo Robert,
Wenn man seine Pflanzen ständig am Phosphatlimit dahinvegetieren lassen will, kann man das natürlich machen.
Lies doch bitte mal die Bewertung in "Die Redfield-Ratio" von Aquasabi. "Realität ist immer nur das, was der Einzelne wahrnimmt" (Dan Ariely Verhaltensökonom am MIT).
Wir müssen immer bestrebt sein, unser Wahrnehmungsvermögen "fit" zu halten.
Grüße
Peter
 
Hallo…

Das geht selbstverständlich auch etwas ausführlicher, nämlich so:

Schauen wir zuerst rüber zu den echten Wasserpflanzen, die keine emerse Wuchsform besitzen. Da gibt's ein paar Zusammenhänge, die ich selbst anders eingeschätzt hätte. Zunächst bestätigen die Papers die Feststellung, daß echte Wasserpflanzen bevorzugt Ammonium aufnehmen. Bietet man ihnen Stickstoff zu gleichen Teilen als Ammonium und Nitrat an, schnappen sie sich das Ammonium weg. Was mich selbst überrascht hat ist, daß schnellwüchsige Pflanzen einen erhöhten Phosphatbedarf besitzen. Höhere Wachstumsraten bedeuten eine höhere Rate an Proteinsynthese, die wiederum eine große Anzahl an Ribosomen bedingt. Die ribosomale RNA (rRNA) ist aber extrem phosphorreich. Und auch ein zweiter Mechanismus verursacht einen hohen Phosphatbedarf: düngt man den Stickstoff als Nitrat, muss dieses erst reduziert werden, bevor es in Aminosäuren eingebaut werden kann. Auch das bedingt einen höheren Phosphatbedarf für die der Nitratreduktase energieliefernden ATP und NADPH. Tatsächlich ist es so, daß hohe Nitrat : Phosphat-Verhältnisse sogar wachstumshemmend wirken, die Literatur nennt verschiedene Werte, ab denen die Hemmung beginnt, sie reichen von 23:1 bis 42:1.

Wegen der notorisch schlechten Verfügbarkeit von Phosphat in aquatischen Ökosystemen besitzen echte Wasserpflanzen tatsächlich die Fähigkeit, Phosphat über den aktuellen Bedarf hinaus zu speichern. Explizit genannt werden Vallisneria natans, Potamogeton maackianus, Myriophyllum spicatum und Ceratophyllum demersum. Unter Phosphat-Mangelbedingungen kultivierte Pflanzen zeigen bei erneuter Verfügbarkeit deutlich erhöhte Aufnahmeraten.

Für echte Wasserpflanzen liegt der "Sweet Spot" des Nitrat : Phosphat-Verhältnisses bei rund 12:1, wobei Werte zwischen 10:1 und 15:1 den "Wohlfühlbereich" darstellen.

Die meisten unserer Wasserpflanzen leben in der Natur allerdings nicht dauerhaft untergetaucht, sondern amphibisch. Und da sieht's dann so aus:

Echinodoren gehören zu den wichtigsten Aquarienpflanzen. Sie sind Wurzelzehrer. Echinodorus nimmt den Großteil (bis zu 90 %) seiner Nährstoffe, insbesondere Phosphor und Eisen, über die Wurzeln auf.

Cryptocorynen wachsen langsam und benötigen daher weniger Phosphat, reagieren aber oft positiv auf stickstoffreiche Bodendüngung.

Hygrophila ist ein extrem potenter Nährstoffzehrer, der sowohl über Wurzeln als auch Blätter aufnimmt. Er hat seine höchste Wachstumsrate bei Nitrat : Phosphat-Verhältnissen zwischen 12:1 und 14:1.

Unter Starklichtbedingungen steigt der Bedarf an Stickstoff (für Chlorophyll und Enzyme) und Phosphor (für ATP/ADP-Zyklus) drastisch an. Hier verschiebt sich das optimale Verhältnis oft leicht hin zu Phosphat, um den schnellen Energiewechsel zu stützen.

Allgemein läßt sich diese Checkliste für das Nitrat : Phosphat-Verhältnis aufstellen:

>30:1 Phosphat-Mangelbedingungen
~14:1 Idealbereich
<7:1 Stickstoffmangel

Zusammenfassend:
  • Submerse Schnellwachser: Tendieren zu niedrigeren Verhältnissen (11:1 - 14:1). Sie sind P-hungrig und neigen zu Luxuskonsum.
  • Amphibische Wurzelzehrer (Echinodorus, Cryptocoryne): Tolerieren und nutzen höhere Verhältnisse (14:1 - 20:1). Sie profitieren stärker von Stickstoff-Speicherung und nutzen Sedimentressourcen, um Schwankungen im Wasser abzupuffern.
Verwendete Literatur:
Multielement stoichiometry of submerged macrophytes across Yunnan plateau lakes (China) - PMC
Growth rate, protein:RNA ratio and stoichiometric homeostasis of submerged macrophytes under eutrophication stress | Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems

Wir müssen immer bestrebt sein, unser Wahrnehmungsvermögen "fit" zu halten.

So ist es…


In diesem Sinne,
Robert
 
Wow danke Robert für die ausführliche erklärung.
 
Hallo Robert

Keine weiteren Fragen euer Ehren. :)

Danke für diesen
erstklassigen und sehr informativen Beitrag

MfG Ralf
 
Hallo…

Aber gerne doch. Hat mich selber interessiert, das zu recherchieren, es existieren halt viele Halbwahrheiten über's Nitrat-zu-Phosphat-Verhältnis bei untergetauchten Pflanzen.


Viele Grüße
Robert
 
Hallo…

Das geht selbstverständlich auch etwas ausführlicher, nämlich so:

Schauen wir zuerst rüber zu den echten Wasserpflanzen, die keine emerse Wuchsform besitzen. Da gibt's ein paar Zusammenhänge, die ich selbst anders eingeschätzt hätte. Zunächst bestätigen die Papers die Feststellung, daß echte Wasserpflanzen bevorzugt Ammonium aufnehmen. Bietet man ihnen Stickstoff zu gleichen Teilen als Ammonium und Nitrat an, schnappen sie sich das Ammonium weg. Was mich selbst überrascht hat ist, daß schnellwüchsige Pflanzen einen erhöhten Phosphatbedarf besitzen. Höhere Wachstumsraten bedeuten eine höhere Rate an Proteinsynthese, die wiederum eine große Anzahl an Ribosomen bedingt. Die ribosomale RNA (rRNA) ist aber extrem phosphorreich. Und auch ein zweiter Mechanismus verursacht einen hohen Phosphatbedarf: düngt man den Stickstoff als Nitrat, muss dieses erst reduziert werden, bevor es in Aminosäuren eingebaut werden kann. Auch das bedingt einen höheren Phosphatbedarf für die der Nitratreduktase energieliefernden ATP und NADPH. Tatsächlich ist es so, daß hohe Nitrat : Phosphat-Verhältnisse sogar wachstumshemmend wirken, die Literatur nennt verschiedene Werte, ab denen die Hemmung beginnt, sie reichen von 23:1 bis 42:1.

Wegen der notorisch schlechten Verfügbarkeit von Phosphat in aquatischen Ökosystemen besitzen echte Wasserpflanzen tatsächlich die Fähigkeit, Phosphat über den aktuellen Bedarf hinaus zu speichern. Explizit genannt werden Vallisneria natans, Potamogeton maackianus, Myriophyllum spicatum und Ceratophyllum demersum. Unter Phosphat-Mangelbedingungen kultivierte Pflanzen zeigen bei erneuter Verfügbarkeit deutlich erhöhte Aufnahmeraten.

Für echte Wasserpflanzen liegt der "Sweet Spot" des Nitrat : Phosphat-Verhältnisses bei rund 12:1, wobei Werte zwischen 10:1 und 15:1 den "Wohlfühlbereich" darstellen.

Die meisten unserer Wasserpflanzen leben in der Natur allerdings nicht dauerhaft untergetaucht, sondern amphibisch. Und da sieht's dann so aus:

Echinodoren gehören zu den wichtigsten Aquarienpflanzen. Sie sind Wurzelzehrer. Echinodorus nimmt den Großteil (bis zu 90 %) seiner Nährstoffe, insbesondere Phosphor und Eisen, über die Wurzeln auf.

Cryptocorynen wachsen langsam und benötigen daher weniger Phosphat, reagieren aber oft positiv auf stickstoffreiche Bodendüngung.

Hygrophila ist ein extrem potenter Nährstoffzehrer, der sowohl über Wurzeln als auch Blätter aufnimmt. Er hat seine höchste Wachstumsrate bei Nitrat : Phosphat-Verhältnissen zwischen 12:1 und 14:1.

Unter Starklichtbedingungen steigt der Bedarf an Stickstoff (für Chlorophyll und Enzyme) und Phosphor (für ATP/ADP-Zyklus) drastisch an. Hier verschiebt sich das optimale Verhältnis oft leicht hin zu Phosphat, um den schnellen Energiewechsel zu stützen.

Allgemein läßt sich diese Checkliste für das Nitrat : Phosphat-Verhältnis aufstellen:

>30:1 Phosphat-Mangelbedingungen
~14:1 Idealbereich
<7:1 Stickstoffmangel

Zusammenfassend:
  • Submerse Schnellwachser: Tendieren zu niedrigeren Verhältnissen (11:1 - 14:1). Sie sind P-hungrig und neigen zu Luxuskonsum.
  • Amphibische Wurzelzehrer (Echinodorus, Cryptocoryne): Tolerieren und nutzen höhere Verhältnisse (14:1 - 20:1). Sie profitieren stärker von Stickstoff-Speicherung und nutzen Sedimentressourcen, um Schwankungen im Wasser abzupuffern.
Verwendete Literatur:
Multielement stoichiometry of submerged macrophytes across Yunnan plateau lakes (China) - PMC
Growth rate, protein:RNA ratio and stoichiometric homeostasis of submerged macrophytes under eutrophication stress | Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems



So ist es…


In diesem Sinne,
Robert
Hallo Robert,
Wow das ist mal ausführlich und gibt einen ganz anderen Blick auf die Höhe des Phosphat Gehaltes im Becken.
Denn da ist ja eigentlich schon fast gegeben das er Summe die 1,0 und höher liegen kann.
Hätte nicht gedacht das er so hoch sein darf.
Das hilft natürlich ungemein.
Hallo Markus!

Beim NPK Dünger musst du mit den Werten leben die der Hersteller so festgelegt hast. Möchtest du andere Werte im Becken haben, musst du auf Einzeldünger umstellen. Das Verhältnis Mg / K ist nicht so wichtig. Mg sollte nur höher als K sein. Das Bittersalz kannst du einfach so ins Wasser streuen. Das löst sich schnell auf.
Walter Dank für die Info, mit dem ausführlichen Post von Robert ist es natürlich schon klar das auch ein höherer PH Wert nicht so schlimm ist wie ich dachte und ich dann auch so mit dem NPK Dünger klar kommen sollte.
Was die Menge von Bittersalz angeht würde ich es mir dann über den Düngerrechner besorgen.
Aber schon mal gut zu wissen das er nicht doppelt so hoch seien muß.
 
Hallo Robert,
vielen Dank für Ihre Arbeit. Stimmt es, dass dieses Verhältnis von Nitraten zu Phosphaten im Wasser vorliegen sollte? Manche argumentieren, dass dieses Verhältnis muss in Dünger sein, nicht in Wasser.
Danke.
MfG Alex
 
Hallo,

ich würde den Dünger so einstellen, weil man ja nicht weiß, in wie weit sich die Pflanzen daraus bedienen und die Gehalte im Wasser beeinflussen. Nicht vergessen werden sollten allerdings die Einträge durch Futter, Frostfutter ist bspw. eine Phosphatbombe.


Viele Grüße
Robert
 
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