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Postby uruguayensis » 30 Aug 2012 01:05
Hallo liebes Flowgrow Team,
Ich lese über die Herkunft von Riccardia chamedryfolia, das Korallenmoos immer verschiedene Herkunftsländer.
Manche Händler geben als Herkunftsland Südamerika an, manche geben asiatische Länder an ?

Ich habe in der Pflanzendatenbank ein sehr ähnliches Moos gefunden die Riccardia graeffei : pflanzen/Riccardia-graeffei-Mini-Pellia--Coral-Pellia-236.html .

Weiss man mehr über die Herkunft von Riccardia ? Kommt es sowohl in Südamerika als auch in Asien vor ?

MfG
Emrah
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Postby Sumpfheini » 30 Aug 2012 07:56
Hallo Emrah,

da schneidest du ein schwieriges Thema an. Ich kann nicht garantieren, dass die Riccardia in der DB botanisch R. graeffei ist. Es gibt weltweit einen Riesenhaufen Riccardia-Arten, vorwiegend Tropen und Südhalbkugel, haben doofe Merkmale, die veränderlich je nach Umweltbedingungen sind, und die Experten scheinen sich auch nicht sicher zu sein, wieviele es wirklich gibt.
Der Name R. chamedryfolia wird zwar im Handel verwendet, aber anscheinend gibt es keine Veröffentlichung über die Bestimmung der kultivierten Riccardia als R. chamedryfolia.

Nach Kasselmann 2010 wurde Aquarien-Riccardia als R. graeffei bestimmt, das ist eine im tropischen Asien weit verbreitete, aber eigentlich nicht aquatische Art.
Hier gibt es eine kurze Beschreibung von R. graeffei in einer Leber- und Hornmoosflora von Singapur: http://www.sekj.org/PDF/anbf39/anbf39-101p.pdf

aber z.B. das für R. graeffei als typisch angegebene Merkmal, dass der Thallus einen eine Zellschicht dicken und 3-5 Zellen breiten Saum hat, konnte ich bei Aquarien-Riccardia unterm Mikroskop nicht entdecken.

Zuerst dachte ich, dass das Aquarien-Korallenmoos alles das gleiche Zeug ist und Unterschiede nur umweltbedingt sind, aber mittlerweile haben wir bei Aquasabi 2(-3) Typen ausgelesen, bei denen man die Unterschiede aber wirklich nur unter gleichen Kulturbedingungen und bei genauem Hinschauen sieht. Die eine hat bei weniger Licht länglichere Thalli als die andere, aber bei viel Licht sieht sie genau so kompakt aus, hat aber feinere Thallus-Enden, und fühlt sich ein bisschen härter an... keine Ahnung, welche Arten, und ob R. chamedryfolia und graeffei (im botanischen Sinn) wirklich dabei sind.
Man wird wohl auch schwerlich rausfinden können, welche Riccardia mal wo für die Aquarienkultur gesammelt worden war - die sind zu leicht zu verwechseln.

Gruß
Heiko
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Postby uruguayensis » 30 Aug 2012 17:06
Hallo Heiko,
ich danke Dir für deinen Beitrag und die Informationen die Du persöhnlich untersucht hast und weitergibts über die Riccardia. Wenn die Riccardia in den Tropen und in der Südhalbkugel vorkommt, heißt es dann das die im Handel als Riccardia chamedryfolia angebotene Art auch in Südamerika vorkommt ?
Moose aus Südamerika kenne ich nicht im Handel, die meisten kommen aus Asien. Gibt es Moose die auch in Südamerika vorkommen unter denen die im Handel sind ?

Nochmals besten Dank
Mfg
Emrah
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Postby Sumpfheini » 31 Aug 2012 07:53
Hi Emrah,
also wie gesagt, man müsste erst mal rauskriegen, ob unter den als chamedryfolia Bezeichneten im Handel wirklich R. chamedryfolia ist. Ich kann es nicht; man müsste sie emers kultivieren, Sporenkapseln bilden lassen und irgendwelchen Lebermoosexperten schicken.
Die Händler werden ihre Infos wohl auch nicht aus erster Hand haben, und werden von Gärtnereien beliefert, wo wahrsch. meistens auch niemand weiß, wo das Ausgangsmaterial gesammelt worden war. Das sind ja keine wissenschaftlichen Aufsammlungen, die dokumentiert und wo Herbar-Belege gemacht werden.

Zur Verbreitung von R. chamedryfolia steht z.B. in der Moosflora von Frahm & Frey lapidar "Nordhemisphäre", auf EOL sind Nordamerika, Russland (Asien), China, Japan und Brasilien angegeben: http://eol.org/pages/600893/overview Europa haben sie wohl vergessen. Brasilien stimmt offenbar, hier werden viele brasilianische Bundesstaaten aufgeführt, wo sie gefunden wurde: http://www.ibot.sp.gov.br/publicacoes/h ... 3n1a04.pdf
aber ob von dort Aquarien-Riccardia stammt... k.A.

Zu Aquarienmoosen aus S-Amerika gab es hier irgendwo schon mal ein Thema mit viel Senf von mir, werde mal schauen.

Gruß
Heiko
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Postby uruguayensis » 31 Aug 2012 17:10
Hallo Heiko,
Jetzt kann ich auch nachvollziehen wieso das Herkunftsland als Südamerika und auch als Asien angegeben wird. Recht herzlichen Dank für die Informationen über die Riccardia chamedryfolia. Das es auch in Brasilien vorkommt ist interessant. Das im Handel angebotene Riccardia chamedryfolia stammt aus Sulawesi, dort wurde es gesammelt.In der neuen Auflage Aquarienpflaznen von Dennerle habe ich das gelesen. Das Thema Moose aus Südamerika habe ich im Forum gelesen gehabt, das Moos von Tropica Vesicularia montagneii desen Herkunftsland als Brasilien angegeben ist war das Thema glaube ich. Haben die das wahrscheinlich aus Brasilien gesammelt ?
Ich meine die Staurogyne repens haben die Pflanzensammler von denen in Brasilien gefunden und eingeführt. Könnte vielleicht ja sein das die das Moos auch von dort gesammelt haben.

MfG
Emrah
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Postby Sumpfheini » 31 Aug 2012 21:49
Hallo Emrah,

Das im Handel angebotene Riccardia chamedryfolia stammt aus Sulawesi, dort wurde es gesammelt.In der neuen Auflage Aquarienpflaznen von Dennerle habe ich das gelesen.
OK, ist schon mal interessant, aber nach allem was ich bisher über R. chamedryfolia gefunden habe, gibt es von dieser Art keine botanischen Nachweise aus Südostasien. Darum glaube ich, dass die von Sulawesi mitgebrachte vermeintliche R. chamedryfolia eine andere Art ist. Interessant wäre, wer es bestimmt hat, und wie bzw. mit welcher Literatur.
das Moos von Tropica Vesicularia montagneii desen Herkunftsland als Brasilien angegeben ist war das Thema glaube ich. Haben die das wahrscheinlich aus Brasilien gesammelt ?
Die Nr. 003A wird zur Zeit als Vesicularia dubyana 'Christmas' gelabelt: http://www.tropica.com/de/pflanzen/pfla ... x?pid=003A
und soll aus Brasilien stammen, und da wird es verwirrend.
- V. dubyana stammt aus dem trop. Asien, nicht aus Südamerika (wo es aber auch Vesicularia-Arten gibt).
- Die Bilder vom Tropica-Xmas zeigen ein dicht und regelmäßig verzweigtes Moos, Vesicularia dubyana ist eher unregelmäßig verzweigt => http://sea.nus.edu.sg/aquatic-mosses.pdf
- Der Populärname Christmas Moss wird mit dem botan. Namen V. montagnei verbunden, seit Prof. Benito C. Tan eines, das er als Christmas Moss bekam, als diese Art identifiziert hat. Andere dicht verzweigte Aquarienmoosarten mit dem gleichen Populärnamen kann man aber wohl nicht ausschließen. Vesicularia montagnei ist wie dubyana in Asien, nicht in Südamerika heimisch.
- Zitat von der Tropica-Homepage:
Eine brasilianische Moosspezialität, die ursprünglich aus japanischen Aquarien bekannt ist, wo sie "Amazonia Willow Moss'' genannt wird.
Dann ist es wahrscheinlich, dass sie es aus Japan bzw. Asien bezogen haben, zusammen mit der Info "Brasilien".
Und ich meine, ich hatte das schon mal gelesen bevor Staurogyne repens (damals als Staurogyne sp.) um 2008 herum als Aq.pflanze bekannt wurde.

Gruß
Heiko
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Postby uruguayensis » 01 Sep 2012 01:23
Hallo Heiko,
Die Vesicularia dubyana und die Vesicularia montagnei darüber ist hier ( pflanzen/Vesicularia-montagnei-Christmas-Moss-218.html ) in der Beschreibung geschrieben:

Weder V. dubyana noch V. montagnei kommen jedoch in Südamerika natürlich vor.


Heißt das also, Vesicularia dubyana und die Vesicularia montagnei kommen auch in Südamerika vor ? Oder ist dort ein Satzfehler sollte es heißen: Weder Vesicularia dubyana noch Vesicularia montagnei kommen jedoch in Südamerika natürlich nicht vor ?

Nochmals besten Dank
MfG
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Postby Sumpfheini » 01 Sep 2012 09:25
Hallo Emrah,
uruguayensis wrote:Heißt das also, Vesicularia dubyana und die Vesicularia montagnei kommen auch in Südamerika vor ? Oder ist dort ein Satzfehler sollte es heißen: Weder Vesicularia dubyana noch Vesicularia montagnei kommen jedoch in Südamerika natürlich nicht vor ?

Siehe letztes Posting von mir :smile:
"Weder ... noch..." = die beiden Arten kommen nicht in S-Amerika vor. Zumindest nach botanischer Literatur. Man muss auch immer unterscheiden zwischen im Handel / Hobby gebrauchten botanischen Namen und dem, was die Botaniker mit denselben Namen meinen, da gibt es oft wenig Übereinstimmung, bsd. bei den Moosen...

Gruß
Heiko

p.s. "Weder ... noch ... kommen in S-Amerika natürlich nicht vor" wäre doppelte Verneinung. "Natürlich" ist vielleicht missverständlich formuliert, das soll heißen "von Natur aus". Werde ich mal ändern.
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Postby uruguayensis » 01 Sep 2012 22:44
Hallo Heiko,
Ok. jetzt habe ich es verstanden, danke. Es sind andere Arten von Vesicularia in Südamerika, das ist äußerst interessant. Vielen Dank für die wertvollen Informationen über die V. dubyana, V. montagnei und das Korallenmoos Riccardia chamedryfolia.

:tnx:
MfG
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