Wissenschaftlichkeit der Aussagen

yidakini

Member
HAllo Leute,

also ich bin neu hier und auch noch neu in der Beschäftigung mit Naturaquarien, bzw. Pflanzenaquarien...
Diesbezüglich und weil ich demnächst ein 30l Aquarium einrichten will (s. Nano-Forum), hab ich angefangen im Netzt und jetzt auch hier zu stöbern. Bei der Fülle der Infos kann ich mir auch nach Stunden des Lesens noch kein rechtes Bild machen, aber das kommt sicher noch und ich hoffe hier ein gutes Forum gefunden zu haben...

Eins ist mir bisher aber irgendwie schon aufgefallen. Nicht nur hier tauchen immer wieder "Grabenkämpfe" auf, was das richtige System, die richtige Methode, die relevanten Werte, usw. sein sollen. Immer wieder werden wissenschaftliche Studien und Fach-Meinungen herangezogen, die die eigene Meinung untermauern sollen. Das ist sicherlich nicht neu für euch und lobenswerter Weise möchte ich auch hinzufügen, dass ich den Eindruck habe hier in einem sehr respektvollen und abgeklärten Forum gelandet zu sein. :lol:

Hierzu würde ich mich aber gerne mal äussern. Manche Leute betreiben einen immensen Aufwand um Zahlen und Formeln zusammenzustellen. Manche Leute bemängeln Internetwissen. So weit so gut. Aber mir drängt sich der Eindruck auf, dass man vieles davon gar nicht nachvollziehen kann. Sei es mangels Erfahrung mit dem Thema, sei es fehlender Sachverstand, etc.. Bei vielen Themen wüsste ich nicht mal, wo oder wie ich gemachte Aussagen überprüfen sollte, ohne z.B. aufwändige Testreihen selber durchzuführen. Letztlich kann ich nur glauben, oder dem scheinbar besseren Argument folgen.

Was mir aber so gar nicht einleuchten will, ist dass ziemlich viele Leute, mit offensichtlich hohem Sachverstand und vor allem Erfahrungswissen (!) nicht auch mal auf die Idee kommen, dass eben dieses Wissen Ergebnis eigener Forschung und somit Wissenschaft ist.
Wenn ich lese was für Testreihen hier gefahren werden, wie akribisch Wasserwerte und andere erfasst, strukturiert und analysiert werden, wie genau beobachtet und festgehalten wird, ja sogar veröffentlicht wird (z.B. in den Foren), dann sehe ich hier echtes wissenschaftliches Arbeiten, denn nichts anderes ist Wissenschaft. Diese Art der Hingabe an ein Hobby (für die meisten ist es ja eins) verdient meinen Respekt!!! 8)

Gerade diese "Freaks" unter euch möchte ich ermutigen sich auch mal als wissenschaftlich arbeitende Menschen zu sehen und nicht nur als unbedeutende Laien. Klar hat jeder mal was von wem anderem gelernt, aber auf dieser Basis habt ihr doch dieses Wissen für euch erweitert. Und wir anderen haben Teil an diesem Wissen.
Wenn ich dann lese: woher hast du diese Aussage, in welchem Buch steht das, etc. mag ich an der Mündigkeit mancher User zweifeln... Hallo dieses in diesem Forum zusammengetragene Wissen und die Disskusionen darum sind ma ein echt fettes Buch!!! Soll sich mal jemand die Mühe machen dieses Wissen zu strukturieren und in Buchform zu packen, was denkt ihr, was für ein dicker Wälzer das wird!

Ich hoffe meine Anerkennung wird deutlich. Ich finde es toll, dass solche Foren, wie dieses zugänglich sind. Ein echter (Wissens-)Schatz. Danke!
Ich freue mich auf endlose weitere Stunden des Stöberns und Lernens, auf interessante Foren und Diskussionen und am gelingenden Austausch zwischen WISSENSCHAFTLERN!

Klingt zwar alles sehr emphatisch, aber hey, Lob muss sein...
Bin mal gespannt wie ihr das so seht, oder ob euch das allen immerschon so klar ist und ihr einfach nicht drüber redet?

LG
Stephan
 

Tobias Coring

Administrator
Teammitglied
Hi Stephan,

leider sind eigene Beobachtungen noch lange keine wissenschaftlichen Arbeiten. Dazu gehört leider etwas mehr, um valide Aussagen zu erhalten. Da kann man noch soviel an seinem eigenen Becken testen und rumwerkeln...es wird dadurch noch keine Wissenschaft.

Es gibt festgelegte Formen, wie man z.B. ein wissenschaftliches Experiment durchführt. Du veränderst z.B. nur eine Variable und hältst alle anderen Variablen konstant. Lässt zudem eine Kontrollgruppe mitlaufen und hast am besten noch eine recht große Stichprobe, um bessere Ergebnisse im Nachhinein zu erzielen.

Die Gefahr bei dem "Rumexperimentieren" am eigenen Becken besteht immer in Scheinkorrelationen. Wir sehen eine Veränderung, jedoch haben wir nicht alle Variablen unter Kontrolle. Da wir jedoch z.B. einen Nährstoff verändert haben, gehen wir nun davon aus, dass dieser Nährstoff für unser Problem verantwortlich war. Leider war aber genau ein anderer Faktor für unseren Erfolg verantwortlich, welchen wir gar nicht erfasst hatten.

Dennoch sind praktische Erfahrungen nicht schlecht und bringen einen auch weiter. Alles in allem darf man solche Erfahrungen auch nicht überbewerten und auf die Stufe von wissenschaftlichen Testreihen stellen. Auch nicht jedes zitierte Buch kann hier gute Daten liefern ;).

Um in die Materie sehr tief einzutauchen, sind aber Fakten sehr wichtig und diese sind leider in dem Bereich Aquaristik recht sparsam verteilt.

Daher stützen sich viele Aussagen auf eben sogenanntes Halbwissen, welches sich irgendwann mal in einem Forum oder sonstwo herausgebildet hat. Einer fängt dann mit so einer Behauptung an und viele ziehen mit... so entstehen dann schnell "Mythen und Legenden", welche sich hartnäckig halten.
 

nik

Moderator
Teammitglied
Hi Stephan,

dem kann ich nur noch hinzuzufügen, dass es sich dem Ziel, ein schönes Becken nach persönlichem Geschmack hinzustellen, unterordnet. Die theoretische Diskussion bleibt Mittel zum Zweck.

Gruß, Nik
 

Hannes85

Member
Mir macht es auch großen Spass hier zu fragen, zu zeigen usw...

Oft kommt man etwas zwischen die Räder, oder es fühlt sich jemand auf den Schlips getreten... Das liegt aber auch dran, dass manche (wie ich) sich einfach noch nicht lange mit Foren beschäftigen und somit das ein, oder andere No-No mmachen...

Es gibt nur sehr wenige Aqarianer oder Aquadesigner :D , die ihr Hobby zur Wissenschaft machen wollen. Die Gestaltung liegt im Vordergrund (zumindest bei mir), alles andere soll so einfach wie möglich sein und vor allem "funktionieren".

Die eigenen Erfahrungen gelten eben immer nur fürs eigene Becken. Also das Buch oder die Fachzeitung auf dem Nachttisch sind unerlässlich um etwas allgemeinere Aussagen zu bekommen. Man sollte sich eben den Autoren nach seinen Aquarien aussuchen :D

Beispiel:
Wenn jemand sein Becken schon 10 Jahre laufen hat, ohne Prbleme und dann den Dünger umstellt und Algen hat, dann kann er natürlich Aussagen machen.

Grüße

Hannes
 

yidakini

Member
Jo, das ist ja mal was... :p
Toll, dass ihr euch hier so äußert...!!!

Also ihr habt natürlich Recht, insbesondere was den Spass am Gestalten angeht und natürlich sind naturwissenschaftliche Untersuchungen, die den Anspruch hoher Validität haben, von vielen nicht zu leisten.
Ich komme aber aus der Sozialwissenschaft und da kennen wir schon lange die sog. Praxis- und Handlungsforschung. OK, man kann die unterschiedlichen Konzepte (harte Naturwissenschaft, weiche geisteswissenschaften) vielleicht nicht miteinander vergleichen, aber jeder, der immer wieder in seinem beschränkten Handlungsraum (eigene Aq's) Daten sammelt und auswertet, kleinere Experimente macht, etc. handelt doch trotzdem nach den Wissenschaften, ohne natürlich den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Na ja, es ist ja auch schon mal deutlich geworden, wie komplex offensichtlich die Aquaristik ist und wie vielfältig die einzelnen Parameter zueinander sind, deshalb und das wird hier ja auch häufig betont, muss man sich sicherlich auf sein eigenes kleines System beschränken und dort versuchen, die Sache in den Griff zu kriegen.
Aber ich denke dazu ist eben auch der Austausch mit anderen wichtig, damit sich vielleicht irgendwann mal ein besseres Verständnis einstellt...
Also ich hoffe weiterhin auf eure und eigene Erfahrungen... (heut ist mein 30l Becken gekommen :lol: , aber die Röhre funktioniert nicht :oops: )

Bis denne
Stephan
 

flo

Member
Hi,

ich finde, Pflanzenaquaristik ist keine Wissenschaft. ;)

Ich mache das, weil es mir Spaß macht etwas zu schaffen, was quasi ein Lebewesen, Ökosystem und Kunstwerk zugleich ist. Desweiteren bin ich ja auch nur bedingt in der Lage, dieses System in eine bestimmte Richtung zu lenken, denn ich kann es niemals so extrem kontrollieren, dass es exakt das macht, was ich will.

Wie Tobi schon gesagt hat, wenn man an zwei, drei Becken zu Hause rumspielt ist das noch keine Wissenschaft.
Klar, man macht ein paar Erfahrungen und kann das so ein bisschen theoretisch mal ergründen, aber das ist trotzdem meist noch relativ vage und nicht unbedingt immer zu verallgemeinern.

Ich glaube auch nicht, dass dieses Hobby jetzt wertvoller wird, wenn ich es als Wissenschaft ansehe.

Im Grunde sind wir auch deutlich näher am Gärtner, als am Botaniker :D .

Ich glaube es sind auch viele Dinge längst besser verstanden, ohne dass wir davon unbedingt Kenntnis besitzen.

Wissenschaftliche Experimente müssen bis ins letzte Detail klar protokolliert und vor allem reproduzierbar sein. Und absolut reproduzierbare Bedingungen haben die wenigsten am Heimaquarium durchgeführten "Versuche".

Und wie Tobi schon sagte, es entstehen oft Mythen und Legenden.

Z.B. die magische 20 ppm CO2-Regel, die besagt, dass mehr CO2 akut toxisch sei für Fische.
Oder feste Grenzen beim Nitrit-Wert die wie Dogmen verteidigt werden, ohne zu berücksichtigen, dass die Toxizität von Nitrit z.B. auch erheblich vom Salzgehalt im Wasser abhängt.
Es gibt noch 100 andere Beispiele, aber die kennst du sicherlich selbst.

Gruß, Flo
 
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