Tubifex

Member
Hallo liebe Flowgrowers!

Diesmal soll von Beginn weg das Ausgangswasser für mein neues Aquarium in dem von ADA empfohlenen Härtegradbereich liegen.

Im Naturaquarium mit ADA-Soil-Bodengrund sei der ideale Gesamthärtegrad (engl. total hardness, TH) bei 20-50 mg/l. Übersteige er 100 mg/l, werde das Wachstum von Wasserpflanzen beeinträchtigt. Diese Information habe ich aus dem ADA - AQUA JOURNAL - NATURE AQUARIUM NOTES #9 entnommen. Tatsächlich bewegen sich die meisten Aquascapes von Takashi Amano in diesem Härtegradbereich; gewisse Aquascapes von ihm weisen sogar nur einen Gesamthärtegrad von 10 mg/l auf.

Auf der Webseite von Aquasabi im Aquascaping Wiki unter "Soil und hartes Leitungswasser" ist das so erklärt, dass TH 20 mg/l etwa 1,12°dgH entspräche. Dies aus einer Wasseranalyse aus Niigata mit dem Vermerk zur Quelle Sayuri Amano.

Wenn ich aber mittels dem Flowgrow-Nährstoffrecher rechne, komme ich auf 3,3°dgH bei einem TH von 20,01 mg/l; also drei mal mehr als die 1,12°dgH! Kann mir da vielleicht jemand von Euch weiterhelfen? Mache ich einen Überlegungsfehler? Die Gesamthärte in mg/l ist doch einfach Ca in mg/l und Mg in mg/l zusammengezählt; oder nicht?

Beispiel:

DRAK - Duradrakon KH+
0.197 g auf 10 l

SaltyShrimp - Bee Shrimp Mineral GH+
0.812 g auf 10 l

Kalium (K+)
3,96  mg/l

Calcium (Ca)
14,52  mg/l

Magnesium (Mg)
5,49  mg/l

Natrium (Na)
4,24  mg/l

Sulfat (SO4)
13,73  mg/l

Gesamthärtegrad (Ca mg/l + Mg mg/l)
20,01 mg/l


+ 0,7°dKH
Karbonathärte

(0,13°dKH aus CO3; 0,57°dKH aus HCO3)

+ 3,3°dGH
Gesamthärte

(2,03°dGH aus Ca; 1,26°dGH aus Mg)


Schon mal lieben Dank, für Eure Zeit und's Licht ins Dunkle bringen!

Liebe Grüsse
Diego
 
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Wuestenrose

Well-Known Member
'N Abend Diego…

:cool: ! Ist alles ein wenig komplizierter.

Die moderne Definition der deutschen Gesamthärte lautet: 1 Grad deutscher Gesamthärte ist die mit 5,6 multiplizierte Stoffmengenkonzentration (Molarität in mmol/l) der Härte-Ionen, üblicherweise Ca2+ und Mg2+, c(Ca2+ + Mg2+) × 5,6.

Woher kommt der Faktor 5,6? Die alte Definition lautete: 1 Grad deutscher Gesamthärte ist die auf 10 mg CaO pro Liter umgerechnete Konzentration der Härtebildner. CaO besitzt eine Molekülmasse von 56 (56,0774), der Umrechnungsfaktor ist also 56/10 = 5,6.

"Total Hardness", TH, amerikanische Härteangabe, ist die auf mg CaCO3 pro Liter umgerechnete Stoffmengenkonzentration der Härtebildner. CaCO3 besitzt praktischerweise eine Molekülmasse von 100 (100,0869), also entspricht 1 ppm (≙ mg/l) TH 5,6/100 = 0,056 °dGH.

Ich stimme ADA nicht zu, daß bei einer TH über 100 ppm (≙ 5,6 °dGH) der Pflanzenwuchs beeinträchtigt wäre. Sofern die GH im Rahmen bleibt, ist sie den Pflanzen egal. Im Gegenteil benötigen die (meisten, von Spezialisten abgesehen) Pflanzen einen gewissen Grundsalzgehalt (Salz nicht als Kochsalz, sondern als Ionen zu verstehen) und da ist 5,6 °dGH nicht die oberste Grenze, die ich eher bei 20 °dGH oder so ansetze.

Den (meisten) Pflanzen ist eine niedrige Karbonathärte viel wichtiger. Warum? Zwei Gründe:

Womit wir bei Hückstedts Einheitswasser angelangt wären. Wie sich der Kreis doch schließt…

HTH,
Robert
 
Zuletzt bearbeitet:

Tubifex

Member
Guten Morgen Robert!

Ist ja voll krass! Vielen Dank für die sehr ausführliche Erklärung!
Demnach ist also TH 1 ppm (mg/l) ≈ 0.056°dGH und 1°dGH ≈ TH 17.85 ppm (mg/l)

Ein paar Sachen sind mir aber noch nicht ganz klar. Das liegt aber an meinem unzureichenden Chemieverständnis.

"...1 Grad deutscher Gesamthärte ist die auf 10 mg CaO pro Liter umgerechnete Konzentration der Härtebildner..."

CaO ist doch Calciumoxid? Wo ist dann das Magnesium? Die Gesamthärte ist doch immer eine Form von Calcium und Magnesium verrechnet mit Faktoren; nicht? Calciumcarbonat (CaCO2) + Magnesiumcarbonat (MgCO3), Calciumionen (Ca2+) + Magnesiumionen (Mg2+)

Was ich auch nicht schnalle, im Japanischen Wikipedia steht (habe das nur schnell mit dem Google-Tranlator Übersetzt): "Härte (mg/l) ≈ Calciumkonzentration in mg/l x 2,5 + Magnesiumkonzentration in mg/l x 4,1" o_O

Also nochmals vielen Dank für Deine Mühe und's Weiterhelfen! Den entscheidenden Punkt habe ich verstanden.

Lieber Gruss
Diego
 

Wuestenrose

Well-Known Member
Hallo Diego,

bei der deutschen Härte ist (war) CaO nur das Normal, auf das sich die Gradangabe bezieht, wie CaCO3 das Normal der TH ist. Bei der meßtechnischen Bestimmung der Härte werden natürlich Calcium und Magnesium (und die anderen Erdalkalien auch) erfasst.

Offiziell wird die Gesamthärte nur noch als Molarität in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben. So findest Du das auch auf der Trinkwasseranalyse Deines Versorgers. Oft werden auch noch die Grad angegeben, das ist dann, wie gezeigt, die Molarität multipliziert mit 5,6.

Wenn die Massenkonzentration β von Calcium und Magnesium angegeben ist, kannst Du nachrechnen, ob Dein Versorger richtig gerechnet hat. Calcium besitzt eine Atommasse von 40 (40,078), Magnesium eine von 24,305. Also ist die Gesamtmolarität βCa/40 + βMg/24,305.

Was ich auch nicht schnalle, im Japanischen Wikipedia steht (habe das nur schnell mit dem Google-Tranlator Übersetzt): "Härte (mg/l) ≈ Calciumkonzentration in mg/l x 2,5 + Magnesiumkonzentration in mg/l x 4,1" o_O

Wie geschrieben, ist das Normal der TH das CaCO3 mit einer Molekülmasse von 100. Also errechnet sich die TH aus den Massenkonzentrationen von Calcium und Magnesium zu βCa × (100/40) + βMg × (100/24,305).


Viele Grüße
Robert
 

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