Geschlechtsumwandlung bei A. Cacatuides

G.Fahje

New Member
Moin,
ich pflege seit vielen Jahren ein bepflanztes Diskusaquarium mit 490 Liter Volumen.
Wasserwerte KH 5, Ph 6,7.
Als Beifische habe ich vor 9 Monaten eine kleine Gruppe(2/4) Apistogramma Cacatuides hinzu gesetzt.
Nach kurzer Zeit leuchteten alle 4 Weibchen zitronengelb und man konnte bei allen stecknadelkopfgroße Jungfische erkennen.
Leider verschwanden diese nach ein paar Tagen, wahrscheinlich, in den Mägen der Diskusfische.
Vor ein paar Wochen stellte ich fest, nachdem eines der Männchen verstorben war, dass 2 Weibchen anfingen wieder zu wachsen.
Sie bildeten ihre Beflossung um und nahmen Form, Färbung, Größe und Verhalten von Männchen an.
Mittlerweile haben sich alle Weibchen umgeformt und sind kaum noch vom alten Männchen zu unterscheiden.
Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich daran zweifeln.
Nun meine Fragen:
Gibt es ähnliche Erfahrungen?
Gibt es eine Erklärung für dieses Phänomän?
Freue mich über viele Antworten.
Schöne Grüße
Günther
 

Notho

New Member
Hallo,

ich würde mal vermuten, dass die "neuen" Männchen schon immer welche waren...
Nur eben unterdrückt.

Jens
 

Peter47

Member
Habe von Geschlechtsumwandlung bei Clownfischen (Korallenriff) gehört. Ganz abwegig ist's also nicht.
 

kawendler

New Member
Hallo Günther,

das ist bei mir auch schon vorgekommen.
Ebenfalls bei einem A. Cacatuoides Weibchen, dass erst Junge nachgezogen hat und sich später zumindest optisch, in ein Männchen verwandelt hat.
Bei A. Nijsseni, Borelli und Agassizii, kam das zumindest bei mir nicht vor.
Eine Erklärung habe ich leider nicht.

Die Geschlechtsumwandlung bei Clownfischen, hab ich neulich auch im Fernsehen gesehen.
 

G.Fahje

New Member
Hallo Jens, wenn es unterdrückte Männchen wären, hätten sie wohl keine Jungfische bekommen.
Es waren 100 % Weibchen.
Ob es jetzt zeugungsfähige Männchen sind, werde ich nicht testen können, da ich keine weiteren Fische in das Becken setzen möchte, um keine Krankheiten einzuschleppen.
Danke für die bisherigen Antworten.
Schöne Grüße
Günther
 

Notho

New Member
Hallo Günther,

Tschuldigung, ja stimmt, Du hattest ja geschrieben dass alle Weibchen (optisch) zu Männchen wurden.
Überlesen... :confused:

Jens
 

G.Fahje

New Member
Hey Jens, alles gut.
hab aber schon mal mehr erfahren, als in anderen Foren.
Danke schon mal für die Antworten.
Günther
 

moskal

Well-Known Member
Hallo,

bei Uaru amphiacanthoides hatte ich mal ein Pärchen von dem man optisch auch geglaubt hätte, daß es zwei Geschlechter umfasst, es waren aber zwei Weibchen die ständig Gelege produzierten. Das hat für ordentlich Unruhe gesorgt. Obwohl nichts dabei rauskam hat sich der eine Fisch wie ein Männchen und der andere wie ein Weibchen verhalten. Im Aquarium konnten einfach zwei Reviere gebildet werden und es gab nur ein Männchen. Bei den Fischen in denen die meist kleineren weiblichen Fische zusammen mit kleinen Männchen Gruppen bilden die von einem größeren, meist männlichen Fisch dominiert werden geht es ja nicht nur um Fortpflanzung sondern auch ums einfache Chef sein mit allen Vorteilen was das mit sich bringt, wie erster am Futter sein, nicht rumgescheucht werden.... Ich schätze das passiert mit den zwergen im Moment auch, ein weiblicher Fisch wird die Dominanzlücke schließen. Ich vermute, daß nicht unterdrückte Weibchen immer wie Männchen aussehen und die Färbung und Beflossung gar nicht primär mit dem Geschlecht sondern mit Stress zusammenhängen.

Bei den Clownfischen passiert zwar was die Dominanz betrifft das selbe aber unter anderen Geschlechtsvorzeichen. Die Männchen mit ihren XY Chromosomen erweitern diese auf die weiblichen XX. Anders rum wäre das Degeneration, das kann ich mir nicht vorstellen.

Gruß
Helmut
 

G.Fahje

New Member
Moin Helmut.
Bei Diskusfischen hatte ich auch schon mal ein "Pärchen", bestehend aus 2 Weibchen.
Sie legten regelmäßig gemeinsam Eier und eines verhielt sich wie ein Männchen.
Auch nachdem ich einige Männchen hinzu gesetzt habe, blieben die Weibchen zusammen.
Bei den Kakadus sind die Tiere mittlerweile nicht mehr zu unterscheiden.
Ich werde mal versuchen ein Tier heraus zu fangen und mit einem neuen Weibchen vergesellschafften.
Mal sehen, was passiert.
Schöne Grüße
Günther
 

moskal

Well-Known Member
Hallo Günter,
Auch nachdem ich einige Männchen hinzu gesetzt habe, blieben die Weibchen zusammen.
das konnte ich bei solchen Kloppern wie Uarus nicht testen.
Wie gesagt, das was ich geschrieben hatte ist eine Vermutung. Bitte berichte wie das weiterläuft.

Gruß
Helmut
 
bei Fischen gibt es alles:

Das Geschlechtsbestimmungssystem der Säugetiere oder Vögel ist weitgehend
konserviert. SRY stellt seit mehr als 130 Millionen Jahren das geschlechtsbestimmende
Gen der Säugetiere (Theria) dar [Marshall Graves, 2002; Volff et al., 2007]. Im
Gegensatz dazu sind die Geschlechtsbestimmungssysteme und
Geschlechtsbestimmungsmechanismen in Fischen vielgestaltig, sehr variabel und evolutiv
gesehen kaum konserviert. Sämtliche Formen von Hermaphroditismus und
Gonochorismus wurden beschrieben. Bei der genetischen Geschlechtsbestimmung
wurden männliche und weibliche Heterogamien (XX/XY und ZZ/ZW-Systeme)
identifiziert, teilweise mit autosomalem Einfluss oder gänzlich polyfaktoriell. In anderen
Arten ist die Geschlechtsbestimmung von der Umgebung abhängig. Dabei können
Temperatur und pH-Wert genauso eine Rolle spielen wie soziale Faktoren [Baroiller und
D ?Cotta, 2001, Volff et al., 2007].

Wenn man davon ausgeht, dass man Fische hat, auf die das Modell "soziale Auslöser zutrifft, ist alles Mögliche möglich ( unten ein Copypaste aus Spektrum der Wissenschaft):

Soziale Auslöser

Während bei den temperaturbestimmten Arten das einmal festgelegte Geschlecht sich nicht mehr ändert, treten bei Tieren, deren Sexualität sich aus der sozialen Konstellation ergibt, wieder völlig andere Muster auf. Sie machen die andere Hauptgruppe von Wirbeltieren aus, deren Geschlecht nicht chromosomal vorgegeben ist.

Auf sie paßt das vorn vorgestellte Organisationsschema schon gar nicht. Meistens sind sie Zwitter, haben also sowohl männliche wie weibliche Gonaden. Welche Geschlechtsrolle ein Individuum dann jeweils übernimmt, hängt von Umwelt-Stimuli ab. Allerdings sind verschiedene Aspekte die gleichen wie bei warmblütigen Tieren.

Bestimmte Fische, die in diese Gruppe fallen, sind dennoch niemals simultan zwittrig. Zwar wechseln sie das Geschlecht im Laufe des Lebens, sind aber zu einem gegebenen Zeitpunkt nur entweder maskulin oder feminin; gewisse Anemonenfische zum Beispiel bleiben von Geburt an zunächst Männchen und wandeln sich später zu Weibchen um. Gerade umgekehrt verhält es sich bei einigen anderen Korallenfischen. Die Tiere brauchen zur Geschlechtsumwandlung einen sozialen Auslöser. Solch ein Einschnitt kann gegeben sein, wenn ein dominantes Tier – je nachdem Männchen oder Weibchen – verschwindet.

Doch es gibt auch Fische, die zugleich männlich und weiblich sind. Deren Gonaden enthalten sowohl Ovarien- als auch Hodengewebe. Sie befruchten aber praktisch niemals sich selbst, sondern paaren sich nach wie vor mit anderen Artgenossen. Dies mag ihnen den mutmaßlich entscheidenden Vorteil bewahren, den eine zweigeschlechtliche Fortpflanzung bietet: genetische Vielfalt. Wie Eric A. Fischer beobachtete, als er an der Universität von Washington in Seattle forschte, tauschen die Brutpaare eines bestimmten Zackenbarsches bei jeder neuen Paarung die Rollen (Bild 3 rechts).

Wie mögen die Fische der ersten, nicht simultan zwittrigen Gruppe ihr Geschlecht wechseln? Nach einer einschneidenden Änderung der sozialen Situation, etwa wenn ein beherrschendes Tier verschwindet oder die Gesamtzahl an Individuen sich drastisch ändert, geschieht dies unter Umständen in Minutenschnelle: Ein Tier, das eben noch als Weibchen herumschwamm, balzt fortan wie ein Männchen. Ein derartig rascher Umschlag kann eigentlich nur von Gehirnsignalen ausgehen.

 

Peter47

Member
Hallo Sonja,

sehr interessant, wenn es auch ein bisserl schwer zu lesen ist (aber für nichts gibt es halt auch nichts)! Danke!

Grüße

Peter
 
tja, also ich wusste es auch nicht vorher (hab nicht Bio studiert, aber sozusagen was Verwandtes). Aber eine Internetrecherche ergab eben das, und mir erschienen die Quellen glaubwürdig (eine veröffentlichte Diss und eben SdW).
Krass, wie wäre das wenn wir das auch könnten? Der König ist tot, ich werd mal eben zum König - eben war ich noch die Prinzessin, aber davon hat es schon zu viele ;)
 
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