Elhazar
Member
Hallo alle zusammen,
ich möchte euch eine Methode vorstellen, mit der es ohne Laborarbeit oder Gewebekultur möglich ist zielgerichtet neue Kultivare von Zweikeimblättrigen Pflanzen zu erzeugen. Diese Methode is demonstiert mit der Erzeugung drei neuer Kultivare in Hygrophila difformis (zwei panaschierte und ein hyperhydrider) und einem panaschierten in Hygrophila triflora. Die Methode basiert darauf, dass sich Kallusgewebe an den Blattstengeln abschnitter Blätter bildet, aus welchen sich Pflänzchen selbstständig regenerieren, jedoch mit einer hohen Mutationsrate. Aus den Pflänzchen werden die Kultivare ausgelesen.
Abbildung 1: Hygrophila triflora 'Pink-Rot-Weiß-Grün'. Beispiel für einen zielgerichtet erzeugten Kultivar.
Hobbyisten sind stehts auf der Suche nach neuen Pflanzen und deren Kultivaren, jedoch sind trotz massiven Interesse viele Neuheiten Zufallsfunde und nur selten das Resultat zielgerichtet Arbeit. Gewebekultur-Technicken wie Protoplastenfusion, Mutagenese mit Mutagenen oder Mikro-Veredelung zur Erzeugung von Chimären ist für den Hobbyisten ein großer Aufwand und stellt eine erhebliche Hürde zur Entwicklung neuer Kultivare dar.
Manche Aquaristen haben bestimmt schonmal gesehen, wie ein abgeschnittes Blatt plötzlich eine Wurzel wachsen lässt oder gar Austreibt? Auf den zweiten Blick sollte jedoch ersichtlicht werden, dass ein Blatt kein Seitentriebspitzen hat, daher eigentlich nicht austrieben sollte, wie kann das also sein?
Abbildung 2: Triebe und Wurzeln an einem abgeschnitten Blatt Hygrophila balsamica.
'Kallus' ist der Name des Wundgewebe von Pflanzen. Es ist im Allgemeinen eine Mischung aus Parenchym und Stammzellen, und hat die Fähigkeit sich in verschiene Gewebetypen zu entwicklen. In meinem Falls bin ich intertessiert in der spontanen Entwicklung von Triebspitzen-Meristem, welches dann wächst und Triebe ausbildet. Dies ist der Mechanismus, mit denen Blätter sprießen können. Allerdings haben nur Zweikeimblättrige Pflanzen Zellen, aus denen Kallus gebildet werden kann.
Abbildung 3: Stauroygne Repens Blattstiehl, Kallus und Trieb. x80 Mikroskopbild. Der Kallus sind the weißen Knorpel am Ende des grünen Blattstiehls.
Zur systematischen Erzeugung lasse ich möglichst große, abgeschnitte Blätter in einem 60x30x30 cm mit Glass abgedeckten Aquarium in ca 3 cm Wasser treiben. Alle 3-4 Tage gieße ca 0.5 Liter Sprudelwasser als CO2 Quelle hinzu. Beleuchtet wird es mit einer alten Chirhiros RGB 45cm auf Stufe 4/7. Erste Kallus sind nach ca einer Woche sichtbar, manchmal auch erste erzeugte Wurzeln. Triebe dauern meist 2-3 Wochen. Mutationen erschienen meist als Sektorielle Chimären, d.h. Kuchenstück-artig und eventuell braucht es 3-4 Knoten bis diese sichtbar sind.
Abbildung 4: Setup. Leicht gefüllt mit Hygrophila Balsamica, Lysimachia parviflora, Hygrophila triflora, Hygrophila polysperma 'brown'
Es braucht etwa ein paar hundert erzeugte Pflänzchen, bis ein erste Panaschierung Auftaucht. Z.B. Hygrophila difformis macht leicht ~5 Triebe per Blatt, d.h. ein oder zwei mal mein setup voll ist genug. Ich habe mit zwei Bund Hygrophila diffiormis aus dem Fachhandel Mitte September 2025 gestartet und die erste panaschierte Mutante am 16. Oktober 2025 gefunden. Zwei weitere in dem nächsten Monat.
Abbildung 5: Panaschierte Sektoren in Trieben von Hygrophila difformis. Rechts: Erste Mutation, diese stellte sich aber als nicht stabilsierbar heraus, drei Tage nach Entdeckung. Links: Dritte Mutation, reinweiße Panaschierung. Am Entdeckungstag, ins Aquarium rübergesetzt.
Diese Mutationen werden über Selektrieren von Seitentrieben isoliert, um den Kultivar zu stabilisieren. Dies hat etwa 1-2 Monate gedauert. Es ist empfehlenswert, M. H. Frank and D H. Chitwood Review Artikel 'Plant chimeras: The good, the bad, and the ‘Bizzaria’, zu lesen, wer mehr darüber lernen möchte,
Abbildung 6: Hygrophila difformis 'Schneeflocke'. Reinweiß panaschierter Kultivar. Selektiert aus dem Trieb in Abb. 5 rechts. Dieser Kultivar ist leider nicht vollständig stabil.
Abbildung 7: Hygrophila difformis 'Delme Monster'. Unter Licht bleichen die Flecken von grünlich auf ein helles gelb-grün über einem Zeitraum von ein paar Tagen. Dieser Kultivar ist stabil.
Abbilding 8: Hyperhydrider Trieb Hygrophila difformis, mit kleinen, dunkelgrünen und durchsichtigen Blättern, Diese Missbildung ist keine echte Mutation, ist aber stabil. Z.b. Hygrophila pinndatida 'Crystal' ist auch eine Hyperhydride Missbildung.
Mit Freundlichen Grüßen,
Sam
Edit: Link war kaputt, repariert
ich möchte euch eine Methode vorstellen, mit der es ohne Laborarbeit oder Gewebekultur möglich ist zielgerichtet neue Kultivare von Zweikeimblättrigen Pflanzen zu erzeugen. Diese Methode is demonstiert mit der Erzeugung drei neuer Kultivare in Hygrophila difformis (zwei panaschierte und ein hyperhydrider) und einem panaschierten in Hygrophila triflora. Die Methode basiert darauf, dass sich Kallusgewebe an den Blattstengeln abschnitter Blätter bildet, aus welchen sich Pflänzchen selbstständig regenerieren, jedoch mit einer hohen Mutationsrate. Aus den Pflänzchen werden die Kultivare ausgelesen.
Abbildung 1: Hygrophila triflora 'Pink-Rot-Weiß-Grün'. Beispiel für einen zielgerichtet erzeugten Kultivar.
Hobbyisten sind stehts auf der Suche nach neuen Pflanzen und deren Kultivaren, jedoch sind trotz massiven Interesse viele Neuheiten Zufallsfunde und nur selten das Resultat zielgerichtet Arbeit. Gewebekultur-Technicken wie Protoplastenfusion, Mutagenese mit Mutagenen oder Mikro-Veredelung zur Erzeugung von Chimären ist für den Hobbyisten ein großer Aufwand und stellt eine erhebliche Hürde zur Entwicklung neuer Kultivare dar.
Manche Aquaristen haben bestimmt schonmal gesehen, wie ein abgeschnittes Blatt plötzlich eine Wurzel wachsen lässt oder gar Austreibt? Auf den zweiten Blick sollte jedoch ersichtlicht werden, dass ein Blatt kein Seitentriebspitzen hat, daher eigentlich nicht austrieben sollte, wie kann das also sein?
Abbildung 2: Triebe und Wurzeln an einem abgeschnitten Blatt Hygrophila balsamica.
'Kallus' ist der Name des Wundgewebe von Pflanzen. Es ist im Allgemeinen eine Mischung aus Parenchym und Stammzellen, und hat die Fähigkeit sich in verschiene Gewebetypen zu entwicklen. In meinem Falls bin ich intertessiert in der spontanen Entwicklung von Triebspitzen-Meristem, welches dann wächst und Triebe ausbildet. Dies ist der Mechanismus, mit denen Blätter sprießen können. Allerdings haben nur Zweikeimblättrige Pflanzen Zellen, aus denen Kallus gebildet werden kann.
Abbildung 3: Stauroygne Repens Blattstiehl, Kallus und Trieb. x80 Mikroskopbild. Der Kallus sind the weißen Knorpel am Ende des grünen Blattstiehls.
Zur systematischen Erzeugung lasse ich möglichst große, abgeschnitte Blätter in einem 60x30x30 cm mit Glass abgedeckten Aquarium in ca 3 cm Wasser treiben. Alle 3-4 Tage gieße ca 0.5 Liter Sprudelwasser als CO2 Quelle hinzu. Beleuchtet wird es mit einer alten Chirhiros RGB 45cm auf Stufe 4/7. Erste Kallus sind nach ca einer Woche sichtbar, manchmal auch erste erzeugte Wurzeln. Triebe dauern meist 2-3 Wochen. Mutationen erschienen meist als Sektorielle Chimären, d.h. Kuchenstück-artig und eventuell braucht es 3-4 Knoten bis diese sichtbar sind.
Abbildung 4: Setup. Leicht gefüllt mit Hygrophila Balsamica, Lysimachia parviflora, Hygrophila triflora, Hygrophila polysperma 'brown'
Es braucht etwa ein paar hundert erzeugte Pflänzchen, bis ein erste Panaschierung Auftaucht. Z.B. Hygrophila difformis macht leicht ~5 Triebe per Blatt, d.h. ein oder zwei mal mein setup voll ist genug. Ich habe mit zwei Bund Hygrophila diffiormis aus dem Fachhandel Mitte September 2025 gestartet und die erste panaschierte Mutante am 16. Oktober 2025 gefunden. Zwei weitere in dem nächsten Monat.
Abbildung 5: Panaschierte Sektoren in Trieben von Hygrophila difformis. Rechts: Erste Mutation, diese stellte sich aber als nicht stabilsierbar heraus, drei Tage nach Entdeckung. Links: Dritte Mutation, reinweiße Panaschierung. Am Entdeckungstag, ins Aquarium rübergesetzt.
Diese Mutationen werden über Selektrieren von Seitentrieben isoliert, um den Kultivar zu stabilisieren. Dies hat etwa 1-2 Monate gedauert. Es ist empfehlenswert, M. H. Frank and D H. Chitwood Review Artikel 'Plant chimeras: The good, the bad, and the ‘Bizzaria’, zu lesen, wer mehr darüber lernen möchte,
Abbildung 6: Hygrophila difformis 'Schneeflocke'. Reinweiß panaschierter Kultivar. Selektiert aus dem Trieb in Abb. 5 rechts. Dieser Kultivar ist leider nicht vollständig stabil.
Abbildung 7: Hygrophila difformis 'Delme Monster'. Unter Licht bleichen die Flecken von grünlich auf ein helles gelb-grün über einem Zeitraum von ein paar Tagen. Dieser Kultivar ist stabil.
Abbilding 8: Hyperhydrider Trieb Hygrophila difformis, mit kleinen, dunkelgrünen und durchsichtigen Blättern, Diese Missbildung ist keine echte Mutation, ist aber stabil. Z.b. Hygrophila pinndatida 'Crystal' ist auch eine Hyperhydride Missbildung.
Mit Freundlichen Grüßen,
Sam
Edit: Link war kaputt, repariert
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