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Beitragvon Bratfisch » 14 Nov 2009 19:17
Hallo Nik.

nik hat geschrieben:Häufig wird hoher O2-Gehalt(-> hohes Redoxpotenzial) mit Nährstofffällungen in Verbindung gebracht. Ich hatte das auch im Hinterkopf - aber dann dazu ein Becken in Betrieb, welches mit absurd hohen O2-Gehalten, idR ständig jenseits der Sättigungsgrenze lief und ich zermarterte mir lange, lange den Kopf, warum das trotzdem so gut funktionierte. Heute mach ich mir keinen Kopf mehr, die übliche Chelatierung hält, speziell Fe, ausgezeichnet verfügbar. Das Becken war mit minimiertem Filtersubstrat, aber auch wenig Strömung.


Es gibt da zwei unterschiedliche Arten von "Verfügbarkeit". Einmal eine als "Vorhaltung" zu bezeichnende, welche über künstliche Chelatoren (EDTA u. a.) arbeitet und einmal eine per tatsächlich ausgefallenen SEs, echter Löslichkeit des Ions ... und einer vieleicht über natürliche Komplexierungen per Humin- und Fulvostoffen funktionierende.

Andreas Kremser hat es hier nochmal zusammengefasst:

Per künstlicher Chelatoren "in Lösung" gehaltene SEs sind für Pflanzen nicht verfügbar.

Ein perfekter Chelator welcher jedem Angriff aus der Ecke der Wasserchemie, der Mikroflora oder bestimmter physikalischer Paramter (Licht) widersteht, ist ein auf ewig verschlossener Tresor vor den Mäulern des Gemüses.

"Verfügbarkeit" über künstliche Chelatoren würde ich deshalb als "Verfügbarkeit zweiter Ordnung" und die echte Verfügbarkeit über tatsächlich ausgefallene SEs, eine echte ionische Lösung des SE-Ions und vieleicht eine Komplexierung über natürliche Komplexbildner, als "Verfügbarkeit erster Ordnung" bezeichnen.

"Verfügbarkeit" über künstliche Chelatoren ist also als nichts anderes als lediglich millionenfach im Wasser treibende "Nanodosierpumpen" zu sehen welche nur bedingt vom Beckenbetreiber, jedoch hauptsächlich recht eigenständig / eigenwillig vom jeweiligen Sytem über Faktoren wie Bakterienaufschluß und Licht (und Redoxpotential?) bedient werden.

Ich weiß nicht wie die künstlichen Chelatoren auf absurd hohe O²-Gehalte reagieren aber in Verbindung mit einer guten Umwälzung wird es vieleicht dazu beigetragen haben Eisen bzw. andere SEs vermehrt aus den Chelatoren zu lösen und ausfallen zu lassen, womit sie dann über die Blattoberflächen verfügbar wären. Die Düngung von Fe über Eisengluconat scheint vieleicht aus diesem Grund so effektiv zu sein. Einerseits wegen der echten Löslichkeit des Ions, andererseits über feinste Ausfällungen welche wiederum von den Pflanzen mobilisiert werden können.

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Ingo
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Beitragvon Bratfisch » 14 Nov 2009 20:03
Bratfisch hat geschrieben:Ich weiß nicht wie die künstlichen Chelatoren auf absurd hohe O²-Gehalte reagieren aber in Verbindung mit einer guten Umwälzung [...]


edit: "und einer kräftigen Beleuchtung"

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Ingo
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Beitragvon Tobias Coring » 14 Nov 2009 20:07
Hi,

also Ingo hat das sehr trefflich wiedergegeben:

"Verfügbarkeit" über künstliche Chelatoren ist also als nichts anderes als lediglich millionenfach im Wasser treibende "Nanodosierpumpen" zu sehen welche nur bedingt vom Beckenbetreiber, jedoch hauptsächlich recht eigenständig / eigenwillig vom jeweiligen Sytem über Faktoren wie Bakterienaufschluß und Licht (und Redoxpotential?) bedient werden.


Aus diesem Grund funktionieren bei einigen die organisch stabilisierten Dünger sehr viel besser => sehr viel mehr SE für die Pflanzen. Auch sehr gut zu beobachten, dass diese Personen vorrangig eine sehr schwache Filterung betreiben und daher die synth. Stabilisatoren schwerer durch den Filter geknackt werden.
Bei den organisch stabilisierten knacken die Bakterien usw. viel schneller die Verbindungen und genug Eisen usw. steht bereit.
Herzliche Grüße aus Braunschweig,

Tobias

Bitte sendet mir keine geschäftlichen Anfragen als private Nachricht.
Gerne helfen wir dir telefonisch unter +49 531 2086358 (Mo.–Fr. 9–17 Uhr) oder per E-Mail unter huhu@aquasabi.de weiter.

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Beitragvon flo » 14 Nov 2009 23:32
Hi,

hat sich schon mal jemand selbst einen Eisengluconat-Dünger hergestellt ?


lg, Flo
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Beitragvon Roger » 14 Nov 2009 23:46
Hi Flo,

ich habe den Flo*r*sh-Iron nachgebaut und verwende ihn auch schon länger. :D

1 Liter dest. Wasser
87gr. Eisengluconat
1 gr. Ascorbinsäure
1 gr. Methylparaben (optional zur Konservierung)
Gruß
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Beitragvon Bratfisch » 15 Nov 2009 01:07
Hallo Roger.

Roger hat geschrieben: Ich habe [...] nachgebaut und verwende [...] auch [...]


Und damit prahlt der auch noch Rum OO! Schäm´ Dich! Bist ab jetzt der - PLAGIATOR - !! :- )

... aber wenn all´ diese Gluconate so gut geschluckt werden dann bau´ das auch mal mit Mangangluconat. Und was es sonst noch kritisches so gibt. Und sag mal wie´s sich anläßt. (!?)

Blöd an den Gluconaten aber ist ihr gewaltiger Rest im Verhältnis zum jeweiligen Metall-Ion. Was wird aus diesem Rest im Beckenwasser eigentlich? Bakterienblütendünger? Da ist viel C darin ...

(Und trotz allen Düngewahns, bitte an die Kiemen der Fische denken!! :- )

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Ingo
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Beitragvon flo » 15 Nov 2009 01:14
Hi Ingo,

scheinbar kommt es bei den betreffenden Leuten ja nicht zu Bakterienblüten.

Oder ist mir da etwas entgangen ?

lg, Flo
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Beitragvon Karin » 15 Nov 2009 15:23
Hallo,

muss hier mal Roger unterstützen.
Benutze ebenfalls das F. Iron nachgebaut. Und Sea..em Fl..rish original.
Mein Becken sah noch nie so gut aus. Meine damit den Pflanzenwuchs.
Von einer Bakterientrübung ist weit und breit nichts zu sehen. Benutze o. g. Dünger jetzt seit ca. Ende Juni / Anfang Juli.

LG Karin
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Beitragvon nik » 28 Okt 2016 08:52
Hallo zusammen,

wie sieht's aus, 7 Jahre später?

Gibt es weitere Erfahrungen mit Vergleichen von starker zu geringer Filterung? Änderungen in der persönlichen Praxis?
Das, was ich treibe, ist inzwischen weitgehend in meiner Sig beschrieben, eine IMHO vollumfängliche Betrachtung. Immer noch möglicherweise ein bisschen blind bin ich in starker Filterung - in der habe ich zu große Wiederstände - und sowohl gröberen und/oder vorgedüngten Substraten, die reizen mich einfach nicht bzw. ich gehe einen anderen Weg. Obwohl ich von starker Filterung herkomme, lassen sich die umfangreichen Probleme seinerzeit nur ungewiss der Filterung zuordnen. Da war mind. noch die Düngung im Argen.

Was mir bei dem nochmaligen Lesen des Threads auffiel, ich bin mit der schwach chelatierten Düngung zurückhaltender geworden. Für den Dauerbetrieb tut es auch eine stark chelatierte Düngung. Das mag am photolytischen Abbau der Chelatkomplexe durch mein üblicherweise üppiges Licht liegen. Schwach chelatierte Dünger nutze ich, wenn ich aufgrund vernachlässigter Düngung Pflanzenmängel beheben will.

Und dann habe ich den Eindruck, dass bei starker Filterung speziell die Sinterglasmedien genauer betrachtet werden sollten. Die tauchen in Algenproblemthreads, besonders Pinselalgen, mit einer frappierenden Regelmäßigkeit auf. Wobei ich eben auch Beispiele in Erinnerung habe, die mit Sinterglas offensichtlich gut funktierende Pflanzenaquarien erreichten.

Gruß, Nik
Konzept eines Pflanzenaquariums
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Beitragvon Frank2 » 28 Okt 2016 12:08
ich bin mit der schwach chelatierten Düngung zurückhaltender geworden. Für den Dauerbetrieb tut es auch eine stark chelatierte Düngung.



.... und ich möchte noch ergänzen, dass eine tägliche Düngung der Mikros zumindest bei mir KEINERLEI Vorteile gebracht hat, auf lange Sicht gesehen. Stark chelatiert+Stoßdüngung, und wenn man mal einen letzten Schliff meint reinbringen zu müssen, auch mal nen Schuss schwach chelatiert nach Gusto. In einem Turboscape das innert weniger Monate für ein Fotofinish getuned wird, ist das sicher anders zu beurteilen.

Ich sehe Filterung als Möglichkeit an zur Lenkung bakterieller Prozesse ausserhalb des Beckens im Filters. Es sollte nicht zu einer Über-oder Unterfilterung kommen. Siporax und Co haben ihre Berechtigung in stark belasteten Becken, ansonsten sind sie Nährstoffkiller und kontraproduktiv. Eigentlich hat alles seine Berechtigung, nur leider wird auch da manchmal nicht durchgechecked was man eigentlich bei sich selber vorliegen hat.
Eine Filterung mit wenigen mittelgroben bis groben Schwämmen, die man auch turnusmßig erneuert, nimmt nur wenig Einfluss auf die Düngung Und schon gar nicht auf N03-Gehalt wie im anderen thread jmd postuliert. Sich zusetzende Filter mit möglichst langer Standzeit und massenhaft altem Schlamm sind ebenfalls kontraproduktiv, da kommt dann meist (wenn auch nicht immer) irgendwann die Keule, speziell in Form von Rotalgen und Wuchsstockungen.

Nachteil dieser Geringfilterung sind aber, insbesondere in organisch belastesten Becken mit Fischbesatz, zu Beginn eine erhöhte Anfälligkeit für Bakterienblüten und generell etwas trüberes Wasser. Das kann sich auch einige Monate ziehen und macht nicht immer Spass. Danach ist aber dann Ruhe!.

Grüße
Frank
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Beitragvon AQ Dave » 28 Okt 2016 13:55
Hi Nik, Frank,

ich kann auch nur sagen das ich komplett über die Jahre auf eine Geringfilterung umgestiegen bin. Bis dahin das ich zur Zeit nur noch meine Becken mit einer Strömungspumpe betreibe. Und meine Dünger nach einen wöchentlichen 50% Wasserwechsel auf Stoß zugebe. (ca. Werte no3:25mg/l - po4:1mg/l - k: 15mg/l - fe 0,05mg/l)

Und was soll ich sagen. Der Pflanzenwuchs ist der Beste den ich je hatte. Dazu keine sichtbaren Algen oder andere Probleme. Sorry ich kann nicht mit Wissenschaft,Werten,Messungen oder fundierte Beweisen dienen. Aber die Pflanzen sprechen eine eindeutige Sprache. Ich für meinen Teil sehe im Bereich Aquascaping. Bei Becken mit viel Pflanzenmasse und geringen Fischbesatz keine Notwendigkeit für Filtermedien. Viel wichtiger ist eine gute Strömung die das ganze Becken kräftig umwälzt.

Danke auch an Nik und co. die mich immer wieder zu solchen Schritten ermutigen mit ihren Threads. :bier:

gruß
dave
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Beitragvon WTCube » 28 Okt 2016 14:20
Hallo,

wäre nicht der Begriff angepasste Filterung gut?

Je nach Beckentyp/Besatz/Fütterung ... ist eine angepasste Filterung notwendig.
Grüße Helmut
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Beitragvon chrisu » 28 Okt 2016 14:24
Hallo,

ich verzichte mittlerweile auch in allen Becken komplett auf Filterung. Ich verwende nur mehr Strömungspumpen.
Wasser ist immer glasklar, Planzen wachsen super und die Scheiben müssen so gut wie nie gereinigt werden. Die Wasserwerte versuche ich eher im mageren Bereich zu halten.
Beim Start eines Beckens wird eimal alles ordenlich mit Teichschlamm eingesaut und ab diesem Moment läuft es immer problemlos und das vorher schon klare Wasser wird noch karer.
Mfg Christian
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Beitragvon omega » 28 Okt 2016 16:46
Hi,

AQ Dave hat geschrieben:Viel wichtiger ist eine gute Strömung die das ganze Becken kräftig umwälzt.

das wird hier öfter mal postuliert, stimmt m.E. aber überhaupt nicht. Siehe mein Aquarium:
Markus' 130er
390l und ca. 300l/h Umwälzung.

Grüße, Markus
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Beitragvon chrisu » 28 Okt 2016 17:39
Hallo,

bezüglich Strömung kann ich sagen das es mit viel und wenig Strömung funktioniert.
Ich habe Becken mit wenig Umwälzung und eines mit 2500l/h auf 100 Liter.
Wachstum ist überall hervorragend!
Mfg Christian
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