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Postby helge donath » 19 Apr 2015 19:25
Die zauberhafte Welt der Cryptocorynen Teil 5

„Der dritte Tag inspiriert surreale Bilder, metamorphiert Engel aus Fleisch. Und du stehst in duftendem Lotos und lächelst die Sterne herbei…“

(Aus: Zeitgebeine/ Donath- Dorise Verlag/ 2007.)
Ist es nicht so, dass, wenn wir an den von Hesse so eindringlich beschrieben Anfang zurückdenken, dem immer ein Zauber inne liegt, wir immer noch dieses Gefühl haben, welches nicht nur an die Liebe erinnert, nein es ist
Liebe.

Mit großen, staunenden Augen sich die Nasen an riesigen Aquarien platt drücken und die Eltern wochenlang nerven, bis man vielleicht eine Zusage ergattert, sich zum nächsten Geburtstag oder zu Weihnachten ein kleines Becken hinstellen zu dürfen, das oh Schreck, sehr schnell wieder zu klein wird.

Welcher Kosmos bietet sich einer unreifen, naiven und für alles offenen Seele mit so einem winzigen Biotop dar, das zu stundenlangen Beobachtungen lockt, ja sie verlangt und selbst in der stillen Nacht sitzt das Kind mit schweren Augen vor der Sichtscheibe und wundert sich, wie von allein sich dort drinnen alles abspielt.
Die großen Apfelschnecken kriechen ihrer Wege und werden satt. Das Zwergbuntbarschmännchen in seinem königlichen Gewand kennt genau sein Weibchen, obwohl es sie vorher noch nie gesehen hat, bezieht mit ihr eine Höhle und einige Tage später schwimmen die zwei, in einem kleinen Schwarm winziger Jungfische.
Auch die Pflanzen scheinen alle zu wissen, was sie zu tun haben, denn alles gerät zu einer geheimnisvollen Ordnung, von deren Zusammenhängen nur wenige Menschen, auch nur eine Ahnung haben.

So bekommt man langsam ein Gefühl für Kontinuität, das Freude bereitet und eine gewisse Sicherheit schafft.
Aber die Neugierde wächst und sie ist die größte Triebkraft des Menschen. Sie allein hat uns von den Lagerfeuern weg- und in Tempel und Palästen einziehen lassen.

So genügt das kleine Ambiente bald nicht mehr und sowieso gerät die Ordnung hier, greift man nicht ein, schnell zum Chaos.

Zu viele Fische nehmen sich den Platz weg und die einst nach holländischem Muster gediehenen Pflanzen, wachsen über sich und den Beckenrand hinaus.
Einige werden dann vertrocknen. Anderen gelingt es emerse Triebe zu bilden und-OH WUNDER! -zu blühen.
Und plötzlich wird aus einer kleinen, überschaubaren und begrenzten Welt ein neuer Kosmos mit ganz neuen Möglichkeiten. Eine neue Dimension sozusagen.

Man beginnt herum zu experimentieren, sucht sich Literatur und entdeckt, dass schon viele andere Menschen solche Erfahrungen gemacht haben und weit damit gekommen sind.
Eines Tages dann, wenn die Eltern mitspielen, denn schließlich muss einer die Drinks bezahlen, steht vielleicht ein neues Aquarium kopfüber auf dem alten oder gar eine Vitrine wurde eingerichtet und Phoenix kann sich aus der Asche erheben…

Intermezzo

Um das Optimum zu erreichen muss man zu allererst die neuen Pflanzen betrachten, weil schon ihr Habitus gewisse Hinweise auf ihre Bedürfnisse gibt. Dann folgt das Beobachten und schließlich das Experimentieren.
Zunächst hielt ich alle Arten in meiner schon erwähnten Vitrine mit den beiden beweglichen Sichtscheiben. Da sie nicht für Cryptocorynenkultur konstruiert wurde, sondern für Geckos und Verwandte, existieren noch zwei, mit perforiertem Aluminiumblech bedeckte Lüftungsschlitze. Einer ist in der Deckscheibe und einer unten.

Ich habe schnell bemerkt, dass es ein bisschen zu viel Belüftung war. Die relative Luftfeuchte ist zu gering, sodass bei einigen Pflanzen die Blattspitzen anfinden welk zu werden.
Somit schloss ich die Lüftungsschlitze. Dem Standartsortiment genügten die Bedingungen. Fast alles Pflanzen aus der Beckettii- Gruppe, dann ciliata etc.

Je mehr Arten hinzu kamen, je größer wurden die Schwierigkeiten. Viele der Neuen kamen mit den Bedingungen in der zu luftigen Vitrine nicht klar.

Ein 120 Liter Aquarium wurde angeschafft, das mit einer einfachen Plexiglasscheibe abgedeckt und mit Regenwasser befüllt wurde. Eine Heizung vervollkommnete das Interieur.
Die Innenseiten der Scheiben hier, sind zu jeder Zeit mit reichlich Schwitzwasser bedeckt, sodass meine „Sensibelchen“ dort einziehen und prächtig gedeihen konnten. Das wurde bei folgenden Arten erforderlich:
Cryptocoryne nurii, moehlmannii, spiralis, einer spec. mit hellgrünen Blättern, die mich an cordata erinnern, die Braune von Bangkok, albida und einigen Anubiasarten.

Das positive Resultat stellte sich bereits nach wenigen Tagen ein.
Die Bilder zeigen meine Bestände und vermitteln einen Eindruck, von der Vielgestaltigkeit der Gattung Cryptocoryne.

…Alles ist gut, das dazu dient, die Träume zu befeuern. So verschlang ich die Bücher von Hans Schomburgk, der mir die Sehnsucht nach Afrika vermittelte, von Miloslav Stingl, der die indigenen Hochkulturen Zentralamerikas erforschte und nicht zuletzt Erich Wustmann, der eine Sonderrolle spielte.

Zum einen reiste ich mit seinen Büchern durch ganz Südamerika, besuchte die Kamayura, Karaja`, Trumai, Txucahamhai und viele andere Stämme des Mato Grosso und zum anderen verstärkte sich meine Sehnsucht, in ihm einen Mentor zu finden, durch seine interessante Fernsehreihe: Unter Indianern, Lappen und Beduinen.

Mit 14 oder 15 Jahren schrieb ich ihm einen enthusiastischen Brief.
Es kam etwas knorrig zurück, ein kurzer Brief aus seinen Händen, den ich wie eine Trophäe herumreichte. Allerdings ging er nicht auf meine Fragen ein, sondern belehrte mich über meine Rechtschreibfehler. Ja auch damals hatte ich keinen Lektor zur Hand.

Das war`s zunächst. Aber ich ließ mich nicht so leicht abschütteln. Ich erstand im Fachbuchhandel ein interessantes Buch über die erste Ägyptenexpedition der Franzosen, im Gefolge von Napoleon, schickte es ihm und erhielt einen etwas freundlicheren Brief, der in einem kleinen Buch steckte, seinen signierten Memoiren. Dazu einige Bildchen von den Fernsehaufnahmen.

Warum erzähle ich das? Weil es so wichtig ist für einen Heranwachsenden, der beginnt sein Herz an eine interessante Sache zu verlieren, dass man ihn unterstützt, bestärkt, die eigenen Träume vermittelt. Wie sonst sollte in unserer schnelllebigen Zeit aus Eigennutz und Kommerz, all das, was die Älteren einst begeisterte, weswegen das Leben erst lebenswert wurde, unter anderem, weitergegeben werden können? Und weiter und weiter…

In diesem Sinne: „…und lächelst die Sterne herbei!“
helge donath
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