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Postby nik » 22 Jul 2011 14:19
... wie kriege ich meine Kiste zum Fliegen!

Hallo zusammen,
eine PN hat mir klar gemacht das es Sinn macht aufzuzeigen was ich praktisch so treibe, wovon ich so oft einigermaßen nebulös in jedem Fall unzusammenhängend schreibe. Interessanterweise ist es ein Problem das Thema sinnvoll unter zu bringen, also landete es konsequenterweise hier.

Als Ergänzung des Threads "Wasserpflanzenaquaristik mit allem Drum und Dran" nachfolgend die zugehörigen Threads ...

Wasserpflanzenaquaristik mit allem Drum und Dran
Geringfilterung – der Thread ...
Die Düngung zur Geringfilterung
Die „Pflegeder Mikroflora oder ... und ## Beobachtungen und Diskussion zur Mikroflora ###


Einleitung:
Es gibt also eine Beschreibung in diesem ersten Post zur "Pflege der Mikroflora", die ich sukzessive auch aufgrund der erwünschten Diskussion zum Thema erweitern werde. Falls im Zuge einer Diskussion, die Theorie begründet zerpflückt wird, dann ist das völlig in Ordnung! Aus meiner Praxis heraus halte ich das für ausreichend belast- und reproduzierbar um das mit durchaus konkreten Beispielen darzustellen. Was ich an *möglicher* Theorie so präsentiere, ist grundsätzlich diskussionswürdig, findet aber schnell seine Grenzen, da die Mikroflora Bakterien, Pilze, Mikroben, ... umfasst, die sich der Bestimmung auch der Bewertung weitgehend entziehen. Irgendwann hatte ich mir mal die Beschreibungen zu Bakterien angesehen, deren "Wirkung", ihre Ansprüche. Darüber kam ich letztendlich nicht weiter, es blieben zu viele Fragen offen, sodass ich den gesamten Komplex Mikroflora als Black Box betrachte und mir nur die Dinge ansehe, die einen Einfluss auf die Mikroflora ausüben bzw. deren resultierende Wirkung. Noch eine kleine Begriffsbestimmung zu Mikroflora bzw. Biofilm. Biofilm meint die Lebensgemeinschaft auf irgendwelchen Oberflächen, d.h. Scheiben, Pflanzen, Filtersubstrat, in Bodensubstraten jenseits der Körnung von Sand, einfach alles. Bei der Mikroflora kommt alles weitere hinzu, z.B. flotierende bakterielle Blüten, Kahmhaut und was mir sonst gerade nicht einfällt.

Das ist eine ausgesprochen universelle Geschichte, die jedes Aquarium betrifft. Für mich selbst bin ich im Zuge der Entwicklung *meiner* Aquaristik über "immer viele Pflanzen", Licht, Sand, Düngung, (Gering-)Filterung auch in dieser zeitlichen Abfolge erst zuletzt auf die IMHO überragende Bedeutung der Mikroflora für den erfolgreichen Betrieb eines Aquariums gekommen. Es hatte seinerzeit triftige Gründe Kies sein zu lassen und es mal mit Sand zu versuchen. Nicht jeder Sand geht, aber ich hatte damals einfach den richtigen erwischt und das war nicht nur erfolgreich, auch ein Wendepunkt in meiner Aquaristik. Inzwischen haben die vorgedüngten Soils zu recht Verbreitung in der Pflanzenaquaristik gefunden. Wegen ihrer gröberen Struktur sind bei denen Prozesse möglich, wegen derer ich Kiese sein gelassen hatte. Über die Zeit sickern organische Stoffe in das Substrat und ermöglichen unerwünschte anaerobe Prozesse. Ich betone "möglich"! Das ist keine Kritik sondern nur mein Hinweis, dass es einen möglichen -die Unsicherheit erhöhenden - Unterschied zwischen gröberen Substraten und Sand gibt. Im Sand - meine Empfehlung beschränkt sich wegen der Reproduzierbarkeit auf gewaschenen Quarzsand im Bereich von 0.4-0,8mm - passiert bei entsprechender Bodenpflege auch über Jahre nur sehr, sehr wenig. Der Einfluss von solchem Sand auf die Mikroflora ist vernachlässigbar. Es bedarf also eigener Reflektion um die "Pflege der Mikroflora" auf das eigene Becken zu übertragen. Filtersubstrat kann ebenso positiven oder negativen Einfluss haben. Das sind ebenfalls keine zwingenden Geschichten, ich verrate sicher nichts neues, wenn ich eine "angemessene" Filterung für optimal halte. Dazu habe ich hier reichlich unter dem Stichwort "Geringfilterung" geschrieben. Speziell zu den vorgedüngten Soils hoffe ich auf die praktizierenden Forenuser. Abgesehen von der gröberen Struktur sehe ich k(aum )einen Einfluss durch die Vordüngung.

Warum Mikroflora pflegen bzw. was ist das Ziel:
Ein 100%er ist es nicht, kann es nicht sein, aber inzwischen setze ich meine Becken und die in meinem Umfeld recht sicher und mit guter Qualität auf. Jetzt werde ich provozieren und harre der hoffentlich kommenden Diskussion ob der "Qualität" eines Beckens. Ich verstehe darunter eine ausgesprochene Stabilität des Aquariums, die nicht an einer "Menge" Pflanzenmasse oder irgendwelchen "Dünge- oder sonstigen Kniffen" festzumachen ist, sondern bei allen wirklich gut laufenden Becken Gemeinsamkeiten aufweist - völlige Algenfreiheit, die auch nur sehr schwer durch irgendwelche, mitunter extreme Düngeexperimente(/-unfälle) zu erschüttern ist.
Wenn ich also lese, mein Becken verträgt keine Ammonium-, Urea-, Phosphat-, sonst-was-Düngung, Licht zuviel, Strömung macht Algen, ich muss hohes CO2 fahren, etc., dann ist das ein in diesem Sinne nicht stabiles Becken!
Ich begleite ja einige wenige Becken im Flowgrow in ihrer Entwicklung, da zielt alles darauf ab, die Mikroflora im Sinne des Aquarianers zum Laufen zu bringen. Das ist noch eine Bemerkung wert, selbstverständlich ist auch ein in der beschriebenen Weise schwächelndes Aquarium stabil, aber ich verwende stabil idR. synonym zu "stabil im Sinne des Aquarianers"
Das übliche Handwerkszeug der Pflanzenaquaristik halte ich schon für weit entwickelt, meine durchaus bewusste Fokussierung auf die Rolle der Mikroflora kann hoffentlich häufig beim Aufsetzen eines Aquariums helfen. Man muss sich trotzdem im Klaren sein, dass das Biotop Aquarium aus den Komponenten Konstruenten(Pflanzen), Konsumenten(Fische, Wirbellose, etc) und Destruenten(Mikroflora), ihrem Beziehungsgeflecht und einer gewissen, notwendigen technischen Unterstützung besteht.



Die "Pflege der Mikroflora"

Start:
- Ein wichtiger Punkt beim Aufsetzen eines neuen Aquariums ist der optimierte Start der Mikroflora. Eine "geeignete" Mikroflora kann man in gut laufenden Becken erwarten. Gute Voraussetzungen bietet Mulm aus einem solchen Aquarium. Die andere Möglichkeit ist den Biofilm über die Pflanzen einzubringen. Es empfehlen sich also submers gewachsene Pflanzen aus einem gut laufenden Aquarium. Entsprechend bringen emers vorgezogene Pflanzen aus dem Fachhandel oder in vitro Kulturen nichts mit und ich würde die deshalb erst später dazu setzen.

Filterung:
In der Praxis der Pflanzenaquaristik hat sich gezeigt, das eher weniger Substratfilterung in der Tendenz günstiger ist. Auch wenn ich von Geringfilterung schreibe, so handelt es sich um eine angemessene Filterung bei der versucht wird eine günstige Menge Filtersubstrat zu finden, nicht zu viel und nicht zu wenig. Abhängig von den Umständen gibt es also relativ üppige oder relativ knappe Filterung. Beide Fälle können Probleme generieren. Es ist also keine Betrachtung einer "Menge" Filtersubstrat sondern ihrer sinnvollen Wirkung im System. Meine Idee dazu war auch, die "Filterprozesse" soweit wie möglich aus dem Filter ins Aquarium zu verlegen. Im Filter drohen Nährstoffe nicht pflanzenverfügbar auszufallen. Wenn jemand sein Heil in maximaler Filterung sucht, kann er das tun, ich würde nicht mal ausschließen, dass das funktionieren kann, mir wäre es aber zu unübersichtlich und würde mich da raus halten.

Düngung:
relativ einfache Geschichte. Mit einer geeigneten Impfung (Mulm Pflanzen, Filtermaterial) konnte ich immer sofort auf ein mittleres Niveau aufdüngen. Wichtig ist die vollständige Düngung, Übertreibungen sind nicht notwendig. Beim Einfahren verwende ich nur Volldünger mit stärkerer Chelatierung und verzichte auf noch nicht zu ende mineralisierte Stoffe wie Urea, Ammonium oder schwach chelatierte Volldünger ... ich bin nicht wirklich sicher ob das hilft, dient aber der Übersichtlichkeit. Genauso wenig wie ich weiß ob meine praktizierte Betonung in Spurenelementen und Magnesium, die ich über die Zugabe von Preis Mineralsalz erreiche notwendig ist. Ich halte es für so hilfreich, dass das für mich fester Bestandteil beim Aufsetzen/Betrieb ist. Zu einem, gemäß Trinkwasseranalyse, Ausgleichen eines geringen Mg-Anteils im Verhältnis zum Ca, dem Ca:Mg-Verhältnis, per Bittersalz rate ich sowieso. Bei einem Ca:MG Verhältnis ungünstiger als 4:1 würde ich was tun. In meiner Praxis habe ich immer 3:1 bis 2:1. Bei mir resultiert das aus einem sowieso schon ausreichenden Mg-Gehalt im Leitungswasser und dem PMS, das ich trotzdem wegen der zusätzlichen SE zugebe. Es ist mir nicht sicher inwieweit die zusätzlichen SE wirklich Sinn machen, ein Problem war das nie!
Die Zugabe der Makronährstoffe erfolgt auch so einfach wie möglich, d.h. solange das Aquarium nicht stabil ist, gebe ich NPK nur als KNO3 und KH2PO4 zu

Licht:
auch sehr einfach. Ich starte ein Becken nur noch mit 6h vollem Licht. Es hat sich gezeigt, dass das allgemein das Einfahren begünstigt. Zusätzlich vermeidet es Kieselalgen. Licht ist übrigens ein guter Zeiger, wie weit ein Becken ist, je "besser" das Becken ist, desto mehr Licht verträgt es. Bei Problemen empfiehlt es sich die Lichtdauer (wieder) zu reduzieren.

organische Belastung:
Ist ein einigermaßen offener Punkt, ich würde aber schon so weit gehen und sagen, es ist günstiger ein Aquarium mit geringer organischer Belastung (d.m. vor allem Futter) zu starten.

Ein laufendes Becken mikrobiologisch verbessern:
Die Frage tauchte in diesem Thread auf und ist im Kontext der vorherigen Beschreibungen zu sehen. Tauchen Probleme auf oder gibt es ungelöste Probleme, dann ist das Becken wie neu aufgesetzt zu betrachten. Die wichtigsten Punkte sind die Reduzierung der Beleuchtungszeit auf 6 Std. und die einfache Düngung. Letzteres meint einen normal chelatierten Volldünger und Zugabe der Makronährstoffe über KNO3 und KH2PO4. Ansonsten das Setup überprüfen in wie weit sich die oben erwähnten begünstigende Faktoren einrichten lassen. Der Rest braucht Zeit.


spezielle Erscheinungen:

- Kahmhaut betrachte ich als Hinweis auf eine nicht stabile Mikroflora. Die Beeinflussung solcher Geschichten ist einigermaßen wichtig, denn die Bakterien der Kahmhaut nehmen eine notwendige Funktion in der Mineralisation wahr. Wir wollen die nicht haben und man kann deren Verschwinden unterstützen, in dem man sie immer wieder manuell, mechanisch, elektrisch, wie auch immer absammelt. Die Idee dahinter ist simpel. Durch die Entfernung der Kahmhaut(bakterien) bleiben deren Grundlagen (Nahrung) über, für die sich dann andere Bakterien finden. Haben diese sich etabliert, können die der Kahmhaut nicht mehr. Unerwünschte Bakterien durch erwünschte ersetzen. Das bezeichne ich als die Mikroflora in die gewünschte Richtung schubsen.

- für Cyanobakterien gilt genau das gleiche. Absammeln (verdunkeln, dann Wasser wechseln) und anderen Mikroorganismen die Gelegenheit geben deren Platz einzunehmen.

- Bakterienblüte, muss ich da jetzt noch was zum Prinzip erzählen? ;) Man kann es über konsequente große Wasserwechsel oder auch über einen nur zeitweisen Einsatz eines kleinen UV-C Strahlers erreichen.

- Algen halte ich ebenfalls für einen Hinweis auf ein Problem mit der Mikroflora/dem Biofilm. Allerdings verschwimmen die Grenzen zur Bedeutung der Nährstoffversorgung und der Bepflanzung. Die immer wieder gezogene Abhängigkeit von hoher Pflanzenmasse zur Algenvermeidung kann ich nicht bestätigen. Das geht soweit, dass ich das grundsätzlich in Zweifel ziehe. Es mag förderliche Effekte geben, aber es ist nicht so grundsätzlich, dass das aufgrund hoher Pflanzenmasse zwingend funktionierte. Die positive Wirkung eingebrachter Pflanzen könnte auch das Resultat des über die Pflanzen eingebrachten Biofilms sein. Ähnliches gilt für die Nährstoffversorgung. Wenn man sich dieses Becken ansieht, welches gute 2 Monate ohne jeden äußeren Einfluss vernachlässigt vor sich hin blubberte, und extreme Nährstoffmängel bei entsprechenden Pflanzen mit Nahtodkenntnissen ;) aufwies. Diesen aufgrund von schweren partiellen Närstoffmängeln schon halbtoten Pflanzen noch Algenkonkurrenz unterstellen zu wollen ist nicht mehr plausibel. Nichtsdestotrotz war dieses Becken für mich aufgrund seines offensichtlich immer noch "funktionierenden" Biofilms sehr interessant. Das Becken war immer noch optisch völlig algenfrei. Algenfreiheit ist etwas das immer mit einem/r funktionierenden Biofilm/Mikroflora korrelierte, mit Pflanzenmasse oder einer bestimmten Nährstoffsituation war das keine eindeutige Abhängigkeit.

- Erscheinungen im Bodengrund/an der Scheibe öfters mal tauchen unabhängig vom verwendeten Substraten Blaualgen und andere Erscheinungen an dieser lichtexponierten Stelle auf. Auch wenn die latent sind, sehe ich immer zu, dass die aus dem System vollständig verschwinden. Das wird ja diskutiert was man da zulassen kann, ob man die vollständig raus bekommt. Mir reicht es es, wenn die zuverlässig nie wieder auftauchen. ^^
An der Scheibe hat es eben Licht und selbst Sand ist ausreichend nährstoffdurchlässig um dort einem Biofilm ein bekömmliches Auskommen zu ermöglichen. Und Film ist schon das richtige Wort, denn wenn der abgestorben ist, dann lässt der sich in Stücken herausheben.
Ansonsten sind die Erscheinungen im Grund an der Scheibe sehr vielfältig, schon Abbild der mikrobiologischen Situation im Becken. Ein aktiver Film mit CB und Algen in allen möglichen Farben, ist/wird er schwarz, dann ist er tot. CB sind halt häufig, bei mir lasse ich das nicht zu und dann ist der Sand nur mehr oder weniger verfärbt. Wenn es mikrobiologisch super läuft, dann sieht man nicht mehr als durch Nährstofffällungen bedingte leichte bis mittlere Verfärbungen und den oxidativen Einfluss von Pflanzenwurzeln. Um die Wurzeln wird's heller.


to be continued ...



abschließende Bemerkungen:
Mir ist schon klar das häufiger mal ein Becken aufgesetzt oder Mikroflora nicht so "gepflegt" wird, wie ich das machen würde. Damit will ich mich nicht rausreden, man kann aber auch nicht erwarten, das nun nur mit "geeigneter" Mikroflora/Biofilm narrensicher aufgesetzt werden kann! ;) Das ist auch noch ganz sicher im Fluss, d.h. es können sich noch Dinge ergeben, möglicherweise kann man auch weglassen, was ich jetzt noch für sinnvoll halte. Ich habe einfach die Hoffnung verschiedene Erfahrungen hier zusammenbringen zu können, was der Entwicklung des Themas sicher förderlich sein wird. Grundsätzlich bin ich mir schon sehr sicher ob dieser Geschichte, sonst würde ich das nicht bringen. Mal schauen, wie sich das entwickelt.
Es ergibt vor allem Becken mit einer Stabilität, bei denen es sich dann relativ einfach auf die Gestaltung konzentrieren lässt.

Mit patschnassem Gruß,
Nik
nik wrote:
Wasserpflanzenaquaristik mit allem Drum und Dran

- funktioniert bestens mit ungedüngtem Sand
- ausschließlicher, vollständiger Wasserdüngung
- Geringfilterung, d.h. so viel Filterung wie nötig
- und mit einer gut funktionierenden Mikroflora
Last edited by nik on 04 Jun 2018 11:57, edited 8 times in total.
Reason: Punkt Algen hinzu gefügt
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Postby moeff » 22 Jul 2011 23:34
Hi,

vote for "sticky", die Frage ist nur in welchem Unterforum.

Grüße Marco
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Postby moss-maniac » 23 Jul 2011 06:45
:top: :top: :top:
Super Nik,

neues Unterforum "Mikrobiologie"?

Grüße aus Niederbayern
Ev
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Postby Oli » 23 Jul 2011 08:22
Hallo Nik.

Ich finde das Thema auch sehr interessant.

Meine Vermutung ist auch , dass die Mikroflora einen großen Anteil an einem gut laufendem Becken hat.

Bei einem gut laufendem Becken, also mit guter Mikroflora hat mann kristllklares Wasser,
die Pflanzen sehen top gesund aus, das Becken perlt wie verrückt und das Becken verzeiht locker
kleine Düngefehler.

Die Frage ist nun, wie halte ich diesen Zustand in einem laufendem Becken ?
Du schreibst ja viel vom Start aber wie schubse ich die Mikroflora in einem länger
laufendem Becken in die richtige Richtung ?

Ich glaube " Bedienfehler " über einen längeren Zeitraum schädigen die Mikroflora.
Außerdem spielt meiner Meinung nach der Faktor " Leitungswasser " eine sehr große Rolle.

Mm,bin auf weitere Erkenntnisse sehr gespannt.

Schöne Grüße
Oli
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Postby kurt » 23 Jul 2011 09:38
Hallo zusammen,

Ausgangspunkt, was ist oft die Realität?
Gutes Leitung /Ausgangwasser, Algenfreie Pflanzen, Mulm aus einem gut eingefahrenen Aquarium, ich würde sagen nein…
Beim Kauf von Diskusfischen z. B. ergeht es einem ähnlich, Parasitenfrei, woher bekommen, nicht so einfach.
Cladophora- Probleme/Plage häufen sich auch nicht zufällig, obwohl alle angeblich Algenfreie Pflanzen/Aquarien haben.
Anderseits, genaues nachvollziehen bringt einen schon darauf von wo man sich was eingeschleppt hat.
Man braucht ein Konzept welches ein nicht richtig laufendes Becken wieder in die richtigen Bahnen lenkt.
Es gibt im Forum genug tolle Aquarienvorstellungen, welche die länger laufen und eingefahren sind kann man ja erkennen.
Aber es gibt da eben auch Algenspuren, das ist oft auf den kleinen Bildern und ohne Mikroskop schon zu sehen.

@ Nik,
gute Zusammenfassung, prima… :top:
Mikroflora aufbauen und Zeit geben…
es wäre schön wenn du mal eins deiner stabilen Aquarien belastest, aber dann mit Cladophora, das Ergebnis würde mich schon interessieren.
Um zu gesicherten Erkenntnissen zu kommen wird es auch nicht sinnvoll sein sich mit vielen Wasserwechseln durch zu mogeln.
Verdünnen und absaugen verfälscht den Aufbau der Mikroorganismen.
In der Realität macht das in kleinen Becken (sind Einmachgläser) noch Sinn, aber für größere Aquarien sollte man nach alternativen suchen, für einfach halte ich das nicht!
Aber dafür haben wir ja das Forum… :D
Gruß Kurt
Unterwassergarten

Einstimmung…
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Postby Peda 22 » 20 Oct 2011 06:34
Hi Nik,

ich finde auch du solltest uns noch verraten wie man die Mikroflora bei einem laufendem Becken in die richtige Richtung schuppst.

Mich würde auch interessieren wie die Profis über das ganze denken (Tobi, Marcel... :D ) achtet ihr aucgh bewusst auf die Mikroflora oder stellt sich diese bei euch ganz einfach von selbst ein?
schöne Grüße

Peter
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Postby nik » 20 Oct 2011 08:49
Hallo Peter,

im laufenden Betrieb zu korrigieren, bedeutet erst einmal, dass der anfängliche Prozess des Einfahrens nicht ausreichend weit gebracht wurde und sich dann aus irgendwelchen Gründen nicht weiter selbst einregelt. Im Grunde steht alles schon im Eingangspost. Ich muss noch überlegen ob ich zusätzlich noch einfüge, dass ein "im laufenden Betrieb zu korrigierndes Becken" wie beim Neuaufsetzen zu behandeln ist. Eine entscheidende Rolle spielt immer die Lichtdauer, weniger die -intensität. Von der Intensität sollte das durchaus ordentlich sein um den Stoffwechsel anzukurbeln, übertreiben sollte man das aber auch nicht. Wenn das Becken diffuse Probleme als Hinweis auf eine nicht gut funktionierende Mikroflora zeigt, dann kommt man nicht daran vorbei, es so lange mit 6h Licht laufen zu lassen bis es funktioniert. Ob das nur die sowieso sicher zu stellende vollständige Nährstoffversorgung erleichtert/gewährleistet und/oder allein durch die Verkürzung der Lichtphase günstig wirkt( das ist beinahe ausnahmslos so), weiß ich nicht.
Dann bleiben noch die begünstigenden Bedingungen. Das Einbringen geeigneter Mikroflora über Mulm, Pflanzen aus funktionierenden Becken, die vollständige Düngung, die angemessene Filterung, die ich Geringfilterung nenne und bestimmte Sande. Letztere waren das einzige Substrat, das meine exzessiven Pflanzenbecken über lange Jahre unbeschadet ausgehalten hat.
Du hast vermutlich auch den "## Beobachtungen und Diskussion zur Mikroflora ###" gelesen. Der zeigte schon - unter sicherlich ungünstigen Bedingungen - das bei einem Anfall organischer Masse, einer dickeren Mulmschicht, problematische Prozesse ablaufen können. Jedes gröbere Substrat ist diesbezüglich gefährdeter. Lediglich gefährdeter! Da gröbere Substrate auch "Filterleisung haben können, halte ich die für die Gesamtfilterleistung eine zu berücksichtigende. Da das eine "Kann"-Geschichte ist, ist die Beurteilung ungleich schwerer. Wer sich berufen fühlt nach dem Motto "viel hilft viel" Filtern zu müssen, soll das tun. Es kann funktionieren. Mit Filterung habe ich mich intensiv beschäftigt und es nach langer Zeit mit dem höchst simplen Fazit, eine lediglich angemessenen Filterung als bestmögliche erreichen zu müssen, abgeschlossen.
Es ist mir so was von völlig egal ob die gesamte Welt zwanghaft starke Filterung für notwendig erachtet - oder ob das nur die Nummer ist, ich mache das was alle machen - als gruppendynamischer Zwang, wenn ich sehe, wie sicher und gut ein Becken mit günstigen Bedingungen und Beachtung der Mikrobiologie einfährt und wie sicher das später zu händeln ist.

Gruß, Nik
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Postby Peda 22 » 20 Oct 2011 09:30
Hi Nik,

danke für deine Antwort. Ich hab ja eine lästige Kahmhaut die schon fast verschwunden war. Werde jetzt eben nach deiner Anleitung vorgehen und diese mit einer Oberflächenabsaugung entfernen und das Licht erstmal auf 6h verringern.

Bin schon gespannt ob es was bring. :smile:

Danke nochmal für deine sehr hilfreichen Beiträge.
schöne Grüße

Peter
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Postby nik » 20 Oct 2011 10:43
Hallo Peter,

da gehört noch was dazu, was ich im Eingangspost noch ergänzen werde.
Die Düngung gestalte ich immer abhängig von der "Qualität" der Mikroflora. Das bedeutet anfänglich bei einem mäßig/nicht stabilen Becken immer eine einfache Düngung. Einfache Düngung bedeutet ein normal chelatierter Dünger und Zugabe der Makronährstoffe über KNO3 und KH2PO4. Außer einer evtl Aufbereitung des Ausgangswasser barucht ein Becken nicht mehr und macht die Düngung so übersichtlich wie möglich. Wenn das Becken stabil ist, dann kann man problemlos Ammonium, Urea, reichlich Fe/SE, schwach chelatiert, Schnick und Schnack düngen.
Die Kahmhaut zeigt eindeutig das dein Becken noch nicht soweit ist. Ich sage es immer wieder, das muss mit höchstem Anspruch angegangen werden. Es dürfen keine weiteren bakteriellen Erscheinungen wie Kahmhaut, bakterielle Blüten, Cyanobakterien, etc. auftauchen. Wie die Scheiben innen mit günstigem Biofilm aussehen, kannst du in dem anderen Thread nachsehen. Da stelle ich noch ein weiteres aktuelles Bild ein, das ist immer das gleiche. Algen sind dann einfach nicht. Wenn welche sind, auch nur in Spuren, dann ist das auch ein Hinweis, dass das nicht rund läuft.

Danke der Nachfrage, ist gut für den Eingangspost. ;)

Gruß, Nik
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Postby Larsmd » 29 Dec 2011 13:49
Hi Nik,
ich möchte es demnächst auch probieren ein Becken wie du aufzusetzen.
Dabei kam aber die Frage nach der Verwendung von Duradrakon auf.
Wenn das PMS schon zum aufhärten genutzt wird warum dann noch Duradrakon?Welche Rolle spielt das Duradrakon?
Und welche GH und KH werte hältst du für den Beckenstart für förderlich?
Gruß
Lars
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Postby nik » 30 Dec 2011 10:35
Hallo Lars,

Larsmd wrote:ich möchte es demnächst auch probieren ein Becken wie du aufzusetzen.
Dabei kam aber die Frage nach der Verwendung von Duradrakon auf.
Wenn das PMS schon zum aufhärten genutzt wird warum dann noch Duradrakon?Welche Rolle spielt das Duradrakon?

das sind erst einmal zwei paar Schuhe.
Das Duradrakon ist ein Aufhärtesalz zur Aufbereitung von vollentsalztem Wasser und hat schon PMS als Bestandteil zur SE-Ergänzung incl. Das funktioniert alleinig und es braucht kein weiteres PMS.
Das PMS ist was für Leitungswasser basierende Becken und gleicht zum einen das häufige relative Mg-Defizit aus und fügt zusätzlich SE hinzu.

Und welche GH und KH werte hältst du für den Beckenstart für förderlich?

Für den Beckenstart ist das egal. Da stehen folgende grundsätzliche Fragen im Vordergrund:
- Welche Pflanzen will ich? Für mich bedeutet das eine möglichst geringe KH.
- welchen pH und wieviel CO2 will ich. Für mich sind 15-20mg/l CO2 problemlose Werte. Ist immer auch eine Frage ob geregelt oder nicht. Geregelt vermeidet CO2-Spitzen/-Senken. Dann will ich einen ph von 6,3-7. Das ist der für die Nährstoffverfügbarkeit günstigste Bereich. Damit ergibt sich der mögliche Bereich der Karbonathärte und aus diesem orientiere ich mich an dessen unterem Ende.
Die GH interessiert mich nur in ihrem Ca/Mg-Verhältnis, wenn das 4:1 hat, dann tue ich nichts, ist sowieso was zu korrigieren, dann stelle ich es gleich auf 3:1 ein. Bei halbwegs üblichen Wässern entsteht dadurch keine sonderlich hohe GH. GH ist grundsätzlich Düngung, KH wirkt mit höheren Werten in der Tendenz wachstumshemmend.

Gruß, Nik
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Postby mario-b » 30 Apr 2012 22:54
Hallo Nik,
können Schnecken oder Otocinclus oder andere "Sauger" den Biofilm schädigen bzw. die Mikroflora stören?
Gruß

Mario
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Postby nik » 01 May 2012 10:40
Hallo Mario,

das ist eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe. Praktisch hat das noch nie eine Rolle gespielt. Umgekehrt ist es eher so, dass viele Schnecken ein Indikator für ein Nicht-Rundlaufen des Beckens sind. Funktioniert das Becken, sind das (bei mir immer) nur wenige Schnecken. Viele Schnecken können bei mir beim Einfahren eines Beckens schon mal auftauchen. Das ist nie von Dauer.

Gruß, Nik
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Postby mario-b » 01 May 2012 11:03
Hallo Nik,
ich habe mir paar Blasenschmecken besorgt die die Kieselalgen fressen.
Dann habe ich noch ein paar Ohrgitterharnischwelse, diese fressen soweit ich weiß, den Biofilm.
Damit sollten die Tierchen ja eigentlich die Mikroflora stören. Viele Schnecken habe ich nicht. Wirklich vermehren tun sie sich auch nicht.
Gruß

Mario
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Postby Larsmd » 05 May 2012 16:00
Hi,
wie sieht das eigentlich mit Außenfiltern aus?
Ich habe schon länger überlegt, dass diese ja die Mikroflora fördern sollten.
Ich gehe davon aus das in den Außenfilter wenig bis garkein Licht einfällt und somit für Algen dort kein Lebensraum bereitsteht.
Dieser Raum sollte doch dann recht schnell und einfach von einer "guten" Mikroflora besiedelt werden und so den Einfahrprozess beschleunigen.
Sag mal was Nik. :D
Gruß
Lars
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