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Postby Bernd.G » 01 Jul 2008 12:00
Hannes85 wrote:Hi Hardy,

was meinst du damit, dass wir keinen Zugang haben :?:

Das mit dem lesen klappt ganz gut bei mir... (besser wie das Schreiben :D )

LG


Hallo

Mit dem Lesen allein ist es nicht getan! Und ob man es verstanden hat , interpretiert eben jeder für sich anders.

Gruss Bernd
Bernd.G
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Postby Bratfisch » 01 Jul 2008 13:28
Hallo Christian.

Leg´ Deinen politischen Kompaß weg. Der taugt für mich nicht. Meine Marschrichtung ist nicht Folge seiner Existenz oder weil es auf ihm ein Links und ein Rechts und ein Dazwischen gibt, sondern weil meine ICH-Instanz die Welt wahrnimmt und sich ihre Gedanken macht. Das es Schnittmengen zwischen den Schablonen und meiner Gedankenwelt gibt, dafür kann ich nix. :- )

swizzle101 wrote:Bis Mitte der 50er Jahre wurde DDT in der damaligen Hurra-Stimmung in grossen Mengen in der Agrarwirtschaft eingesetzt. Die Malaria wurde dadurch zwar weltweit um Haaresbreite ausgerottet, ...


Das ist nicht korrekt. Die Ausbringung von DDT in der Landwirtschaft und der Rückgang der Malariainfektionen sind zwei paar Schuh´. Im Zuge ersterer Anwendung fand eine dreidimensionale "Verpulverung" des Stoffes zur Abtötung von Fraßinsekten statt, durch deren Großzügigkeit sich letztlich dann die Schadensbilder in den einzelnen Endketten-Lebewesen ergaben.

Die Ausbringung des Stoffes zur Malariabekämpfung geschah jedoch auf eine völlig anderen Art und Weise. Nämlich dergestalt, dass die Innenoberflächen menschlicher Behausungen, also Wände (und Decken?) mit dem Kontaktgift eingesprüht oder bestrichen wurden. Dies, aus dem Grund, weil die Mücke nach dem Stich üblicherweise eben diese Flächen aufsucht um sich von der Anstrengung der Nahrungsaufnahme und möglicherweise auch ersten Anverdauung auszuruhen und welche dort dann eine tödliche Dosis des DDT aufnahm.

DIESE Art der Ausbringung des DDT hatte durch seine zweidimensionale Substratgebundenheit also ein weit geringeres Verseuchungspotential der Nahrungskette zufolge als ihr Gegenstück in der Landwirtschaft. Zudem blieb das DDT auf den Wänden bis zu einem halben Jahr wirksam. Es mußte also nur zweimal pro Jahr angewendet werden.

Richtig ist also :

- Die Wirkung gegen die Malaria kam explizit durch bestimmte Verhaltensweisen des Überträgerorganismus und einer speziellen Art der Giftausbringung zustande. Diese Art der Giftausbringung ließ die Nahrungskette im Verhältnis zu unten genannter weitgehend unbehelligt.

- Die Schadensbilder des DDT jedoch waren durch die großzügige Ausbringung des Giftes im Zuge landwirtschaftlicher Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen enstanden.

swizzle101 wrote:2006 kündigte die WHO offiziell an, in Zukunft wieder verstärkt DDT zur Krankheitsprophylaxe einsetzen zu wollen (http://ticker-grosstiere.animal-health- ... 918-00004/ / http://www.who.int/malaria/docs/FAQonDDT.pdf). Darin wird auch festgehalten, dass DDT bei sachgerechtem Umgang gesundheitlich unbedenklich ist und so gut wie keinen Schaden am Ökosystem anrichtet.


Man darf sich von dem label "WHO" nicht blenden lassen. Hört sich toll an, kann man aber auch kein Haus drauf bauen. Tatsache ist : DDT ist ein sehr billiges und einfach zu produzierendes Kontaktgift und das simple procedere seiner Ausbringung ist ebenfalls wenig kostenintensiv. Fakt ist auch : Die Länder welche nach einer Bekämpfung der Malaria gieren sind, wie sollte es anders sein, die welche nix auf dem Teller haben.

Die Malaria läßt sich heute durch Kombinationsverfahren bestimmter Maßnahmen in Verbindung mit vorhandenen, moderneren Wirkstoffen welchen ein weit geringeres Schadenspotential als DDT innewohnt ebenso und vor allem dauerhafter und ursächlicher bekämpfen.

So ist es im Zuge dieser Strategien neben der Anwendung eben moderner Kontaktgifte angedacht diese in Kombination mit der Verteilung imprägnierter Moskitonetze, der Trockenlegung der mückenbrutbeherbergenden Sumpfgebiete oder dem Aussetzen larvenfressender Fischarten zu hebeln.

Tasache ist jedoch das diese Strategien Geld kosten. Deutlich mehr als DDT. Und da die Industriestaaten alles andere als gute Menschen sind (ist nicht in Wikipedia dokumentiert, ist aber trotzdem so ...), sondern messerscharf kalkulierende Krämerseelen, wird den Armen in der üblichen "am-ausgestreckten-Arm-verhungern-lassen"-Taktik, das billige Pulver auf´s Auge gedrückt. Damit kann man den Tourismus aufrecht erhalten, die Substanz versickert meilenweit jenseits unserer heilen Welt in den Boden und die Lebewesen von Afrika und alles bleibt schön im gewohnten Gleis ...

Und dies ist auch der Grund des Wendemanövers der WHO. Es ist billig und sie wissen : Die Art der Ausbringung des Stoffes läßt den Anwender mit dem dicken Gewissensfell prima in der Grauzone postulierter Unbedenklichkeit und tatsächlicher Schadhaftigkeit leben.

DDT wird in der Seuchenbekämpfung also deshalb zugelassen, nicht weil es nicht schädlich ist, denn seltsamerweise ist es in allen Industrienationen veboten und auch seine Anwendung zur Malariabekämpfung muß einem speziellen Register gemeldet werden, sondern weil es das GERINGERE ÜBEL zur Seuche ist!

Alles nur Kalkulation.

swizzle101 wrote:Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die allermeisten Organismen (den Menschen eingeschlossen) sind weitgehend unproblematisch.


"Es konnte nicht eindeutig belegt werden ...", "es gibt Unsicherheiten ...", "es gibt Synergieeffekte zwischen DDT und anderen Wirkstoffen des Bioumfeldes sodaß man nicht eindeutig ...", "es gibt keine wirklich überzeugenden Beweise ...", "es ist noch unklar in wie weit die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können ...", "allerdings ...", "obgleich ...", "aber ..."

... diese Grauzone der Uneindeutigkeit bei gleichzeitiger Existenz dokumentierter Schäden veranlaßt Dich also zu der Aussage "weitgehend unproblematisch" OO??

Noch ein Punkt : DDT hat mittlerweile viel von seiner ursprünglichen Wirkung eingebüßt. Ungefähr 24 Mückenstämme sind schon resistent.

Auch noch ein stumpfes Messer ....

Zusammengefaßt ist DDT also schon lange ein Anachronismus der Chemieküche dessen Lebenserhaltung lediglich aus Gründen der Kostengünstigkeit und Simplizität des Anwendungsverfahrens betrieben werden soll, nicht weil es plötzlich unschädlich geworden ist oder besser ist als vorhandene Alternativen oder weil es sogar keine Alternativen gäbe.

Wenn DDT wirklich weitgehend unproblemtsich ist, warum ist es dann in der ersten Welt verboten? Nur weil weltfremde Linke ein paar brüchige Vogeleier unter wer weiß welchen gesellschaftspolitisch günstigen Konstellationen für ihre gefühlsduseligen Zwecke instrumentalisieren konnten?

Nicht wirklich, oder?

Ich würde Dir gerne dabei zusehen wenn Du Dich zwischen DDT-haltigen und nicht-DDT-haltigen Nahrunsgmitteln für Deine oder die Ernährung Deiner Nachkommenschaft entscheiden müßtest. Sicher würdest Du keine Manchetten haben dauerhaft in letztere zu beißen ... :- )

-> Für uns die Sicherheit. Für die Anderen das Restrisiko. Richtig?

Über Poncho und Roundup kannst Du (unteranderem) hier nachlesen :

Poncho :

- http://www.epochtimes.de/articles/2008/ ... 84658.html

- http://idw-online.de/pages/de/news264445

Roundup :

- http://www.mindfully.org/Pesticide/2005 ... 1apr05.htm

swizzle101 wrote:Ich möchte das Thema aufgreifen, weil es exemplarisch für die Wechselwirkungen von Medien, öffentlicher Meinung, Politik und Wissenschaft ist.


Umgekehrt wird ein Schuh ´draus : Es ist expemplarisch für den unreflektierten Einsatz menschlicher Technologie ohne Abschätzung ihres Risikos, bzw. seine bewußte Inkaufnahme.




Ingo


swizzle101 wrote:Trotz aller Schwierigkeiten und der gelegentlichen Fehler, die wir begehen, haben wir auch Grund, stolz auf uns zu sein und optimistisch in die Zukunft zu blicken


Welche Maßstäbe legst Du da zugrunde?
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Postby SebastianK » 01 Jul 2008 13:48
Jo bezüglich DDT bei der Malariabekämpfung steht es so bei Wikipedia das stimmt natürlich!

edit: Der Rest steht natürlich auch bei Wikipedia!
Gruß
Sebastian
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Postby Bratfisch » 01 Jul 2008 14:29
Hallo Sebastian.

Es geht nicht darum in welcher Tabelle Daten stehen sondern mit welchem Algorithmus sie gelesen werden. Was heute im Internet steht, stand früher in Schulbüchern und Fachliteratur, davor auf Steintafeln und zukünftig in Implantaten. Die Quelle des Wissens ist lediglich ob ihrer Qualität interessant, nicht ihrer Lokalität.

War es das was Du meinstest?

Oder meinst Du das wir uns diese Diskussion schenken sollten da wir keine eigenen Studien zu dem Thema angefertigt haben und Fremdfakten bemühen müssen? ...



Ingo
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Postby swizzle101 » 01 Jul 2008 18:06
Hallo Ingo

Die Argumente liegen auf dem Tisch, und Mitlesende können sich eine eigene Meinung zum Thema bilden. Unten ein Ausschnitt aus der Informationsbroschüre der WHO zu DDT, wo alle Argumente und die offizielle Stellungnahme bündig zusammengefasst sind.

Why is DDT use for malaria vector control so controversial?
DDT is a persistent organic compound. This means that the compound can stay in the
environment long after its initial application as an insecticide (up to 12 years). During this time,
DDT and its breakdown products may enter the food chain and accumulate in fatty tissues
(bioaccumulation). Harmful effects in the wildlife population have been linked to DDT, including
the thinning of eggshells in birds exposed to the compound. There are also fears that DDT may
have a long-term impact on human health. Although there is currently no direct link between
DDT and any negative human health effect, there is growing evidence that it may disrupt
reproductive and endocrine function. Opponents of DDT use for vector control argue that its
use should be curtailed on these grounds.
Advocates of the continuing use of DDT as an insecticide for disease vector control base their
argument on various factors: the unacceptably high levels of mortality and morbidity caused by
malaria, the proven effectiveness of DDT in significantly reducing malaria transmission, the
relatively low cost of DDT interventions, and the lack of any sustainable alternative in many
endemic countries. They argue that the negative environmental and other effects associated
with DDT use in the past reflect the massive uptake and bioaccumulation arising from the high
amounts used as general agricultural pesticide. The amount of DDT used for disease vector
control is negligible compared with that used in agriculture. The advocates also argue that
when strictly used indoors, as recommended by WHO, DDT poses very little if any environmental
threat.
Grüsse, Christian :sleep:
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Postby Bratfisch » 01 Jul 2008 18:58
Hallo Christian.

swizzle101 wrote:Die Argumente liegen auf dem Tisch, und Mitlesende können sich eine eigene Meinung zum Thema bilden.


Ja. Und ich denke das ist das wichtigste daran. Die Pole sind definiert. Wer nun seinen persönlichen Äquator finden will wird dies tun. Wer nicht, bleibt daheim. Ich danke Dir für Dein sachliches Auftreten. Es hat dem Thema gut getan. Ich hätte es irgendwann verrissen ...


Ingo
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Postby swizzle101 » 01 Jul 2008 19:25
Und ich danke dir für dein engagiertes Mitstreiten. Politik ist Bügerpflicht ;-)
Grüsse, Christian :sleep:
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