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Beitragvon Pelle » 10 Aug 2017 19:12
Guten Abend,

ich möchte mal eine kleine Lanze für Wasserstoffperoxid brechen.

Zur Stabilisierung: Wasserstoffperoxid zersetzt sich ja bekanntlich in Wasser und Sauerstoffradikale. Diese Autolyse wird durch Schwermetalle erheblich gefördert, s.a. lustige Internetvideos "Elefantenzahnpasta" (auch wenn da KI verwendet wird, geht auch mit Eisendünger).
Damit die überall mal vorkommenden Eisenionen (Staub, Rohrleitung, ...) nicht die Autolyse fördern, wird Phosphorsäure zugesetzt, Wüstenrose hatte es ja geschrieben. Eisen ist gebunden, der katalytische Effekt ist weg.
Statt Phosphorsäure wird für Verpackungsmaschinen im Lebensmittelberich mit Phosphonsäuren gearbeitet, wegen der Maschinenzulassung. Tut es auch, für uns ist das letztendlich egal.

Zur Schleimhautreizung: Der Zahnarzt verwendet Wasserstoffperoxid in verschiedenen Konzentrationen, mal zum desinfizieren des Mundspülwassers mit ca.200ppm Lösungen, mal kurzzeitig zum Bleichen in höheren Konz. Gibt Bericht wo Einnahme höherer Mengen zu Embolien führt, Stichwort Taucherkrankheit bzw. Gasbläschenkrankheit, kann bei den Fischen ja evtl. auch vorkommen.

Zu den Konzentrationen: Die EU Richtlinien z. Thema Biozidrichtlinie werden gerade neu überarbeitet und sind noch nicht raus. Was ich aber kenne, ist die Stoßdsoierung von industriellen Wässern mit etwa 500-1000ppm, Dauerdosierung etwa 100-200ppm. Da schwimmen natürlich keine Fische drin und das soll u.a. auch Legionellen töten.

Zu den Schleimhäuten: Wasserstoffperoxid hat keine Trinkwasserzulassung nach TVO, weil es nicht in der Lage ist, den Biofilm ausreichend zu durchdringen, richtig gut geht das nur mit Chloroxiden. Ich sag jetzt nicht, dass es für Fische & Kiemen ungefährlich ist, da müssen die Ökotoxikologen dran. Aber den Biofilm wird es nicht komplett zerschlagen, nur dämpfen.

Wenn ich was desinfizieren will, nehme ich Anubia/Javafarn raus, 2-3 min in 0,1%ige Lösung tauchen, abspülen, wieder rein. Passt soweit.

Rückfragen immer gern, schönen Abend Euch!

Edit: Dosierhilfe:
10 ppm = 1g pures Wasserstoffperoxid auf 100 Liter = max. 15mL der 6%igen Lösung verwenden, beim Einnebeln entsteht ja lokal eine höhere Konzentration.
Wäre ein Versuch wert, ob Eisendünger Wasserstoffperoxid dann auch schnell wegneutralisiert, Zehrung ist aber i.d.R. so schnell, dass nach ca. einer halben Stunde, Stunde, das Wasserstoffperoxid weg ist, je nach Organik im Becken.
Liebe Grüße
Uli
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Beitragvon Maikan » 17 Sep 2017 20:41
Wenn Aquarium Haltung sich in ein Chemiestudium ausufert :lol: ;)
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Beitragvon Pelle » 18 Sep 2017 05:49
Andersrum: wenn Berufserfahrung und Fachwissen geteilt wird. :besserwiss: :gdance:

Ich freu mich ja auch über jeden anderen fundierten Ratschlag.
Liebe Grüße
Uli
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Beitragvon Plantamaniac » 18 Sep 2017 10:54
Hallo, was meinst Du?..
Ich möchte einen gebrauchten Eheim Eckfilter desinfizieren, der in einem Becken mit Cladophora war.
Könnte zb. einen 10 Litereimer nehmen, um eine Maßeinheit zu haben und 3%iges Wasserstoffperoxyd ist vorhanden.
Also Hardware, nix lebedes.
Wieviel von dem 3%igen würdest Du auf 10 Liter mit Hardware oder auf 10 Liter mit harten Pflanzen dosieren?
Ich tu mir mit dem blöden ppm irgendwie schwer :sceptic:
Den Filter könnte ich auch einstecken, damit das Wasser schön durchspült.
Würde das Wasserstoffperoxyd Metalle am Filter angreifen? zb. die Welle vom Impeller?

Oder doch lieber Danklorix?
Chiao Moni
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Beitragvon Thumper » 18 Sep 2017 11:01
Moin,

ml H202 (3%) * (30/Litervolumen aquarium) = H202 ppm Konzentration (in der Wassersäule)
x*(30/10)=20 ppm (ist laut Post 1 für Grünalgen in Ordnung. Ich desinfektiere mit der gleichen Menge)
x*3=20 ppm -> x=6,67 ml

Somit würdest du 6,67 ml 3% H2O2 in 10L Wasser geben.
Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du auf auf 30ppm hoch gehen (10ml 3% H2O2).
Grüße,
Bene


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Beitragvon tobisfr » 04 Okt 2017 08:25
Hallo,

Wenn man H2O2 und EC als Komplettbehandlung kombiniert, und welcher Reihenfolge und in in welchem Zeitabstand sollte das denn dann erfolgen?

Grüße
Tobi
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Beitragvon Pelle » 04 Okt 2017 09:52
Warum doppelt? Mach eine Methode richtig, und gut ist. Peroxid auf Stoß und EC als Langzeitwirkung?

Ansonsten: Zuerst das Peroxid, warten, bis es nicht mehr blubbert, dann noch eine Stunde warten, und dann erst EC hinterher.

Ich mach es so: sonstige Arbeiten, Pumpe aus, Algen von den Scheiben kratzen, Punktbehandlung Peroxid, nach 5 min Wasserwechsel von der Stelle aus, wo ich eingenebelt habe. Das halte ich für schonend der übrigen Mikrobiologie gegenüber.

Dann meinetwegen mit EC/Dünger/... weitermachen.
Liebe Grüße
Uli
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Beitragvon Frank2 » 06 Okt 2017 10:56
Code Wenn man H2O2 und EC als Komplettbehandlung kombiniert, und welcher Reihenfolge und in in welchem Zeitabstand sollte das denn dann erfolgen?


Tobi also ich finde, dass da noch ne AlgExit Kur im Anschluss fehlt. Wenn schon, denn schon! Oder? UVC-Klärer auch dran? Purigen im Filter für klares Wasser und Skimmer für die Oberfläche?

Schön wie sich die Aquarisitk in den Jahren verändert. Früher wollte man ein Stückchen Natur im Wohnzimmer haben. Heute ist es mehr ein Chemiebaukasten nebst Technikoase. So ist das halt, alles hat seine Zeit. :smile:

Viele Grüße
Frank
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Beitragvon Pelle » 06 Okt 2017 11:25
...früher gab es es auch keine haltbare Milch und Lebensmittelzusatzstoffe. Auch ein kurzzeitg(!) chemisch stabilisiertes Aquarium vermittelt immer noch Respekt vor der Natur...

Tobi, teile uns doch bitte Deine Gedanken mit.
Liebe Grüße
Uli
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Beitragvon Wuestenrose » 06 Okt 2017 11:54
Mahlzeit…

Frank2 hat geschrieben:Schön wie sich die Aquarisitk in den Jahren verändert. Früher wollte man ein Stückchen Natur im Wohnzimmer haben. Heute ist es mehr ein Chemiebaukasten nebst Technikoase.


:thumbs: :D


Grüße
Robert
生活中的每一天都不可避免地会增加可以吻我屁股的人数。
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Beitragvon Frank2 » 06 Okt 2017 12:18
Hallo Uli,

es gibt worst case Szenarien, wo ich es auch einsetzen würde. Ich habs in 25 Jahren noch nicht gebraucht seltsamerweise.
Ich habe mal ne EC Überdosierungskur gemacht, aber nicht wie hier beschrieben, sondern mit der Hälfte davon. Viele Jahe her. Das war das einzige Becken in meiner Laufbahn, welches nie wenigstens irgendwann 100% wurde. Ich schaue in ein Becken, rieche rein und sage Dir ob das bis zum sankt Nimmerleinstag laufen kann oder nicht. Soweit war dieses Becken nie wieder, obwohl sichtbar oft algenfrei. Aber wehe da hat sich was an den Bedingungen geändert.... .

So wie ich es oftmals lese wird in größeren und auch kleineren Abständen deratiges Prozedere veranstaltet. Da wird dann nie was draus! Es ist besser wenn man Sehen lernt und rechtzeitig Veränderungen vornimmt. Dann kommt es erst gar nicht so weit, dass man dazu greifen muss.

Ich weiß ich meckere da oft rum.... will nur den Blick darauf lenken, dass man auch ohne wöchentliche Scheibenputzerei, absaugen oder rausschneiden von Algen, ja man glaubt es heute kaum, auch ohne wöchentlichen WWechsel und erst recht ohne H2O2 auch bepflanzte Aquarien völlig problemlos führen kann. Es braucht allerdings immer etwas Zeit und Geduld. Und viel weniger von den oben beschriebenen Zutaten als man denkt!

Grüße
Frank
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Beitragvon Haeck » 06 Okt 2017 15:58
Moin,
Frank2 hat geschrieben:Hallo Uli,

es gibt worst case Szenarien, wo ich es auch einsetzen würde. Ich habs in 25 Jahren noch nicht gebraucht seltsamerweise.
Ich habe mal ne EC Überdosierungskur gemacht, aber nicht wie hier beschrieben, sondern mit der Hälfte davon. Viele Jahe her. Das war das einzige Becken in meiner Laufbahn, welches nie wenigstens irgendwann 100% wurde. Ich schaue in ein Becken, rieche rein und sage Dir ob das bis zum sankt Nimmerleinstag laufen kann oder nicht. Soweit war dieses Becken nie wieder, obwohl sichtbar oft algenfrei. Aber wehe da hat sich was an den Bedingungen geändert.... .

So wie ich es oftmals lese wird in größeren und auch kleineren Abständen deratiges Prozedere veranstaltet. Da wird dann nie was draus! Es ist besser wenn man Sehen lernt und rechtzeitig Veränderungen vornimmt. Dann kommt es erst gar nicht so weit, dass man dazu greifen muss.

Ich weiß ich meckere da oft rum.... will nur den Blick darauf lenken, dass man auch ohne wöchentliche Scheibenputzerei, absaugen oder rausschneiden von Algen, ja man glaubt es heute kaum, auch ohne wöchentlichen WWechsel und erst recht ohne H2O2 auch bepflanzte Aquarien völlig problemlos führen kann. Es braucht allerdings immer etwas Zeit und Geduld. Und viel weniger von den oben beschriebenen Zutaten als man denkt!

Grüße
Frank


Gruß
André
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Beitragvon Mandocello » 08 Okt 2017 15:49
Hallo Moni,

um das mal noch zu beantworten: H2O2 macht dem Edelstahl nichts aus.

Grüße
Uwe
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Beitragvon Yves » 07 Dez 2017 19:42
Ich habe in einem (aufgrund von Evakuierung) unbesetzten Becken aufgrund von extremen Problemen mit Schmieralgen als Ultima Ratio 50ml 19.9%ige Lösung auf 64l Brutto hinzugegeben. Ludwigia Rubin und Rotala Macrandra, sowie Eleocharis acicularis sind nach einem Tag noch augenscheinlich intakt. Sämtliche Algen - inklusive die Pest an den Scheiben - hat sich weiß gefärbt und zerfällt. Hardscape, Glasware und Twinstar-Elektrode sehen nun aus wie neu.

Ich werde am Wochenende einen vollständigen Wasserwechsel durchführen und das Becken mit Bakterien aus einem der Bestandsbecken animpfen. Ich berichte gerne, ob sich das System davon erholt.

Anbei noch ein paar Fotos. Ich experimentiere mit diesem Becken übrigens auch ein stückweit… also keine Sorge. Die Extreme sind mir zum Teil bewusst.

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Beitragvon spezzeguti » 07 Dez 2017 21:07
Hallo Yves,

da hat der Twinstar aber voll versagt :lol:

Ich finde dein Vorgehen gerade aufgrund dieser extremen Dosierung sehr interessant. Berichte bitte, wie es die Pflanzen verkraftet haben. Das wird sich wohl erst in ein paar Tagen zeigen.
Grüße von der Müritz
Daniel :smile:
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