Hi zusammen,
danke
Erst mal muss ich hinzufügen: ich meine Bucephalandra motleyana
im Sinne von Bogner & Hay (2000) (
http://www.rbgsyd.nsw.gov.au/__data/ass ... Bog179.pdf). Es kann immer auch sein, dass andere Autoren - oder die selben Autoren in früheren oder späteren Publikationen - andere Auffassungen zur Artabgrenzung haben. Bei den Buce's z.B. mag es keine Einigkeit geben, ob die extrem schmalblättrige Bucephalandra catherineae in die Variationsbreite von B. motleyana fällt oder als eigene Art abgetrennt werden kann, weil keine Zwischenformen gefunden wurden.
Also B. motleyana ist mal ein gutes Beispiel für ein Problem, das immer wieder bei kultivierten, aber von Natur aus variablen Pflanzenarten auftaucht, wie auch bei Cryptos, Rotala rotundifolia-Formen, Echi-"Arten" aus der grisebachii-Gruppe, Javafarn-Formen... dazu hatte ich mich
in diesem Crypto-Thema zuletzt ausgelassen.
Wenn die Taxonomen irgendwelche Pflanzenpopulationen zur gleichen Art zählen, ohne Unterarten oder Varietäten aufzustellen, meinen sie damit noch lange nicht, dass es alles "das gleiche" sei. Sondern es kann auch bedeuten, dass eine Art zwar extrem variabel ist, aber weil es bei den natürlichen Populationen viele Zwischenformen gibt und also die Variation kontinuierlich ist, können sie keine Untergruppen innerhalb der Art abgrenzen.
Bei den hier vorgestellten Bucephalandras kann man das gut sehen: wenn man z.B. nur "Kapit", "Sintang" und "Pancuraji" rausgreift, sieht man große Unterschiede. Würde man aber alle Fundortvarianten beisammen haben, wären alle Übergänge bei den Merkmalen zu finden. Genau so ging es den Taxonomen: erst hatten sie eine Anzahl von Arten beschrieben, aber nachdem sie in Feld- und Herbarstudien die ganze Variationsbreite der Bucephalandras auf Borneo erfasst hatten, reduzierten sie die Artenzahl auf 2 (-3).
Die Aquarianer sind natürlich an spezifischer Benennung von unterscheidbaren Pflanzen interessiert. Und auch daran, dass die gleich benannten Pflanzen in ihren Eigenschaften einheitlich sind. Die Erwartungen an die botanischen Namen sind praktisch die gleichen wie die an Sorten-(=Cultivar-)Namen. Diese Erwartungen können aber die Taxonomen nicht erfüllen Deren Gegenstand sind die natürlichen Populationen, nicht die kultivierten Pflanzen. Bei allem, was sie mit wissenschaftlichem Namen benennen, kann es genetisch fixierte Variation geben.
Z.B. hat Wim Crusio in seiner Anubias-Revision den Aquarianern zuliebe Varietäten von Anubias barteri bestehen lassen. Obwohl es, wie er selbst schreibt, in der Natur alle Übergänge zwischen den Varietäten gibt. Von var. caladiifolia oder var. glabra z.B. gibt es verschiedene Formen, die auch einen eigenen Namen bräuchten. Es würde aber keinen Sinn machen, sie mittels wissenschaftlicherTaxonomie zu unterscheiden. Man kommt hier nicht ohne Sortennamen oder Hilfsbezeichnungen in Anführungszeichen aus.
Was die Bucephalandra-Formen betrifft, würde ich sogar sagen: die Hilfsbezeichnungen in Anführungszeichen sowie Beschreibungen und Fotos der Fundortvarianten sind für uns eigentlich wichtiger als das Wissen darum, zu welcher Art sie die Taxonomen (zur Zeit) zählen.
Das Problem ist nur, dass z.B. unsere "Pancurajis" oder "Sintangs" auch nicht einheitlich sind, es gibt welche mit schmaleren und breiteren, helleren und dunkleren Blättern... und weil diese Dinger so verdammt langsam wachsen, wissen wir noch nicht, ob das genetisch fixierte Variation oder nur Umweltplastizität ist.
Gruß
Heiko