von nik » 26 Jan 2009 12:54
Hi,
sowohl für estimate als auch für Index gibt es eine Latte an Bedeutungen. Zugunsten des "schönen Klangs" trifft Estimative Index nicht so sehr genau den Kern der Bedeutung dieser Düngung. Der Bedeutung näher und aussagefähiger im Rahmen möglicher Übersetzung wäre "veranschlagter Richtwert". Gigantisch ist das nicht, aber mit Index kann man halt garnichts anfangen und auch wenn "veranschlagen" am Rande der Möglichkeiten von to estimate ist, trifft das auch besser als die Schätzung. Die Mengenbestimmung ist ja durchaus ein konkreter Bereich.
Zum CO2. Nur weil ich es nicht erlebt habe, will ich nicht ausschließen, dass höhere CO2-Gehalte irgendwie hilfreich sein können. Mein aquaristischer curriculum vitae führte zu meiner Sicht. Das ist schon lange her, dass ich interessehalber CO2 soweit wie möglich heruntergefahren habe. Es ist von Strömung abhängig, aber selbst gering gerührt kam ich in meinem stark bewachsenen Paludarium mit 6-10mg/l geregelt(! d.h. mit dieser Hysterese) aus. Das lief über 6 Jahre so! Anfänglich hatte ich die Untergrenze ausgetestet und bei diesem Setup, das nur durch seine extrem niedrige KH (<0,5°) auffiel, konnte ich reproduzierbar bei ca. 5mg/l CO2 ein deutliches Nachlassen der Sauerstoffproduktion der Pflanzen beobachten.
Als Pflanzenaquarianer neige ich zu einer "genügenden" Versorgung und ich neige da auch zum es-gut-meinen. Was mein Sohn mit seinem Becken in Sachen fehlender CO2-Versorgung anstellte, hätte ich vorher nicht angenommen, dass es das unbeschadet übersteht. Drei Wochen ohne CO2 im ordentlich bepflanzten und beleuchteten Aquarium zeigte sich in einem dunkelblauen CO2-Dauertest, geringer, aber immer noch vorhandener Sauerstoffproduktion, bei im Tagesverlauf immer noch erreichter, mich ziemlich erstaunender O2-Sättigung und langsamem Pflanzenwachstum. Ansonsten gab es nicht den Anflug eines Problems.
Beim AquaCube40 mit 2x18W Dulux wollte ich im besatzfreien Becken über eine vielfache Düngerdosierung die latente Bakterienblüte - für "Eumel6" zur Untersuchung - richtig zum Ergrünen bringen, das misslang aber. Nach 8 Wochen ohne Pflege, aber weiterer Düngung ließ das soweit nach, dass ich den Versuch dann aufgab, Mulm aus dem Becken meines Sohnes einbrachte - und fertig. Seit dem ist das Becken mit brilliant gut beschrieben! Wie endlich das mit der CO2-Versorgung über den Zeitraum von 10 Wochen mit einer 0,75L Bio-CO2-Flasche aussieht, kann man sich leicht denken. Auch da zog eine fehlende CO2-Versorgung, keinerlei Futter über einen etwa 8-wöchigen Zeitraum keine Probleme bezüglich des Pflanzenwuchses, geschweige denn Algen nach sich. Seitdem sehe ich das mit dem CO2 als Problemlöser/-verursacher recht gelassen.
Auch in Verbindung mit meiner ein Jahr währenden Spielerei mit der bakteriellen Trübung hat das meine Sicht verändert. Bis dahin hatte ich es für möglich gehalten ein Becken über die Einstellung seiner Parameter "zwingend" zum Funktionieren bringen zu können. Trotz überwiegend erfolgreicher Setups funktioniert das trotzdem nicht immer! Da ich mir schon ziemlich sicher bin was ich tue, blieb mir nur mehr übrig Unterschiede in der Mikroflora anzunehmen. Speziell die bakterielle Trübung hat mir gezeigt, dass die über die Nährstoffsituation oder auch über die anderen "technischen" Parameter nicht wirklich zu beeinflussen war. Umgekehrt war es aber möglich die Mikroflora in einem unbefriedigend laufenden Becken durch ausgedrückte Filterschwämme aus einem funtionierenden Becken im gewünschten Sinne neu aufzugleisen. Auch wenn das ein indirekter Weg zu "meinem Ergebnis" ist, macht das die ganze Choose mir in einem Umfang plausibel, dass ich die unterschiedliche Entwicklung der Mikroflora für mich sogar als das Finden des missing link betrachte. Wenn ich an das - aus einer langen, mich an den Rand der Hobbyaufgabe bringenden Algenphase - entstandene Interesse an den Ursachen für Algenentwicklungen denke, dann hätte ich nicht gedacht, das mal für mich als weitgehend gelöst betrachten zu können. Ich frage mich z.B. noch, was an bestimmten Mengen (unbestimmter) (Spuren-) Elemente einen ganz offensichtlich suppressiven Einfluss auf viele Algen hat. Die Geschichte von der Nährstoffkonkurrenz höherer Pflanzen funktioniert manchmal, manchmal aber auch nicht. Das ist nicht zwingend und lässt sich durch ein pflanzenfreies - nichts desto trotz algenfreies - Becken in seiner zwingenden und grundsätzlichen Bedeutung widerlegen. Interessant ist die scheinbare Abhängigkeit mancher Algen zur Mikroflora. Fadenalgen z.B. und die grünen Filme auf den Scheiben würde ich inzwischen so einordnen - ausreichende Düngung immer vorausgesetzt!
Es ist also ein zu akzeptierendes, dass ein "ordentlich parametrisiert" aufgesetztes Becken nicht unbedingt ordentlich, besser in den gewünschten Bahnen laufen muss. Es kann dann lange dauern bis die Mikroflora wie gewünscht läuft.
Ein Becken mit entsprechender Mikroflora anzuimpfen ist ein relativ leichter Weg. Ein solches Becken erklärt auch die tatsächlich vorhandene Bandbreite gut funktionierender, mitunter widersprüchlich erscheinender Setups. Ich denke, das lässt sich günstiger gestalten oder nicht so günstig. Da ist viel grauer Bereich. In jedem Fall betrachte ich die "Parametrisierung" erheblich lockerer und um auf den Punkt zu kommen, die CO2-Versorgung auch. Die sollte dazu genutzt werden den pH-Wert in einen wünschenswerten Bereich von idR. knapp unter 7 zu bringen. Der EI ist aufgrund reichlicher Nährstoffzugabe per se eine gute Option zur Algenprophylaxe, wegen des von mir angenommenen Einflusses der Mikroflora aber keine Garantie.
Derzeit werden all Becken nach EI gedüngt. Das orientiert sich nicht an den angegeben Bereichen, sondern vor allem an der schlichten Idee einer reichlichen, in jedem Fall genügenden Düngung. Bringt halt größere Wasserwechsel mit sich, ist aber einfach und bequem.
Gruß, Nik